Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Essener Glückseligkeit.
+
Essener Glückseligkeit.

Rot-Weiss Essen

Das perfekte Drehbuch

  • vonAndreas Morbach
    schließen

Rot-Weiss Essen ist nach der Pokalsensation gegen Bayer Leverkusen überglücklich - und steht gleich vor den großen Herausforderungen des Alltags / Pokaleinnahmen sind ein großer Segen für den Viertligisten

Der führende Essener Pokalschreck musste sich erst einmal sammeln. „Wo sind wir gerade angekommen? Im Viertelfinale?“, überlegte Daniel Davari einen Moment lang – und als der 33-jährige Keeper die unmittelbare Konsequenz des Sensationserfolgs über Bayer Leverkusen sortiert hatte, legte er umso zielsicherer fest: „Da müssen wir feiern.“ Für die nächsten zwei Wochen sei er nicht mehr ansprechbar, erklärte Davari außerdem. Ein kleiner Scherz – denn schon am Wochenende wartet auf Rot-Weiss Essen eine noch wichtigere Partie als das gerade absolvierte Pokalhighlight gegen die Werkself.

Mit dem 2:1 nach Verlängerung über den vermeintlichen Übergegner Leverkusen steht der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet im nationalen Cup unter den letzten Acht, zum ersten Mal seit 27 Jahren. Damit wachsen die Pokaleinnahmen des Regionalligisten auf rund zwei Millionen Euro. Angesichts des Personalbudgets von knapp drei Millionen Euro für diese Saison ist das ein enormer Geldsegen. „Unsere ganze Pokalstory hat uns im Corona-Kontext schon sehr geholfen“, kommentierte Vorstandschef Marcus Uhlig nach dem Triumph über Bayer 04 – und gab noch einen kurzen sportlichen Ausblick: „Wir strotzen vor Selbstvertrauen. Den ersten Kracher in dieser Woche haben wir hinter uns. Jetzt gehen wir den nächsten an.“

Am Samstag um 14 Uhr empfangen die Cup-Heroen aus dem Pott die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund zum ultimativen Spitzenspiel in der Regionalliga West: Die BVB-Reserve führt die Tabelle aktuell an – mit zwei Punkten Vorsprung auf Essen, das aber ein Spiel weniger ausgetragen hat. Nur der Meister steigt – direkt – in die Dritte Liga auf. Der Zweite muss sich mit mindestens einem weiteren Jahr Viertklassigkeit abfinden.

Für Rot-Weiss Essen hält dieser Zustand bereits seit zehn Jahren an. Entsprechend groß ist in dem Verein, der am Montag seinen 114. Geburtstag feierte, die Sehnsucht nach der Rückkehr in den Profifußball. Auf diesem Weg sind die Essener mit der jüngsten, umfassenden Nabelschau wieder ein gutes Stück vorangekommen. So engagierte der Klub, für den schon Berühmtheiten wie Helmut Rahn, Willi Lippens oder Horst Hrubesch spielten, im letzten Sommer einen neuen Cheftrainer, Christian Neidhart. Zudem wurden insgesamt zwölf Spieler abgegeben, zehn andere kamen frisch dazu.

„Fühlt sich falsch an“

Zwei dieser Neuankömmlinge sorgten am Dienstagabend für ein nachträgliches Silvesterfeuerwerk und einen Autokorso rund um das Essener Stadion: Allen voran Schlussmann Davari, der die Leverkusener mit seinen Paraden zur Verzweiflung trieb. Und Torjäger Simon Engelmann, der die haushoch favorisierte Werkself mit dem Treffer zum 2:1 aus dem Wettbewerb schoss.

„Wenn ich den Ball am Fuß hab‘, kann’s immer klingeln“, sagte Engelmann später in derselben lässigen Selbstverständlichkeit, mit der er den Ball drei Minuten vor Ende der Verlängerung ins Netz gedonnert hatte. „Ein besseres Drehbuch für so ein Spiel kann man nicht schreiben, wir sind mega stolz auf die Jungs“, jauchzte Coach Neidhart dazu. Während sein Chef bereits ein gutes Stück weiter denkt.

„Natürlich weiß keiner, wie sich das gesamte Corona-Setup in Deutschland und weltweit in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt. Aber die Hoffnung, ab Ostern zumindest über ein Teilöffnungsszenario in den Stadien nachdenken zu dürfen, haben wir schon“, erklärt Marcus Uhlig – und fügt hinzu: „Es wäre schon ein Stück weit Ironie des Schicksals, wenn du hier mit Rot-Weiss Essen den größten Erfolg seit zig Jahrzehnten schaffst – und keiner von den Fans, für die wir das alle machen, kann dabei sein.“

Ohne Zuschauer zu spielen, daran will sich der Klubchef der diesjährigen Pokalsensation jedenfalls nicht gewöhnen. Weil er längst gemerkt hat: „Das fühlt sich sowas von falsch, sowas von komisch und blöd an – gerade in Essen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare