DFB-Pokal

Das nicht mehr ganz so große Los

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Viele Amateurklubs fühlen sich überfordert, die Auflagen des Verbandes für den DFB-Pokal zu erfüllen.

In den E-Mail-Postfächern von Vereinen wie Viktoria 08 Arnoldweiler, FC Pesch oder 1. FC Düren landeten zuletzt wichtige Dokumente. Alle drei Vertreter aus der Mittelrheinliga sind - zusammen mit Alemannia Aachen - mögliche Gegner des FC Bayern in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokal am zweiten September-Wochenende. Doch von Vorfreude ist bei den Vorbereitungen nicht viel zu spüren. „Noch nie war ein Los FC Bayern so unattraktiv wie in diesem Jahr“, sagt Dürens Pressesprecher Kevin Teichmann. Weil womöglich nur wenige Anhänger vor Ort solch eine Ausnahmepaarung live erleben können. Und weil die Amateurvereine erst einmal ins Blaue planen müssen, ohne Gewissheit zu haben, ob sie wirklich das große Los ziehen. Im Landesverband Mittelrhein stehen noch Halbfinale und Finale aus.

Der DFB hat als Ausrichter bereits an alle möglichen Teilnehmer der 1. Hauptrunde die entsprechenden Formulare gesandt, die sich mit den verbundenen Auflagen beschäftigen. 23 der 64 Teilnehmer sind noch offen. Eintracht Frankfurt tritt beim Landespokalsieger Bayern an. Gegner wird entweder 1860 München oder Viktoria Aschaffenburg sein.

Im Normalbetrieb hätten zwischen dem Finaltag der Amateure im Mai und der ersten Pokalrunde im August drei Monate gelegen – genug Zeit, um in Ruhe abzuklären, wo unter welchen Bedingungen gespielt werden kann. Doch in Pandemie-Zeiten kann nicht bis zum Finaltag der Amateure gewartet werden, der am 22. August stattfinden soll.

Allein die Durchführungsbestimmungen umfassen 81 Seiten. Dazu kommen mehr als ein Dutzend PDF-Dateien. Stadionkapazität, Gästeblock, Fantrennung, Medien-TV-Compound, Flutlicht – die Liste der Auflagen ist lang. Nun kommt das Hygienekonzept noch obendrauf. Für manche Klubs ist das zu viel. Vor allem, weil ein Teil der Unterlagen bis zum 17. August beantwortet werden muss. Im Gegensatz zu den Erst- und Zweitligisten verfügen die meisten Amateurvertreter noch über keine Erfahrungen mit dem Hygienekonzept. Und das alles für ein Pokalspiel, dem vermutlich das besondere Flair fehlt.

Benjamin Kappelt, Pressesprecher des 1. FC Bocholt (Oberliga Niederrhein), hat daher in der Bild-Zeitung Alarm geschlagen. „Insgesamt sind das alles viele große Fragezeichen und ebenso große Herausforderungen, die die Amateurvereine in so kurzer Zeit klären sollen – bevor überhaupt feststeht, ob sie wirklich dabei sind.“

Er sehe die Gefahr, „dass viele Vereine im Zweifel den Weg des geringsten Übels gehen und in aller Ungewissheit einfach das Heimrecht tauschen“. Tatsächlich ist beim jüngsten DFB-Bundestag dieser Passus in den Statuten verankert – aber er soll eigentlich erst in letzter Instanz greifen, wenn es zu keiner anderen Lösung mehr kommt.

Grundsätzlich will der DFB seinen Amateuren behilflich sein, das Heimrecht nicht zu verlieren. Bestes Beispiel ist der 1. FC Saarbrücken, der sich vergangene Saison als Viertligist in seinem Ausweichquartier in Völklingen bis ins Halbfinale kämpfte. Das dortige Hermann-Neuberger-Stadion ist dauerhaft nicht mal drittligatauglich, war aber jeweils für die Pokalspiele so ausgerüstet worden, dass der DFB die Austragung erlaubte. Bis zum Viertelfinale mit Zuschauern, nach der Corona-Zwangspause auch als Geisterspiel im Halbfinale gegen Bayer Leverkusen (0:3). Der Verband betont, dass so etwas grundsätzlich auch in der Saison 2020/21 möglich sein soll. Druck werde daher keiner ausgeübt, heißt es: „Es ist nicht so, dass wir die Vereine dazu zwingen, in große Stadien zu gehen.“

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