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Traten in Bremen zurück, bevor sie entlassen wurden: Trainer Markus Anfang (links) und Assistent Florian Junge.
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Traten in Bremen zurück, bevor sie entlassen wurden: Trainer Markus Anfang (links) und Assistent Florian Junge.

Kommentar

Das Ende für Anfang

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Markus Anfang hatte seine Autorität bis zur Unkenntlichkeit geschwächt, der Imageschaden für Werder Bremen ist beträchtlich, der persönliche Schaden noch viel größer. Ein Kommentar.

Der Fußball, heißt es immer wieder, sei ein Abbild der Gesellschaft. 1079 Profis und 623 Trainer und Betreuer:innen arbeiten derzeit für die 36 Lizenzklubs der Ersten und Zweiten Bundesliga. Es ist zwar unfassbar dämlich, aber keineswegs verwunderlich, dass unter diesen 1702 Personen auch welche mit gefälschten Impfdokumenten sein dürften. In den Umkleidekabinen von Amateurvereinen ist es an der Tagesordnung, dass Spieler sogar damit prahlen, ihre Covid-19-Zertifikate für um die hundert Euro käuflich erworben zu haben, um einer Impfung zu entgehen und dennoch zum eigenen Vorteil am Leben teilzunehmen.

Solidarität mit Schwächeren buchstabiert sich anders. Tatsächlich handelt es sich angesichts von fast 4000 Coronapatienten auf Intensivstationen deutscher Kliniken und täglich weit mehr als 200 Pandemie-Toten hierzulande um eine besonders schändliche Form von Rücksichtlosigkeit, Dreistigkeit und ja, auch Feigheit.

Der vormalige Bremer Bundesligatrainer Markus Anfang ist wegen des dringenden Verdachts der Fälschung seines Impfdokuments ins Fadenkreuz der Staatsanwaltschaft geraten. Und mit ihm sein vertrauter Assistent Florian Junge, mit dem Anfang in Bremen sogar eine gemeinsame Wohnung bezogen hatte. Es ist beiden nicht auch nur annähernd gelungen, die Verdachtsmomente glaubwürdig auszuräumen. Stattdessen traten sie Samstagmorgen zurück und entgingen so der Ankündigung ihres Arbeitgebers, sich mit arbeitsrechtlichen Schritten auseinanderzusetzen. Sprich: seine leitenden Angestellten zu entlassen. Die Indizienlage sei „sehr klar“, sagt Werders Geschäftsführer Klaus Filbry, der nicht dafür bekannt ist, sich verbal weit aus dem Fenster zu lehnen.

Eine Trennung war unausweichlich, auch wenn eine abschließende juristische Beurteilung strafrechtlicher Konsequenzen noch aussteht. Denn ein Trainer hat eine besondere Verantwortung für die Gesundheit seiner ihm anvertrauten Spieler und des Betreuerteams. Und eine besondere Vorbildfunktion für die Gesellschaft. Ein Verein wie Werder Bremen hat sich dieser Vorbildfunktion stets besonders verschrieben. Das wusste der Ex-Coach, als er im Sommer seinen Job ungeimpft antrat, bald aber Dokumente vorlegte, die seinen Impfschutz dokumentieren sollten. Da er nun nicht kurzfristig den einfachen Beweis liefern konnte, dass mit seinen Unterlagen alles in Ordnung ist, war er in seiner herausgehobenen Position zur Belastung für den eigenen Klub und zudem ja auch zur potenziellen gesundheitlichen Gefahr für den Gegner geworden. Er hatte seine Autorität bis zur Unkenntlichkeit geschwächt.

Der Imageschaden für den Zweitligisten und die Profifußballbranche in toto ist beträchtlich, der persönliche Schaden für Anfang und Junge auf deren weiterem Lebensweg noch viel mehr. Werder hätte in Gestalt seines Sportchefs Frank Baumann besser darauf verzichtet, die Behörden dafür zu kritisieren, dass diese keinen unmittelbaren Kontakt mit Verdächtigten und Verein aufgenommen hätten. Sie dürften ihre Gründe gehabt haben.

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