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Das Glück des Mittelstands

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Von: Thomas Kilchenstein

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Der Kaiser von Roma? Nein, José Mourinho, Trainer.
Der Kaiser von Roma? Nein, José Mourinho, Trainer. © AFP

Die Reaktionen auf die Einführung des dritten europäischen Fußballwettbewerbs schwankten zwischen Spott und Kritik. Doch jetzt, da alles vorbei ist, ist klar: Es hat sich gelohnt. Ein Kommentar.

Wer hätte gedacht, dass die Conference League, diese Champions League für Arme, zu Tränen rühren würde? Noch dazu bei einem Mann, der von sich selbst als „The special One“ spricht, aber zuletzt doch eher sehr gewöhnlich daherkam, etwa bei Tottenham Hotspur: José Mourinho. Und diesem Startrainer, den die „SZ“ frech mal den „Narzissten aus Setubal“ getauft hat, tritt das Wasser in die Augen, weil sein aktuelles Team, die sehr durchschnittliche AS Roma, den kleinsten und in der offiziellen Wahrnehmung unwichtigsten Wettbewerb gewonnen hat. Nach dem 1:0 der Römer gegen Feyenoord Rotterdam sagte genau dieser Coach voller Pathos, der in Italien auf fruchtbaren Boden fällt: „Dieser Titel geht nicht nur in die Geschichte der Roma ein, sondern auch in meine.“

José Mourinho ist nun der Trainer, der nicht nur fünf europäische Titel geholt hat (wie Giovanni Trapattoni), sondern auch die Pokale in allen drei Wettbewerben, Champions League, Europa League, Conference League in die Höhe recken durfte. Das ist einzigartig, passend für „Mou“.

Man muss es so sagen: Der Uefa ist mit der Installation dieses dritten Wettbewerbs ein unerwarteter Glückstreffer gelungen. Dass sie selbst im Kern nicht daran geglaubt hat, zeigt der Austragungsort des Finales, Tirana, Albanien, ein Stadion, das 22 000 Fans fasst. Weiter an den Rand hätte kein Endspiel verbannt werden können. Doch der Fußball sucht sich seinen Weg, findet zu sich selbst.

Champions League für Arme

Vor allem ist er in dieser anfangs so stiefmütterlich behandelten Konkurrenz einer, der für die Mehrzahl der Klubs auch wieder begehbar ist. Die Champions League mutiert ja immer mehr zu einem Spielfeld für geschlossene Gesellschaften, bei dem zum Schluss die immer gleichen, von Multis, Milliardären oder Öl-Staaten gepamperten superreichen Klubs kicken. Unerreichbar für Klubs des Mittelstandes. Gefehlt hat bis jetzt eine Spielgelegenheit für Teams aus der zweiten, dritten Reihe, oft mit lange Tradition, aber ökonomisch nicht in der Lage, mit den längst viel zu groß Gewordenen mitzuhalten. Viele haben diese Möglichkeit erkannt, einen Wettbewerb, in dem noch eine gewisse Chancengleichheit herrscht, ernst zu nehmen und eine Menge Energie zu investieren. Und der Anhang, ohnehin seit Jahrzehnten mit Erfolgen auf internationaler Bühne nicht verwöhnt, lechzt förmlich an diesen Auftritten, dankt es mit Begeisterung.

Europa-League-Gewinner Eintracht Frankfurt ist ein gutes Beispiel dafür, auch Finalgegner Glasgow Rangers, beide konnten ihre Fanbasis mobilisieren. Oder jetzt, im dritten Wettbewerb, AS Rom. Deren letzter internationaler Titel datiert aus dem Jahr 1961, der Gewinn des sogenannten Messe-Pokals, und in der Serie A steht die traditionsreiche Roma, ein Team, dem Francesco Totti sein Leben lang die Treue gehalten hat, stets im Schatten der Mailänder Klubs, Juventus Turin, Lazio, SSC Neapel.

„Es ist eine Sache, mit einer Mannschaft zu gewinnen, die zum Siegen gemacht ist. Eine andere, das mit Mannschaften wie Porto, Roma, Inter zu schaffen. Das gibt dir das Gefühl, etwas Besonderes zu sein“, schwärmte Mourinho. Der 1. FC Köln kann sich auf die Conference League freuen.

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