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Flieg, Kevin, flieg: Eintracht-Schlussmann Trapp will seinen Status als Nummer drei festigen.

Kevin Trapp in der Nationalelf

Kevin Trapp: Das Bewerbungsspiel

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht-Torwart Kevin Trapp wird gegen Spanien erstmals nach zweieinhalb Jahren wieder den Kasten der Nationalelf hüten und will sich nachhaltig empfehlen.

In den Tiefen seines Herzens ist das Frankfurter Aushängeschild Kevin Trapp der einfache Bursche aus dem saarländischen Merzig geblieben; ein fast schon besessener, von unbändigem Ehrgeiz getriebener Torhüter, der die Schule von Tarzan Gerry Ehrmann erlebt und gelebt hat, ein mittlerweile 30 Jahre alter Mann, der sensibel und zweifelnd geblieben ist. Natürlich führt er ein Jetset-Leben, er sieht gut aus, ist polyglott, eloquent, mit einem bekannten Model verlobt, zählt den brasilianischen Superstar Neymar zu seinen Freunden, und als er von der Weltstadt Paris wieder in die kleine Metropole am Main zurückkam, da sagte er: „Vielleicht können wir ein bisschen Glamour nach Frankfurt bringen.“ Ein Satz, der ihm so rausgerutscht ist.

Eintracht Frankfurt hat mit Kevin Trapp einen guten Torwart

Denn eigentlich möchte der Saarländer als Torwart wahrgenommen, geachtet und geschätzt werden, als guter Torwart, der er zweifelsfrei ist. Andernfalls würde er nicht zu den Auserwählten zählen, die Bundestrainer Joachim Löw in seinen erlauchten Kreis berufen hat. Jetzt, noch vor Saisonstart der Bundesliga, wird der Schlussmann die Möglichkeit bekommen, sich mal wieder auf der großen Bühne zu präsentieren; wenn die DFB-Elf am Donnerstag (20.45 Uhr/ ZDF) in Stuttgart gegen Spanien antritt, wird der Eintracht-Keeper das Heiligste der Nationalmannschaft hüten. Eine Auszeichnung und eine Verpflichtung.

Das liegt in erster Linie daran, dass die Nummer eins Manuel Neuer pausieren darf (Champions-League-Triumph) und die Nummer zwei Marc-André ter Stegen pausieren muss (Knie-OP). Trapp hat für die beiden Nations-League-Partien gegen Spanien und in der Schweiz das Trikot mit der Nummer eins von Manuel Neuer ergattert.

Der Torwächter ist entsprechend aufgeregt, voller Vorfreude und Adrenalin, in den Sozialen Medien postet er eifrig Bildchen mit Bezug zum Auswahlteam, die Augen funkelnd, das Gesicht strahlend wie ein Honigkuchenpferd. Die Botschaft ist klar: Hier brennt einer auf seinen Einsatz, hier wittert einer seine Chance, sich ins rechte Licht zu rücken und auf sich aufmerksam zu machen. Alle Augen auf Kevin.

Kevin Trapp überzeugte in der Europa League

Trapp hat sich eine Nominierung verdient, weil er sich in der Vorbereitung in prächtiger Verfassung präsentierte. Im Europa-League-Rückspiel in Basel (0:1) zeigte er eine famose Leistung, auch am vergangenen Samstag beim 1:2 in Amsterdam war er bester Frankfurter Spieler. „Ich fühle mich sehr gut“, sagt er. Er habe in der Sommerpause „sehr viel gearbeitet“, für die kommende Saison habe er sich „sehr viel vorgenommen“. Sehr viel mehr geht nicht. Und genau deshalb ist er mit einem guten, warmen Gefühl nach Stuttgart zum Auswahlteam gereist. „Ich bin voller Selbstvertrauen.“

Für den 30-Jährigen, der am Tag des WM-Triumphs 1990 geboren ist, sind Einsätze im Nationalteam enorm wichtig, um seinen Platz als dritter Schlussmann zu halten. Bei der desaströsen WM 2018 war er schon als dritter Mann dabei, sein letztes von nur drei Länderspielen absolvierte er im März 2018 gegen Brasilien (0:1), sein Debüt gab er am 6. Juni 2017 beim Freundschaftsspiel in Dänemark (1:1), auf der andere Seite im Kasten ein gewisser Frederik Rönnow, der nun in Frankfurt die Nummer zwei ist, was den dänischen Keeper nicht mit Zufriedenheit erfüllt. Beide zeigten damals übrigens herausragend gute Leistungen.

