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Das Bonusspiel für RB Salzburg

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Von: Frank Hellmann

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Ein Mann für Hansi Flick - und bald auch für Borussia Dortmund? Karim Adeyemi.
Ein Mann für Hansi Flick - und bald auch für Borussia Dortmund? Karim Adeyemi. © imago images/GEPA pictures

Das Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Bayern ist für den österreichischen Meister der bisherige Höhepunkt der Klubgeschichte

Nachbarschaftsduelle sind in einer erlesenen Kategorie wie der Champions League eine Seltenheit. In der K.o.-Phase sogar eine Rarität. Insofern ist das Achtelfinalduell zwischen dem FC Red Bull Salzburg und FC Bayern München (Mittwoch, 21 Uhr/ Dazn) eine besondere Konstellation. Statt ins Flugzeug steigen die Protagonisten nämlich in den Bus. Knapp 150 Kilometer geht es über die vielbefahrene A8,

Die Rollenverteilung in diesem deutsch-österreichischen Kräftemessen ist klar: Normalerweise sollte die Mozartstadt kein Engpass, sondern nur Zwischenstation für die Münchner sein. Allein Robert Lewandowski hat mehr Champions-League-Tore geschossen (82) als der gesamte Salzburger Kader überschlagen an Einsätzen vorweist, wie der „Standard“ süffisant festgestellt hat. In der österreichischen Tageszeitung ist der deutsche Trainer Matthias Jaissle mit der These konfrontiert worden, dass er doch irgendetwas anders machen müsse, nachdem der seit 2005 vom Brauseimperium des Dietrich Mateschitz aufgepäppelte Verein immer auf solch Höhepunkt hingearbeitet hätte.

Jaissle, mit 33 Jahren sogar jünger als sein Gegenüber Julian Nagelsmann, hat gestanden, fast jede spielfreie Minute dieser Begegnung gewidmet zu haben. Der ehemalige Bundesligaspieler der TSG Hoffenheim, der wegen einer schweren Knieverletzung seine aktive Karriere bereits mit 26 Jahren beenden musste („Eine harte Zeit, in der ich sehr gelitten habe“), beerbte erst vergangenen Sommer den zum Schwesterklub RB Leipzig abgewanderten Jesse Marsch, dessen größter Verdienst es fraglos ist, in Salzburg 2019 einen echten Fluch zu beenden. Bis dahin war der Klub unter tragikomischen Umständen elf Jahre lang an der Champions-League-Zulassung gescheitert.

Nun ist das Fußball-Aushängeschild der Alpenrepublik erstmals ins Achtelfinale der Königsklasse vorgedrungen, wobei die Philosophie immer noch vom Lehrmeister Ralf Rangnick geprägt ist. „Ralf hatte Einfluss auf meine Karriere, dafür bin ich ihm sehr dankbar. Als Spieler bin ich von ihm mit der Art von Fußball infiziert worden, der noch heute Grundlage der Red-Bull-Philosophie ist“, sagt Jaissle.

Noch viel radikaler als das sächsische Red-Bull-Konstrukt in Leipzig setzt der österreichische Trendsetter auf dem Transfermarkt auf ungeschliffene Diamanten. Die Hochbegabten locken, noch ehe die Global Player die Fangarme ausfahren. Das klappt seit Jahren erstaunlich gut. „Hier in Salzburg haben die Talente fast ideale Bedingungen“, erklärt Jaissle: „Ein relativ ruhiges Umfeld, einen Verein, der bewusst auf die Jugend setzt und ihnen auch Spielpraxis gibt, das alles auf internationalem Topniveau.“

Gegen den großen Gegner will der Trainer seine Philosophie keineswegs verraten. „Unser Ziel ist es wie schon in der Gruppenphase, mutig und frech aufzutreten. Wir werden auch gegen die Bayern versuchen, unsere Art des Fußballs auf den Platz zu bringen.“ Dass sie keinen der Stars von morgen dauerhaft behalten können, weiß Sportdirektor Christoph Freund, der einen Superjob macht. Und sich auch keinen Illusionen hingibt, dass dieses Bonusspiel seinen Arbeitgeber an natürliche Grenzen führt.

Paradebeispiel Adeyemi

Das Paradeexemplar im Bullenstall ist Karim Adeyemi, in München geboren, in der Jugendabteilung beim FC Bayern aussortiert – dann beim früheren Bayern-Profi Manfred Schwabl in Unterhaching aufgefangen. Salzburg zahlte 3,35 Millionen für den Jugendspieler aus einem Münchner Vorortverein, den sich Borussia Dortmund gut als Nachfolger für seinen ebenfalls in Salzburg im Rekordtempo gereiften Stürmerstar Erling Haaland vorstellen kann.

Dass der vor einem Monat erst 20 Jahre alt gewordene Adeyemi, hoch geschätzt auch vom Bundestrainer Hansi Flick, dann mehr als die beim Norweger festgeschriebenen 20 Millionen Euro Ablöse kostet, wäre selbst in Pandemiezeiten kein übergezogener Preis. Jaissle ist überzeugt, dass Adeyemi genau wie sein Sturmpartner, der 21-jährige Schweizer Nationalspieler Noah Okafor, trotz seiner unschönen Vergangenheit beim FC Bayern keine besondere Motivation braucht, um in der mit 30 000 Zuschauenden vollausgelasteten Arena den Turbo zu zünden: „Er wird auch so Vollgas geben. Nicht nur Karim, auch all die anderen stecken den Hype sehr gut weg.“

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