Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Aus dem Hintergrund müsste Goretzka schießen, Goretzka schießt ...
+
Aus dem Hintergrund müsste Goretzka schießen, Goretzka schießt ...

2:2 gegen Ungarn

Das Drama von München

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
    schließen

Erst ein später Treffer von Leon Goretzka beschert der wankenden deutschen Nationalmannschaft den EM-Achtelfinaleinzug.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist nach einem wahren Drama mit Ach und Krach weiter im EM-Turnier 2021 dabei. Durch ein 2:2 (0:1) gegen Ungarn qualifizierte sich das DFB-Team für das Achtelfinale. Es findet für den Gruppenzweiten am kommenden Dienstag um 18 Uhr in London gegen Gastgeber England statt. Ein Klassiker im Wembley-Stadion, der viele Erinnerungen weckt, unter anderem an das ebenfalls dramatische EM-Halbfinale 1996 mit dem besseren Ende für Deutschland.

Den entscheidenden, heftig umjubelten Ausgleich schaffte der eingewechselte Leon Goretzka erst in der 83. Minute. Am Ende spielten die Deutschen mit Zitterfüßen sogar auf Zeit. Die Mannschaft zeigte unter zunehmendem Druck in einem hektischen Spiel eine durchwachsene Leistung und musste gegen einen widerstandsfähigen Gegner auch Wind und Wetter trotzen.

Sie wird sich nun noch einmal neu finden und zusammenraufen müssen. Nach der Top-Vorstellung gegen Portugal hatte das Team gegen die defensiven Ungarn sehr viel Mühe, fand lange kaum mal Räume in dem engmaschigen Abwehrverbund, wurde allerdings geraume Zeit auch von extrem schwierigen witterungsbedingten Bedingungen begleitet. Die Partie wurde zum Zitterspiel. Auf der Medientribüne begann in der Schlussphase das große Rechnen. Zum Schluss mit einem guten Ende für das DFB-Team.

Der ungarische Kapitän Adam Szalai hatte vorher neben seiner Vertragsverlängerung bei Mainz 05 noch eine weitere Botschaft zu verkünden: „Heute will ich sehen, dass wir Gladiatoren sind. Egal, was auch passiert, es gibt keine Müdigkeit.“ Große Worte des 33-Jährigen, denen er Taten folgen lassen sollte.

Pünktlich zum Aufwärmen der Ungarn war bereits ein heftiger Gewitterregen auf die unbeleuchtete Münchner Arena heruntergegangen, der laut aufs Tribünendach trommelte. Die Deutschen kamen klugerweise erst etwas später aus der Kabine, als der Platzregen etwas nachgelassen hatte. Doch der Himmel verdunkelte sich bald wieder. Immerhin Regen statt Regenbogen. Das Publikum in den vorderen Reihen inklusive der Ersatzspieler wurde durchgeweicht. Thomas Müller versorgte sie mit Regenjacken. Zur ungarischen Nationalhymne rannte ein Demonstrant mit einer bunten Fahne aufs Feld. Er wurde von Ordnern überwältigt und abgeführt. Es kühlte auch atmosphärisch merklich ab.

Im Spiel ging es dann erwartungsgemäß mit heißem Herzen zur Sache. Die Gastgeber drückten, die Ungarn konterten. Und das taten sie derart geschickt, dass sie nach elf Minuten durch einen prächtigen Flugkopfball von Szalai führten. Manuel Neuer flog ins Leere. Matthias Ginter hatte zuvor aus dem Halbfeld zu kurz geflankt, die deutsche Verteidigung ließ sich von der Gegenattacke überrumpeln. Szalai feierte vor der Kurve der ungarischen Fans wie verrückt.

Zu diesem Zeitpunkt war das DFB-Team ausgeschieden. Aber Deutschland machte gegen die tief stehenden Ungarn zunächst weiter mächtig Druck, die größte Chance vergab Mats Hummels in der 21. Minute, als sein Kopfball nach Ecke von Joshua Kimmich ans Gebälk krachte. Kimmich konnte mehrfach nur mit Fouls gestoppt werden, nach der dritten Attacke gegen den Bayern-Spieler gab es einen Kimmich-typischen Wutanfall.

Doch als sich Sturm und Regen mit einem furchtbaren Donnergrollen zurückmeldeten, geriet die Partie aus deutscher Sicht ins Stocken. Wind und Wasser wüteten durch die Arena, Blitze zuckten am dunklen Himmel. An Fußballspielen im eigentliche Sinne war kaum zu denken. Joachim Löw, der seine unkleidsame weiße Regenjacke zwischenzeitlich ausgezogen hatte, wurde nassgeregnet bis auf die Haut, das Internet fiel eine Zeit lang aus. Löw trug dann lieber wieder Regenklamotten mit Kapuze.

Er hatte lediglich den angeschlagenen Thomas Müller durch Leroy Sané ersetzt. Der verletzte Lukas Klostermann sowie Jonas Hofmann und Christian Günter schafften es diesmal nicht in den 23-Mann-Kader. Dafür durfte Jamal Musiala erstmals bei dieser EM ins Aufgebot vorrücken – und war bald pudelnass. Zur Pause stand es 0:1, auch, weil das DFB-Team im Gewitter den Faden verloren hatte.

Zur zweiten Halbzeit hatte der Regen aufgehört. Da waren schon mal hoffnungsvolle Bedingungen für die ganz in schwarz angetretenen Deutschen. Doch die knüppelharten Ungarn warfen sich weiter in jeden Ball. Löw, wieder in schwarz, zappelte in seiner Coaching-Zone zusehends mehr herum. Weil Frankreich gegen Portugal in Führung gegangen war, war das DFB-Team plötzlich ohne eigenes Zutun wieder im Rennen.

Der Bundestrainer brachte bald Leon Goretzka für Ilkay Gündogan und setzte damit noch mehr auf Offensive. Derweil glich Portugal gegen Frankreich aus. Deutschland war nach 63 Minuten wieder raus aus der EM 2021. Ein kapitaler Fehler des Leipziger Keepers Peter Gulacsi brachte die Gastgeber durch Kai Havertz zum 1:1 Ausgleich (66.), die Andras Schäfer nach klasse Vorarbeit von Szalai prompt wieder in eine ungarische Führung ummünzte. Unfassbar!

Müller war trotz seiner Knieprobleme für Havertz gekommen, Timo Werner ersetzte Serge Gnabry. Kimmich schob sich in die Mitte. Doch die Verzweiflung wuchs, der Ideenreichtum indes nicht. Es ging nur noch in eine Richtung, aber es gab nur wenige Chancen. Toni Kroos vergab nach 81 Minuten knapp. Löw warf alles nach vorn, brachte Musiala und Kevin Volland. Noch acht Minuten. Deutschland war raus. Dann traf Goretzka aus zwölf Metern zum 2:2, das Stadion schien zu explodieren. Deutschland war gerettet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare