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Das Sagen hat Herr Diess

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Von: Frank Hellmann

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Musste gehen: Wolfsburgs Ex-Trainer Florian Kohfeldt. l
Musste gehen: Wolfsburgs Ex-Trainer Florian Kohfeldt. l © dpa

Florian Kohfeldt muss beim VfL Wolfsburg gehen - die Rolle rückwärts kratzt an der Glaubwürdigkeit des Werksklubs.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Herbert Diess, der Chef des Volkswagen-Konzerns, zuletzt keine Freude hatte, wenn er den Männern vom VfL Wolfsburg beim Fußballspiel zugesehen hat. Der 63-Jährige rechnete im Kopf durch, was die Kicker so im Schnitt kassieren, stellte die Vergleichswerte der Konkurrenz dagegen, und schlussfolgerte: zu wenig Erfolg für so viel Geld. Ein Unternehmer muss so denken. Offen hat der Autoboss bei einem Talk der Wolfsburger Tageszeiten gemeckert: „Unser Verein gehört zu denen, die in Deutschland mit am besten ausgestattet sind. Und dafür sind die Leistungen zu schwach.“ In der VfL Wolfsburg Fußball GmbH, der VW-Tochter, wusste man also: Wenn der Chef so grollt, dann können auch Köpfe rollen.

Es hat mal wieder das schwächste Glied in einer ganzen Kette von Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen erwischt: Trainer Florian Kohfeldt, obwohl es nach wechselvollen Leistungen unter dem 39-Jährigen ganz danach ausgesehen hatte, als würden ihm Geschäftsführer Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer den Rücken stärken – sonst hätten sie die Negativserie mit ihm nicht durchgezogen.

Schmadtke hatte erst explizit verneint, dass Kohfeldt mit einem zu schweren Rucksack in die neue Saison gehen würde – nun wurde am Sonntag genau das als Begründung für den Rauswurf angeführt. Der Druck wäre angeblich eine zu große Bürde für Klub und Coach gewesen. Ja, was denn nun? Die Rolle rückwärts kratzt an der Glaubwürdigkeit des Werksklubs. Es mutet so an, als habe der vom Eigner gelenkte Aufsichtsrat einige dezente Hinweise gegeben, dass es den nächsten neuen Impuls auf der Trainerbank braucht.

Schmadtke ohnmächtig?

Mark van Bommel war nicht der Richtige, Florian Kohfeldt auch nicht – davor aber haben sie Oliver Glasner gehen lassen, der den Klub heimlich, still und leise in die Champions League geführt hatte und nun bei Eintracht Frankfurt reüssiert. Ein Klassetyp und -trainer, mit dem aber sehr bald, wie so oft, Schmadtke nicht konnte. Lassen ihn deshalb seine Vorgesetzten jetzt wie ohnmächtig erscheinen?

Den eigenwilligen Rheinländer könnte womöglich von Sebastian Schindzielorz beerbt werden, der beim VfL Bochum erstklassige Arbeit macht. Trotzdem bleibt die Frage, was hinter den Kulissen passiert ist? Wenn der ohnehin nur bis Ende Januar 2023 noch tätige Schmadtke überstimmt worden wäre, hätten die (VW)-Kontrolleure deutlich die Kompetenzen überschritten. Aber letztlich bestimmt doch immer der, der das Geld gibt. Herbert Diess und Co. also.

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