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Mitunter reichlich zerfleddert, weil so viele dran ziehen: Das Logo des Deutschen Fußball-Bundes. dpa
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Mitunter reichlich zerfleddert, weil so viele dran ziehen: Das Logo des Deutschen Fußball-Bundes. dpa

Konferenz in Hamburg

DFB in der Krise: Problematische Suche nach neuem Präsidenten

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Der DFB stellt in Hamburg bei einer dreitägigen Zusammenkunft die Weichen für die Zukunft - und will sich von der Bundesliga nicht wieder den Weg weisen lassen.

Hamburg - Das Programm ist prall gefüllt. Seit Freitagnachmittag und noch bis Sonntag stecken die 21 Chefs der Landesverbände des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Konferenzraum „Reeper, Seiler, Lotse“ des Lindner Hotels Hamburg am Michel die Köpfe zusammen. Es geht um nicht weniger als die Zukunft. Alle wissen, dass das Image des DFB nach den verheerenden Grabenkämpfen unter dem im Mai zurückgetretenen Ex-Präsidenten Fritz Keller kaum schlechter sei könnte.

Wer nach dem dritten Rücktritt eines Präsidenten mal wieder der starke Mann im Verband ist, lässt sich an der Tagesordnung ablesen. Acht von zehn Programmpunkten inklusive der Begrüßung moderiert „RKO“. Das Kürzel steht für Rainer Koch, den Co-Interimschef, Präsident des Bayerischen Verbandes und Uefa-Delegierter des DFB. Bei dem 62-Jährigen laufen die meisten Fäden zusammen, aber die Deutsche Fußball-Liga (DFL) will ihn schon lange loswerden. Und einige große Landesverbände wie Westfalen und Niedersachsen sind ebenfalls skeptisch, ob es richtig ist, dass der langjährige Strippenzieher wieder zum Königsmacher wird.

DFB: Top-Favorit auf die Nachfolge von Fritz Keller ist Bernd Neuendorf

Danach sieht es derzeit aus. Top-Favorit auf die Nachfolge von Fritz Keller ist Bernd Neuendorf. Der ehemaliger Staatssekretär für Sport in Nordrhein-Westfalen ist ein SPD-Parteifreund von Koch. Alle, die man fragt, trauen es Neuendorf zu, einen tauglichen DFB-Präsidenten abzugeben. Die Wahl findet am 11. März im Frankfurter Kongresszentrum statt. Ein Landesverbandschef sagt: Die Zeit rennt. Das wissen wir.“

Was die Amateurvertreter unbedingt verhindern wollen, ist eine Wiederholung des Irrtums Fritz Keller. Den Winzer vom Kaiserstuhl hatte auch die DFL mit deren zum Jahresende scheidenden Boss Christian Seifert durchgesetzt, noch dazu unter Zuhilfenahme einer teuren Personalberatung. Keller sollte auch nach dem Willen von Koch ein schwacher Präsident sein, wollte aber Stärke zeigen, die ihm die DFB-Satzung aber nicht gewährte. Es passte hinten und vorne nicht.

DFB-Chef soll künftig wieder mehr Durchgriffsrecht bekommen

Künftig soll ein DFB-Chef wieder mehr Durchgriffsrecht bekommen. „Der Präsident muss eine starke Position haben“, so der Tenor. Der hessische Verbandschef Stefan Reuß sagt: „Wir brauchen eine Persönlichkeit mit klarem Kompass für die Zukunft, der frei von Einflüssen des einen oder anderen Lagers ist.“

Weder der scheidende Vorstandschef des VfB Stuttgart, Ex-Nationalspieler und DFB-Vielfaltsbotschafter Thomas Hitzlsperger (39), noch der ehemaligen Vorstandsfrau beim Hamburger SV, Katja Kraus (50), sind unter den Landesverbandschefs ein Thema für die Keller-Nachfolge. Beide Namen wurden öffentlich diskutiert. Kraus führt die Fraueninitiative „Fußball kann mehr“ an.

