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Dieses Team will gegen die Bayern die Sensation schaffen: der Bremer SV am heimischen Panzenberg.
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Dieses Team will gegen die Bayern die Sensation schaffen: der Bremer SV am heimischen Panzenberg.

Pokal gegen den FC Bayern

Bremer SV gegen Bayern München: Der Pokaltraum des BSV lebt

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Trotz einigen Handicaps wollen die Bremer Amateure das Pokalspiel gegen die Bayern genießen.

Bremen - Die Selbstironie ist vielen Amateurvereinen scheinbar in die Wege gelegt. „Seit 1962 nicht in der Bundesliga“ lautet der Slogan, mit dem sich der Bremer SV scherzhaft schmückt. Vor allem dann, wenn im DFB-Pokal mal wieder ein höherklassiger Gegner zugelost wird. Jetzt geht das Motto ein bisschen anders: „Solang man Träume noch leben kann.“ Dem Fünftligisten steht im Nachholspiel der 1. Runde des DFB-Pokals gegen den FC Bayern (Mittwoch 20.15 Uhr/live im TV) der Höhepunkt der 115-jährigen Vereinsgeschichte bevor.

Aufgrund zweier Corona-Fälle im Bremer Lager musste die ursprüngliche Ansetzung gekippt werden. Erst vor anderthalb Wochen endete die Quarantäne. BSV-Trainer Benjamin Eta will sich die Vorfreude aber nicht nehmen lassen. Für ihn wäre es eine Überraschung, „wenn es lange spannend bleibt“. Die Bremer sind lupenreine Amateure.

Bremer SV gegen Bayern München: Gänsehaut im DFB-Pokal

Für die BSV-Kicker, inzwischen allesamt genesen und vollständig geimpft, wird bereits das Einlaufen unter Flutlicht im Weserstadion zum Gänsehautmoment. Das Stadion am Panzenberg hätte auch gegen jeden anderen Gegner nicht die technischen Anforderungen erfüllt. Dabei hat die traditionsreiche Spielstätte durchaus Charme: Der Bremer SV bewegte sich in den 50er Jahren fast auf Augenhöhe mit dem SV Werder, lockte in den 80er Jahren in Oberliga-Zeiten noch vierstellige Zuschauerzahlen – und Anfang der 90er Jahre arbeitete sogar Erwin Kostedde als Trainer der Blau-Weißen, die es dennoch nie schafften, wirklich zu einer zweiten Kraft in der Hansestadt – wie der FC St. Pauli in Hamburg oder TSV 1860 in München – aufzusteigen. Dafür fehlte im Bremer Stadtteil Walle die Power.

Eine überdachte Stehplatztribüne hat als Relikt aus besseren Zeiten überlebt. Anders auf den anderen Plätzen der höchsten Bremer Spielklasse, wegen der kurzen Entfernungen der Bremer Stadtteilvereine als „Straßenbahnliga“ verspottet, kamen hier nicht überwiegend nur Freunde und Familienangehörige, sondern eine treue Stammkundschaft inklusive eines kleinen Fanclubs mit Fanfare und Trommel. Dabei ist der Verein vom großen Fußball seit Jahrzehnten weit entfernt. Meister der Bremen-Liga wurde der Bremer SV seit 2014 zwar noch fünfmal, scheiterte in der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord aber ebenso oft. Für die höchste Spielklasse in Bremen mitunter zu gut, für die vierte Liga im Norden zu schwach – damit hat sich eigentlich auch die Frage erübrigt, auf wie viel Widerstand der deutsche Rekordmeister trifft. Und Wunder von der Weser produziert ja auch der SV Werder nicht mehr.

Pokal-Spiel gegen Bayern München bedeutet für Bremer SV „die Welt“

Dass Bremen von der Bundesliga-Landkarte verschwunden ist, wirkt sich indirekt auch auf das Pokalspiel aus. So richtig Begeisterung will nämlich nicht aufkommen. Die Ticketnachfrage verlief eher schleppend. Mit rund 10 000 Zuschauern wird jetzt gerechnet. „Die sollten es schon werden. So oft bekommt man die Bayern hier ja nicht mehr zu sehen“, sagt Ralf Voigt, der Sportliche Leiter. Der langjährige Zweitligaprofi, der für den VfL Osnabrück, Fortuna Düsseldorf und Arminia Bielefeld spielte, spricht von einem „Jahrhundertspiel“, ohne es mit sportlichen Erwartungen zu überfrachten. „Das Ergebnis ist zweitrangig. Wichtig ist, wie wir auftreten. Wir wollen uns nicht verarschen lassen.“

Vorstand Alfons van Werde sagt: „Für den BSV bedeutet so ein Spiel die Welt. Solch ein Event wird es hier die nächsten 20, 30 Jahre nicht geben.“ Zum elften Mal spielt der Bremer SV übrigens im DFB-Pokal, erreichte einmal – 1986 in einem Elfmeterschießen im Wiederholungsspiel bei Hessen Kassel – die nächste Runde. Der bislang letzte Bundesligist, der sich mit dem Bremer Pokalsieger duellierte, war Eintracht Frankfurt. Am 8. August 2015 verabschiedete sich der Außenseiter im Ausweichstadion in Oberneuland nach einem 0:3 achtbar aus dem Wettbewerb. Eintracht Frankfurts Trainer Armin Veh lobte in einem Zeltprovisorium den tapferen Widerstand des Außenseiters. Wenn Bayern-Coach Julian Nagelsmann nun im Weserstadion zu einem ähnlichen Fazit ansetzt, hätte der Bremer SV viel gewonnen. Mehr geht nicht für den ewigen Nicht-Bundesligisten. (Frank Hellmann)

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