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Denkanstoß in der Metro

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Von: Frank Hellmann

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Vielleicht schafft man es ja doch noch, diese WM zu verstehen.
Vielleicht schafft man es ja doch noch, diese WM zu verstehen. © dpa

Es ist genug Zeit, um mit mehr Menschen in Katar zu sprechen und mehr von diesem Land zu erfahren. Um vielleicht diese WM ein bisschen besser zu verstehen. Noch ist es nicht zu spät.

Erstmals hat die Fifa ja Fans und Journalisten gestattet, sich an einem Tag zwei Spiele anzuschauen. Und wenn der mit kurzfristigen Verboten sehr eilige Weltverband schon mal etwas erlaubt, muss man es doch mal probieren. Unterwegs ist man von neun Uhr morgens bis drei Uhr in der Nacht. Für Schweiz gegen Kamerun (1:0) und Brasilien gegen Serbien (2:0). Vom Süden aus dem Al Janoub Stadium in den Norden von Doha zum Luisal Stadium geht es mit der Metro. An der Eingangsstation Al Wakra drängeln sich am frühen Abend die Menschen.

Aber irgendwie geht es immer weiter. Rauf und runter über die Rolltreppen, rein in den Zug. Ein Herr zeigt auf den schmalen Platz neben ihm. Er trägt einen Schnauzer eine Kappe. Er kommt aus Pakistan und bildet seit fünf Jahren Piloten für die Qatar Air Force aus. Die WM, sagt er, habe hier viel Gutes für sein Wohngebiet gebracht. Die Metro, die Straßen. Seine Tochter und sein Sohn studieren hier, was viel Geld kostet. Dazu gehen umgerechnet fast 2500 Euro jeden Monat für Miete drauf. Seine geliebte Heimat hätte er nicht verlassen müssen, aber er wollte das alles so – und bereut es nicht. Die Stationen vergehen wie im Flug. Er erzählt, wie er in Peking das WM-Finale 2014 gesehen hat.

Das deutsche Siegtor – „Wie spricht man nochmal den Torschützen aus?“ – hat er genau abgespeichert. Er macht die Ballannahme von Mario Götze nach. Wenn die WM schon mal nach Katar komme, müsse er auch dabei sein. Das Ticket für Argentinien gegen Mexiko hat er aber seiner Tochter gegeben, weil er Sonntagmorgen wieder arbeiten müsse. Was denkt so einer, der die Welt aus einer anderen Richtung betrachtet, zur Kritik aus Deutschland? Er sagt klipp und klar, dass er das dumm findet. Es gehe ihm um den Respekt der Kultur. Und der Religion. Er rät dazu, unbedingt mal Pakistan besuchen.

Der Zug hält, die Masse schiebt nach draußen. Zu einem hell erleuchteten Stadion, in dem am 18. Dezember das WM-Finale steigt. Verdammt lang hin. Aber genug Zeit, um mit mehr Menschen zu sprechen und mehr von diesem Land zu erfahren. Um vielleicht diese WM ein bisschen besser zu verstehen. Noch ist es nicht zu spät.

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