Bernd Neuendorf soll DFB-Präsident werden. dpa

Kaum Chancen werden auch dem ambitionierten Schalker Ex-Finanzchef Peter Peters eingeräumt, der derzeit gemeinsam mit Koch den Verband interimistisch führt. Dem 59-Jährigen haben die Landesfürsten nicht vergessen, dass er als Apparatschik der DFL vor einigen Jahren dafür eingetreten ist, dass die Topklubs nicht mehr an den ersten Runden im DFB-Pokal teilnehmen sollen. Das wusste Ex-Präsident Reinhard Grindel seinerzeit gemeinsam mit Koch zu verhindern.

DFB-Bundestag: Geheime Abstimmung über Zusammensetzung des Präsidiums?

Auch Koch hat bei weitem nicht die integrative Kraft, den Verband zu führen. Aber: „Koch ist der Rammbock der Amateure, und er ist in der Uefa vertreten“, sagt ein Landeschef. Das wollen die meisten Amateurvertreter genauso bewahren. Es gibt aber auch Bestrebungen, über die Zusammensetzung des Präsidiums beim DFB-Bundestag am 11. März geheim abstimmen zu lassen. Das wäre eher nicht gut für Koch.

In Hamburg geht es in diesen Tagen zunächst um die nach der Steuerrazzia vor genau einem Jahr auch von den Finanzbehörden geforderte Ausgründung einer GmbH &Co. KG aus dem Verband. Klingt öde, ist aber spannend. Denn die Furcht ist allgegenwärtig, dass die neue DFB-GmbH mit dem designierten Geschäftsführer, dem ehemaligen Ligamann Holger Blask an der Spitze, ein unkontrollierbares Eigenleben entwickelt. Die Funktionäre wollen sicherstellen, dass der DFB die sportpolitische Verantwortung behält, etwa bei Sponsorenverträgen mit potenziellen Partnern, die zwar viel Geld bringen, aber den moralischen Anforderungen nicht entsprechen könnten, wie beispielsweise Qatar Airways.

Welche Visionen soll der DFB entwickeln?

Zweites großes Thema der Debatte ist die neue, teure Akademie und das „Projekt Zukunft“, mit dem der DFB, angeführt von Direktor Oliver Bierhoff, die Talentförderung optimieren will. In den Landesverbänden fürchtet man eine Abwertung der Auswahlmannschaften und regionalen Sportschulen. Es geht auch um finanzielle Fördertöpfe. „Es darf mit der Akademie in Frankfurt nicht zu einer Zentralisierung führen mit der Folge, dass unsere hessische Sportschule in Grünberg mit ihrer tollen Infrastruktur keine Rolle mehr spielt“, sagt Hessens Fußballpräsident Reuß.

Bundestrainer Hansi Flick will sich einschalten und sich einen Überblick über den Stand der Dinge verschaffen. „Das ist mir wichtig.“ Oliver Bierhoff verteidigt das Zukunftskonzept: „Was ich von allen Experten gehört habe, mit denen ich gesprochen habe: Wir haben in der Jugend leider Gottes die Siege und die Karrieren der Trainer in den Vordergrund gestellt und nicht die Talente. Deren Entwicklung muss aber im Mittelpunkt stehen.“

Den Präsidenten-Top-Kandidaten Neuendorf kennt Präsidiumsmitglied Bierhoff laut Selbstauskunft nicht. Er weist darauf hin: „Ich habe auch kritische Stimmen gehört, dass der DFB während der Pandemie mehr für Kinder hätte da sein müssen.“ Es gehe um viel mehr als nur einen neuen Präsidenten. „Es ist wichtig, dass wir uns Gedanken machen, welche Visionen der DFB entwickelt.“ Das sehen die Amateurvertreter genauso. Nur anders. (Jan Christian Müller)

Ex-Präsident Reinhard Grindel hat indes das „belastetes Verhältnis“ des DFB zur Uefa kritisiert und fordert ein klares Veto des Verbandes gegen die WM-Pläne.

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