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Das kraftvolle Herzstück im DFB-Team

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Von: Frank Hellmann

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Mit großer Lust in jedem Duell: Lena Oberdorf.
Mit großer Lust in jedem Duell: Lena Oberdorf. © Eibner/Imago

Lena Oberdorf gibt bei der EM den Anker für die deutsche Nationalmannschaft. Nach dem gewonnenen Viertelfinale gab es Lob von allen Seiten.

Es ist immer wieder angenehm, wenn deutsche Fußballerinnen sich vor Kameras und Mikrofone postieren, um ihre Kommentare abzugeben. Auch wenn das Gedränge an den Absperrgittern gerade mit jedem Spiel der Frauen-EM 2022 größer wird, denken die Protagonistinnen nicht im Entferntesten daran, vorgestanzte Worthülsen von sich zu geben. Eine besonders authentische Akteurin ist Lena Oberdorf. Eine der Jüngsten. Aber die Beste. Ihre Mitspielerin Lina Magull hat sie in Brentford in der Mixed Zone unter freiem Himmel eine „geile Maschine“ genannt, was kein bisschen gemein gemeint war. Im Gegenteil. Die Mittelfeldspielerin wollte einfach nur unendlich viele Komplimente an diejenige loswerden, die das deutsche Gebilde über die heikelsten Phasen gegen Österreich (2:0) zusammengehalten hatte.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg überschlug sich fast in Lobeshymnen für die 30-fache Nationalspielerin, die längst zum kraftvollen Herzstück des Rekordeuropameisters geworden ist. „Was sie in ihren jungen Jahren gespielt hat, mit einer Intensität, mit einer Lust, Bälle zu erobern, das war klasse“, sagte die 54-Jährige. „Mit Anfang 20 so eine reife Leistung zu zeigen in einem EM-Viertelfinale, das beweist, dass sie eine große Zukunft vor sich hat.“ Ihre rustikalen Grätschen, ihre enorme Physis, ihre strategische Veranlagung machen „Obi“, so ihr Spitzname, zu einer der weltbesten Spielerinnen auf der Sechser-Position.

Ein ganz enges Verhältnis hat Oberdorf zu ihrem fünf Jahre älteren Bruder Tim, der sich diese Saison einen Stammplatz beim Zweitligisten Fortuna Düsseldorf erkämpfen möchte. Ihr privates Band in den Profifußball der Männer erklärt auch, warum sie selbst häufig Parallelen zieht.

Sergio Ramos ein Vorbild

Für ihre Zweikampfführung, erklärte sie grinsend, habe sie mit ihrem Bruder früher gerne Youtube-Videos von Sergio Ramos geschaut: „Der hat sich immer gefeiert, wenn er eine Grätsche ausgepackt hat.“ Heute orientiere sie sich eher an den strategischen Fähigkeiten eines Sergio Busquets. „Weil er extrem gut in die Räume läuft und immer weiß, wohin er will.“

Und was ist mit deutschen Vorbildern? Hier fällt ihr sofort Joshua Kimmich ein, mit dem sie sich gerne mal austauschen würde: „Weil der auch diese Emotionen verkörpert, niemals aufgibt.“ Eine Bindungskraft fürs große Ganze besitzen beide. Zuerst aber können sich die DFB-Frauen in diesem Jahr einen Titeltraum erfüllen, was die Ankerspielerin Oberdorf für durchaus möglich hält: „Mit unserem Mannschaftsgefüge sind wir auf dem besten Weg nach Wembley. Aber wir wissen auch, dass wir keinen Schritt weniger gehen dürfen.“

Die bei der WM 2019 als jüngste deutsche Nationalspielerin eingesetzte Oberdorf – sie entriss damals sogar Birgit Prinz den Rekord – war nach dem Turnier in Frankreich zunächst als Abwehrchefin auserkoren. Doch in der sehenswerten Dokumentation „Born for this“ kam im ersten Teil gut heraus, dass diese Rolle nicht optimal passte, als es bei einem WM-Qualifikationsspiel zu einem heftigen Disput mit der Bundestrainerin kam, die sie von außen mit Anweisungen überfrachtete. Seitdem spielt sie dort, wo sie am stärksten ist: als Nummer sechs. Bei der gerade vom Fachmagazin Kicker veranstalteten Wahl zur „Fußballerin des Jahres“ müsste Oberdorf auch aufgrund ihrer Leistungen im Klub eigentlich zwingend gewinnen. Wie fand sie eigentlich ihr drittes EM-Spiel? „Ganz okay!“ Dann lächelte sie und ging zu den englischen Journalisten, um auch da noch ungefiltert Auskunft zu erteilen.

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