Davy Klaassen ging für elf Millionen Euro Basisablöse von Bremen zurück zu Ajax Amsterdam - um Ersatz bemühte sich Werder nicht.
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Davy Klaassen ging für elf Millionen Euro Basisablöse von Bremen zurück zu Ajax Amsterdam - um Ersatz bemühte sich Werder nicht.

Deadline-Day

Das Spardiktat in der Bundesliga

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Auswirkungen von Corona: Die Transfererlöse der Fußball-Bundesliga haben sich mal eben fast halbiert.

Eigentlich war alles für den Millionen-Deal am „Deadline-Day“ vorbereitet. Am Bremer Airport wartete der Learjet, der Milot Rashica bei Bedarf nach England hätte fliegen können. Dann ging es jedoch mit dem Auto ins Rheinland, denn wenige Stunden vor Transferschluss witterte Bayer Leverkusen ein Schnäppchen. Der 24-jährige Dribbler, das werthaltigste Verkaufsobjekt des sportlich wie wirtschaftlich angeschlagenen Fast-Absteigers SV Werder, sollte plötzlich auf Leihbasis kommen. Doch in der Kürze der Zeit konnten sich die Klubs auf keine Kaufoption einigen. Hätte die Werkself den Kosovaren wirklich gewollt, hätten die Verantwortlichen um Rudi Völler diese Spur eher aufgenommen. Zurück blieben nur Verlierer. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, wie sehr das Virus die Marktgesetze infiziert hat, dann lieferten ihn dieses Drama.

Zwar ging Davy Klaassen für elf Millionen Euro Basisablöse von Bremen zurück zu Ajax Amsterdam, doch um Ersatz bemühte sich Geschäftsführer Frank Baumann erst gar nicht. „Ich glaube, es wird immer noch stark unterschätzt, dass wir nach wie vor unter den Auswirkungen der Pandemie leiden. Wir müssen hohe Einnahmen erzielen und in allen Bereichen Einsparungen vornehmen.“ Auf 30 Millionen Euro summieren sich an der Weser die Mindereinnahmen.

Das Spardiktat bestimmte auch anderswo das Handeln: Der FSV Mainz 05 hat jahrelang schwarze Zahlen geschrieben, weil ordentlich Transfererlöse in die Bilanz flossen. Diese Quelle ist diesen Sommer fast versiegt: Nur für Eigengewächs Ridle Baku gab es mit Wolfsburg einen Abnehmer. Selbst legten sich die Rheinhessen Daumenschrauben an. Genau wie der FC Schalke 04, der mit der Pandemie so tief in die roten Zahlen steuerte, dass der langjährige Geschäftsführer Peter Peters seinen Job verlor, dafür ist nun Christina Rühl-Hamers als Vorständin für Finanzen, Personal und Recht eingestellt worden.

England kennt keine Krise

Sie wird erfreuen, dass die Königsblauen immerhin noch Großverdiener Sebastian Rudy von der Gehaltsliste bekamen, der sich wieder zur TSG Hoffenheim ausleihen ließ und angeblich auf eine Million Euro Gehalt (von sechs Millionen) verzichtete. Selbst haben die Schalker nur Leihgeschäfte getätigt und sich mit Gonçalo Pacienca und Frederik Rönnow mit einem Stürmer und Torwart bei Eintracht Frankfurt bedient, wo Sportvorstand Fredi Bobic sehr früh angedeutet hatte, dass Tauschgeschäfte der neue Trend werden könnten.

Die Transferbilanz der Bundesliga

Auch über solch verschlungene Wege hat es die Bundesliga geschafft, dass 232 Spieler kamen, während 229 gingen. Die Einnahmen (324,9 Millionen Euro) übersteigen dabei leicht die Ausgaben (321,4 Millionen). In keiner der fünf Topligen Europas waren die Transfereinschnitte so groß wie in Deutschland. Italien leistete sich – obwohl vom Coronavirus extrem getroffen, für immerhin 747 Millionen Euro neues Personal. Auch Frankreich (434) und Spanien (412) überboten mit ihren Investitionen die Bundesliga.

Wie sehr deutsche Klubs auf das Gleichgewicht achteten, zeigte das Beispiel 1. FC Köln: Erst als mit Jhon Cordoba (für 15 Millionen Euro zu Hertha BSC) ein prominenter Akteur ging, konnten Sebastian Andersson, Ondrej Duda, Dimitrios Limnios oder Marius Wolf für etwa dieselbe Summe geholt werden. Für die Bundesliga hat sich eine wichtige Umsatzgröße fast halbiert. In der Saison 2018/19 trugen die Erlöse aus Transfers (Sommer und Winter) laut DFL-Wirtschaftsreport mit 675,1 Millionen Euro (16,8 Prozent) zum Bundesliga-Umsatzrekord von vier Milliarden Euro bei. Der Transfermarkt kletterte in immer schwindelerregenden Sphären, im Sommer 2019 leisteten sich die 18 Erstligisten noch locker ein Transferminus von 172,6 Millionen Euro.

Ein Jahr davor hatte es allerdings auch ein Plus gegeben. 2018 zahlte der FC Bayern keine Ablösen für neue Spieler, zudem lockten englische Klubs Naby Keita (von RB Leipzig zum FC Liverpool), Bernd Leno (von Bayer Leverkusen zum FC Arsenal) oder Sokratis (von Borussia Dortmund zum FC Arsenal). Die Premier League hält – Corona hin oder her – vom Sparen übrigens weiterhin nicht viel. Dort stehen Transfereinnahmen von 450,9 Millionen Euro bisher sagenhafte Ausgaben von nahezu 1,4 Milliarden Euro gegenüber. Und auf der Insel sind sogar noch weitere Wechsel innerhalb der heimischen Profiligen erlaubt.

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