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Der Blues der Blues

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Von: Frank Hellmann

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Bekommt es nicht auf die Kette: Graham Potter, Trainer des FC Chelsea.
Bekommt es nicht auf die Kette: Graham Potter, Trainer des FC Chelsea. © dpa

Der FC Chelsea ist in der Premier League im Mittelmaß versunken. Daran schuld sind auch die schwerreichen US-Eigentümer. Der Kommentar.

Zumindest die Fans des FC Chelsea sind nicht ganz so vergesslich wie Besitzer Todd Boehly. Die hymnischen Gesänge auf Thomas Tuchel während der 0:4-Pleite bei Manchester City in der dritten Runde des FA-Cups klangen am Sonntag wie eine Abrechnung mit einer rückblickend aberwitzigen Trainerentlassung des neuen Eigentümers. Ausgerechnet ein schwerreicher US-Unternehmer mit deutschen Vorfahren blendete vor vier Monaten ja aus, was der sicherlich anstrengende, aber stets erfolgreiche Schwabe geleistet hatte.

Tuchel hatte vor zwei Jahren eine taumelnde Mannschaft übernommen, sehr bald die Champions League gewonnen (1:0 im Finale gegen Manchester City), um auch nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und der folgenden Unruhe um Chelsea-Eigner Roman Abramowitsch kühlen Kopf zu bewahren. Unter dem Deutschen gelang trotz aller Widrigkeiten die Qualifikation für die Königsklasse. Ihn nach einem holprigen Start zu schassen, entbehrte jeder Logik, folgte aber der Hire-and-fire-Mentalität, die ein Selfmade-Milliardär mitbrachte. Das Ergebnis liest sich nun auf allen Ebenen ernüchternd.

Die Blues sind in der Premier League im Mittelmaß gestrandet. Zudem ist der Verein in beiden Pokalwettbewerbe ausgeschieden. Tuchels Nachfolger Graham Potter, für 15 Millionen Pfund Ablöse aus dem schönen Brighton losgeeist, musste nun einräumen, einen Tiefpunkt erreicht zu haben. Trotz eines Fünfjahresvertrags ist nicht mal sehr sicher, ob der 47-Jährige wirklich im nächsten Monat beim Champions-League-Achtelfinale gegen Borussia Dortmund auf der Bank sitzt.

Die Skyblues beherrschten auch ohne Erling Haaland einen Gegner, der ein Sammelsurium aus Stammspieler, Reservisten und Talente aufbot, von denen mit dem Ball einer nicht wusste, was der andere tut. Vor allem die Harmlosigkeit der Offensive, bedingt auch durch eine lange Verletztenliste, wirkt seit Wiederaufnahme des Spieltriebs nach der WM erschreckend. Bester Schütze ist der deutsche Nationalspieler Kai Havertz, der indes auch erst bei vier Treffern steht. Der auf Tuchels Betreiben am 31. August verpflichtete Ex-Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang hat nicht nur einiges von seinem Speed, sondern offenbar auch seinen Instinkt als Torjäger verloren.

Nachdem mit Antonio Rüdiger im Sommer eine verlässliche Stütze zu Real Madrid wechselte, wackelt auch die Abwehr. Von Gesamtinvestitionen von weit mehr als 300 Millionen Euro hat Chelsea diese Saison auch reichlich Defensivspieler weit über Marktpreis gekauft. Da kostete der französische Verteidiger Wesley Fofana mal eben 80 Millionen, der senegalesische Nationalspieler Kalidou Koulibaly knapp die Hälfte. Der eine ist länger verletzt, der andere ziemlich außer Form. So wird die Shoppingtour eben munter fortgesetzt.

Ganz oben auf der Wunschliste steht mit Enzo Fernandez noch ein argentinischer Weltmeister, dem die Gebote von der Insel bereits den Kopf verdreht haben. Bis jetzt besteht Benfica Lissabon auf jenen 120 Millionen Euro, die als Ablöse für einen Mittelfeldspieler festgeschrieben sind, der sich in Katar als Lückenstopfer für Lionel Messi verdient gemacht hat. Es ist eine irre Summe für einen treuen Diener. Aber es wäre ein Transfer, der zum wirren Gebaren unter Todd Boehly passen würde.

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