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Lautstark, trotzdem unverstanden: Leipzigs Coach Jesse Marsch. dpa
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Lautstark, trotzdem unverstanden: Leipzigs Coach Jesse Marsch.

Leipziger Trainer unter Druck

Der Albtraum des Jesse Marsch

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der US-amerikanische Trainer von RB Leipzig steht vor der Brügge-Partie am Scheideweg.

Als ob Jesse Marsch nicht genug Ballast mit sich herumschleppen würde. Wenige Stunden vor dem für den Trainer von RB Leipzig als besonders bedeutsam eingestuften Champions-League-Gruppenspiel beim FC Brügge (Mittwoch 21 Uhr/Dazn) teilte der Klub mit, dass Marsch genau wie Keeper Peter Gulacsi positiv auf Corona getestet worden sind. Beide waren zuvor doppelt geimpft. Der Trainer befindet sich bereits in häuslicher Isolation, beim Torwart stand nach einem positiven Schnelltest die Bestätigung durch einen PCR-Test noch aus.

Der Verein betonte, dass im Lizenzspielerbereich alle Spieler und Betreuer entweder vollständig geimpft oder genesen sind. Zudem liegt bei Co-Trainer Marco Kurth ein positiver Corona-Test im familiären Umfeld vor, weshalb er auch auf die Reise an die belgische Nordseeküste verzichtet. Nun wird dort Achim Beierlorzer, ehemals Trainer beim FSV Mainz 05, an der Seitenlinie das Sagen haben. Die in der Königsklasse erfolglosen Sachsen müssen gewinnen, um wenigstens in der Europa League zu überwintern.

Gerade auf Marsch wäre geschaut worden, der sich auch nach einem fast halben Jahr noch schwer tut, seinen Plan zu vermitteln. Der US-Amerikaner hatte dafür extra seine Kommunikation angepasst und hält auf Wunsch der Spieler seine Ansprachen wieder vermehrt auf Englisch. Zwar hatte er sich seinen noch beim Schwesterklub FC Red Bull Salzburg im Oktober 2019 in der berühmten Halbzeitansprache im Champions-League-Spiel beim FC Liverpool praktizierten deutsch-englischen Kauderwelsch („Das ist nicht ein fucking Freundschaftsspiel“) längst abgewöhnt, aber klar kamen seine Botschaften nicht immer an.

Ansagen jetzt auf Englisch

In seiner Muttersprache kann Marsch das Ensemble – oft mit nur einem deutschen Spieler in der Startelf bestückt – offenbar deutlich besser packen. „Gerade in der Motivation kommt es noch authentischer und geiler rüber“, beteuerte gerade Willi Orban. Immer wenn Spieler ihren Trainer derart stützen, ist das oft ein untrügliches Zeichen dafür, dass es im Zusammenspiel in Wahrheit nicht wirklich rund läuft. Zuletzt hat eine ernüchternde Vorstellung bei der TSG Hoffenheim (0:2) neue Zweifel genährt. „Nicht akzeptabel“ nannte der Coach die blutleere Darbietung seiner Akteure, denen mal wieder jemand den Stecker gezogen hatte. Eine katastrophale Zweikampfquote wies auf Einstellungsprobleme hin, schlecht besetzte Räume aber auch auf Taktikdefizite. Versteht das Team nicht, was der Trainer will? Oder passt der Plan fürs Personal nicht?

Dabei wurde Marsch doch gerade deshalb vom Vorstandsvorsitzenden Oliver Mintzlaff als Wunschtrainer bezeichnet, weil dieser nicht nur seit 2015 im Red-Bull-Kosmos arbeitet, sondern 2018/2019 als Co-Trainer unter Ralf Rangnick den vielleicht besten „Trainer-Ausbilder“ Deutschland hatte. Rangnick hat so viel Einfluss auf die Bundesliga-Trainerbranche ausgeübt wie kein anderer; auch der heutige Bayern-Trainer Julian Nagelsmann ist beim Schwaben quasi in die Lehre gegangen.

Oder liegt die Ursache des Problems ganz woanders? Die meisten Führungsspieler im RB-Kader haben zwei Jahre unter Nagelsmann hinter sich und davor Rangnick erlebt. Die Liste an Führungsspielern, die die Schule unter diesen beiden starken Charakteren durchlaufen haben, ist lang: Sie umfasst Torwart Peter Gulacsi, Abwehrmann Willi Orban, den deutschen Nationalspielern Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg, dazu die Mittelfeldkräfte Emil Forsberg, Konrad Laimer und Kevin Kampl sowie Publikumsliebling Yussuf Poulsen.

Problem der Akzeptanz

Womöglich hat Marsch schlicht ein Akzeptanzproblem. Denn die Autorität leidet zwangsläufig, wenn die eigene Anschauung wegen sprachlicher Barrieren nicht übermittelt werden kann. Es wäre nicht der erste ausländische Coach, der an dieser Hürde hängenbleibt.

Hinzu kommt, dass Marsch einen anderen Führungsstil pflegt. Er sprach fast nie von der Mannschaft, sondern immer von der Gruppe. „Selbstloses Leadership“ nannte er das Bestreben, den Spielern mehr Verantwortung zu übertragen – auch in ihren Entscheidungen auf dem Platz. Er wollte im besten Fall, erläuterte er in der Vorbereitung in Saalfelden, bald derjenige sein, der gar nicht mehr groß eingreifen muss. Das kann klappen. Das kann aber auch schiefgehen; gerade dann, wenn die Protagonisten sich zuvor auf eine Persönlichkeit am Spielfeldrand verlassen konnten, die in Windeseile stets die richtigen Korrekturen anbrachte.

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