Es ist das falsche Signal, die Bühne Bundesliga wieder für viele Menschen zugänglich zu machen.
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Es ist das falsche Signal, die Bühne Bundesliga wieder für viele Menschen zugänglich zu machen.

Keine schnelle Fan-Rückkehr in der Bundesliga

Das Signal ist klar: Seid wachsam!

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Fußballfans in Arenen passen einfach nicht ins Bild einer Gesellschaft, die unter den Folgen einer Pandemie ächzt und stöhnt. Die Abfuhr der Politik für die Bundesliga hat trotzdem einen faden Beigeschmack. Ein Kommentar.

Die deutschen Bürger sind uneins, gespalten, ja irgendwie fast zerrissen. Zumindest, wenn es um die noch immer sehr schöne Nebenbeschäftigung Fußball geht und man der repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur glauben mag.

Demnach befürworteten 45 Prozent der 2018 befragten Personen eine von der DFL geplante Teilzulassung von Zuschauern ab dem ersten Spieltag, 44 Prozent sprachen sich dagegen aus. Damit liegt die eine Hälfte auf der Linie der Politik, die beschlossen hat, dass es keine Bundesligapartien mit Zuschauern bis zum 31. Oktober geben wird.

So lange soll es ja eigentlich sowieso keine Großveranstaltungen geben, außer halt ein Open-Air-Konzert in Düsseldorf mit 13 000 Zuschauern am 4. September – aber das nur mal am Rande. Die Haltung der Politik in Sachen Fußball ist nicht überraschend, sie ist konsequent.

In Zeiten, in denen die Fallzahlen wieder steigen und viele Wissenschaftler und Experten vor einer zweiten Welle (oder doch Dauerwelle!?) warnen, wäre es das falsche Signal, die Bühne Bundesliga wieder f��r viele Menschen zugänglich zu machen, selbst wenn die Sehnsucht nach dem Live-Event bei dem einen oder anderen (aber sicher nicht bei allen) groß sein mag. Es ist schlichtweg nicht zu vermitteln, dass sich 10 000, 12 000, 15 000 Menschen in einem Stadion treffen, selbst mit gebotenem Abstand, während nicht einmal für alle Bundesländer abschließend geregelt ist, wie ein halbwegs regulärer Schulbetrieb aussehen soll.

Die Botschaft aus Berlin ans Volk ist klar, und da geht es auch um Symbolik: Das Virus ist unter uns, die Epidemie nicht abgeklungen, seid wachsam. Fußballfans in Arenen passen da nicht ins Bild.

Das Gemeinwohl, das steht außer Frage, geht über alles. Dennoch sollte man nicht so scheinheilig sein und so tun, als seien Stadionbesucher allesamt wilde Tiere, die unter freiem Himmel alle Hemmungen fallen lassen und ekstatisch den fünf Plätze weiter hockenden Sitznachbarn bespringen würden. Problematisch ist eher die An- und Abreise, das eigentliche Stadionerlebnis ließe sich in geordnete Bahnen lenken, zumindest geordneter als in diesen Tagen die abstandslose Realität in Schwimmbädern, Badeseen oder auf öffentlichen Plätzen aussieht. Da lauern Gefahren, da sollte sehr viel genauer hingesehen werden.

Das Hygienekonzept der DFL ist schlüssig, und zumindest hat die Bundesliga einen Leitfaden erarbeitet, wie ein Stadionbesuch in Zeiten der Epidemie unter geltenden AHA-Regeln aussehen könnte – damit ist sie den Kultusministerien in puncto Rückkehr der Pennäler in die Schule weit voraus. Schlimm genug.

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