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Der Vorzeige-Hoffenheimer: Mittelfeldspieler Dennis Geiger.
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Der Vorzeige-Hoffenheimer: Mittelfeldspieler Dennis Geiger.

Die TSG Hoffenheim ist die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga

Das Fußballlabor im Kraichgau

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Der Erfolg der TSG Hoffenheim gründet auf Basis kluger Personalentwicklung und Hightech

Es ist viel geschrieben worden zuletzt über Fußball-Bundesligisten, die überperformen: der SC Freiburg, Mainz 05, der 1. FC Köln. Aber wenig über: die TSG Hoffenheim. Dietmar Hopps Herzensklub führt im Land nicht unbedingt die Beliebtheits-Ranglisten an, aber er ist Dritter.

Inhaber Hopp - der inzwischen stramm auf die 82 zugeht - sprach Anfang Oktober bei der Mitgliederversammlung vor 198 Anwesenden. Er formulierte bei der Veranstaltung in der eigenen Arena seinen Anspruch, „dass die TSG dauerhaft auf einem der sechs Plätze an der Spitze stehen sollte“. Das war kühn gesagt, denn gerade hatte der von Hopp alimentierte Dorfklub 1:3 in Stuttgart verloren, ein paar Wochen zuvor daheim 0:2 gegen Mainz, nur 8000 waren zum Zuschauen gekommen. Hoffenheim? Unsexy! Die Medien machten sich lustig über den ollen Hopp.

Der verabschiedete sich bald in seine zweite Heimat in Florida, wo er ein eindrucksvolles Anwesen sein Eigen nennt, und siehe da: Kaum war Hopp weg, schon fing Hoffenheim an, nicht mehr zu verlieren. Die Arena in Sinsheim hat der Milliardär seitdem nicht mehr betreten. Im Klub witzeln sie, das solle, bitte schön, auch so bleiben. Denn Hoffenheim gewinnt ja ohne Hopp vor Ort ganz wunderbar.

Man kann ja eine Menge meckern darüber, dass ein reicher Mann sich seinen Heimatverein in einem 3000-Einwohner-Nest zum Bundesligisten zusammenzimmert. Aber man muss im Angesicht des Höhenflugs unter Trainer Sebastian Hoeneß auch anerkennen: Sie haben das schlau gemacht im ehemaligen Niemandsland zwischen Heidelberg und Heilbronn. Es gibt dort jetzt nicht mehr bloß ein Technikmuseum direkt an der Bundesautobahn 6, sondern auch eine tolle Therme, eine von Hopp finanzierte Klima-Arena und eben das Fußballstadion, 2008 fertiggestellt, 2009 eingeweiht. Und es gibt sogar eine Frauenmannschaft der TSG, die es diese Saison bis in die Champions League geschafft hat.

Vor allem aber gibt es einen ganz hervorragenden Unterbau, der das Bundesligateam der Männer stützt und republikweit ihresgleichen sucht. Darauf hat Hopp von Anfang an geachtet, als er sich daranmachte, rund 350 Millionen Euro in die TSG zu pumpen. Es entstanden vier moderne Trainingszentren in Hoffenheim und im nahen Zuzenhausen.

Der Klub hat in einer internen Analyse hochinteressante Fakten zusammengestellt. 15 Absolventen der eigenen, von Ex-Profi Jens Rasiejewski geführten Akademie, spielen aktuell in der Bundesliga, vier bei der TSG selbst. Musterbeispiel: Dennis Geiger, Leistungsträger im Mittelfeld, seit 2009 im Verein. Seit Gründung im Jahr 2006 schafften es 94 Spieler in die erste (27), zweite (34) oder dritte Liga (33). Kumulierter Marktwert: weit mehr als 250 Millionen Euro.

Noch eindrucksvoller liest sich die Bilanz bei den Trainern. Fünf aktuelle Bundesliga-Chefcoaches waren zuvor Nachwuchstrainer bei der TSG: Julian Nagelsmann (Bayern), Frank Kramer (Bielefeld), Pellegrino Matarazzo (VfB Stuttgart), Tayfun Korkut (Hertha BSC) und Domenico Tedesco (RB Leipzig), zudem der Ex-Schalke-Coach David Wagner (Young Boys Bern) und Marcel Rapp (Chefcoach bei Holstein Kiel). Auch Bundestrainer Hansi Flick und Manchester Uniteds Trainer Ralf Rangnick haben eine Hoffenheimer Vergangenheit.

Der Baumeister des Hoffenheimer Erfolgs: Sportdirektor Alexander Rosen.

Im Kraichgau, einem der modernsten Innovationszentren des globalisierten Profifußballs, wird nicht nur in Personal investiert, sondern auch in zukunftsträchtige Technologie. Das Hightech-Trainingstool Footbonaut gibt es seit sieben Jahren, die 180-Grad-Helix (ein Videospiel zum Trainieren der Wahrnehmung) wurde zu einem 40 Quadratmeter großen 360-Grad-Rundum-Gerät weiterentwickelt, im Research Lab wird Wissenschaft und Forschung nicht nur fußballspezifisch betrieben, sondern der Bogen in Sport und Gesellschaft gezogen. Und im Interaktive Data Space, einem digitalen Boardroom mit Touchscreens in einem zehn Meter langen Tisch und einem sieben Meter breiten Touchdisplay an der Stirnseite, werden all die Hunderte Millionen Daten, die die TSG von Spielern eigener Herstellung gesammelt hat, ausgewertet,

Als größtes Hoffenheimer Talent gilt derzeit Tom Bischoff, der bereits seit seinem sechsten Lebensjahr für die TSG im Mittelfeld unterwegs ist. Der 16-Jährige wird heftig vom FC Bayern umworben. Julian Nagelsmann kennt ihn noch aus seiner Zeit als Jugendcoach in Hoffenheim.

Auch das sind die Folgen der vorbildhaften Ausbildung in allen Bereichen: Immer wieder wird Top-Personal abgezogen: Benjamin Glück, einst sieben Jahre Videoanalyst bei der TSG, assistiert Nagelsmann in München. Der ehemalige TSG-Teammanager Timmo Hardung folgte Nagelsmann nach Leipzig und dann dem Frankfurter Markus Krösche aus Leipzig zur Eintracht. Schmerzen bereitete es der TSG auch, als der langjährige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, Dominik Drobisch, vom VfB Stuttgart abgeworben wurde. Dort wusste Chefcoach Matarazzo aus seiner Hoffenheimer Vergangenheit, welch hervorragender Mann Drobisch ist.

Nur gut für die TSG, dass der kluge Sportdirektor Alex Rosen dem Klub seit mehr einem Jahrzehnt treu geblieben ist. Bei dem 42-Jährigen laufen alle Fäden zusammen. Er hielt auch in schweren Zeiten zu Trainer Hoeneß. Der „Kicker“ kürte ihn zum besten Einkäufer dieser Saison. Rosen, Vertrag bis 2023, sollte dem Verein besser nicht verloren gehen. Seiner schlauen Transferpolitik ist es zu verdanken, dass Mäzen Hopp seit einem halben Jahrzehnt keinen Cent mehr in den Profifußball stecken muss. Und trotzdem von Europa träumen darf.

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