Zum Spiel Deutschland – Spanien

Deutschland: Trapp (Eintracht Frankfurt/30 Jahre/3 Länderspiele) - Ginter (Borussia Mönchengladbach/26/29), Süle (FC Bayern München/24/24), Rüdiger (FC Chelsea/27/30) – Kehrer (Paris Saint-Germain/23/7), Gündogan (Manchester City/29/37), Kroos (Real Madrid/30/96), Gosens (Atalanta Bergamo/26/0) – Havertz (Bayer Leverkusen/21/7) – Sané (FC Bayern München/24/21), Werner (FC Chelsea/24/29)

Spanien: De Gea (Manchester United/29/41) – Jesús Navas (FC Sevilla/34/42), Sergio Ramos (Real Madrid/34/170), Pau Torres (FC Villarreal/23/1), Gayá (FC Valencia/25/7) – Rodri (Manchester City/24/11), Fabián Ruíz (SSC Neapel/24/6), Mikel Merino (Real Sociedad San Sebastián/24/0), Thiago (FC Bayern München/29/37) - Ferrán Torres (Manchester City/20/0), Rodrigo (FC Valencia/29/22). Schiedsrichter: Orsato (Italien)

Für Trapp kam, so merkwürdig es sich anhören mag, die Corona-Pause zu keinem ungünstigen Zeitpunkt. Ob er bei der schließlich abgesagten Europameisterschaft als dritter Torwart dabei gewesen wäre, lässt sich nur schwerlich sagen. Trapp hat keine reibungslose, glatte Saison hinter sich, vor einem Jahr zog er sich eine schwere Schulterverletzung zu und fiel monatelang aus. Danach braucht es seine Zeit, um in den Rhythmus zu kommen und auch den Kampf gegen die Angst zu besiegen.

Trapp spielte eine grundsolide Runde, ohne große Ausreißer nach oben oder unten, er hat es freilich selten geschafft, seiner Mannschaft mal ein Spiel im Alleingang zu gewinnen, die Unhaltbaren hielt er nicht, aber genau das ist es, was einen sehr guten Torwart von einem der Extraklasse unterscheidet. Dass er ein Goalie ist, der den Unterschied machen kann und Teufelskerl-Potenzial hat, hat er in der Vergangenheit bewiesen.

Eintracht Frankfurt: Kevin Trapp ist das Aushängeschild

Mit der abgelaufenen Spielzeit ist der Torwart, der bei der Eintracht zur Galionsfigur und zum Markenbotschafter aufgebaut wird, auch nicht vollends zufrieden. „Jeder weiß, dass mein Anspruch extrem hoch ist und ich eine extrem hohe Erwartung an mich selbst habe. Es war eine Saison, die okay war. Aber ich weiß, dass ich noch viel, viel mehr kann.“

Daran glauben sie auch im Eintracht-Führungszirkel, der kurzzeitig mal für Irritationen sorgte, weil die Verantwortlichen einen Verkauf des Keepers nicht kategorisch ausschlossen. Trapp selbst und Adi Hütter, ein Vertrauter und Förderer des Routiniers, schlugen die Tür schnell wieder zu. „Kevin bleibt meine Nummer eins“, stellte der Trainer klar. Und der Schlussmann bekannte sich klar zur Eintracht: Ich habe nicht die Absicht, zu wechseln und habe nicht umsonst einen Fünfjahresvertrag unterschrieben.“

Auch deshalb hat er sich auf die neue Spielzeit akribisch und sorgsam vorbereitet, er will es wissen, durchstarten und sich noch mal auf ein anderes Level hieven. Dafür schuftet der Modellathlet wie ein Berserker.

Kevin Trapp im Konkurrenzkampf mit Bernd Leno

Genau das ist beim Ehrgeizling, smart, cool und nicht uneitel, aber ein schmaler Grat. Er braucht eine gewisse Lockerheit, Nonchalance, bei ihm besteht die Gefahr, zu verkrampfen. Er ist ein empfindsamer Typ, der sich mit seinen Leistungen und auch den öffentlichen Bewertungen beschäftigt. „Kevin ist total verbissen, er ist überehrgeizig, er würde bei jedem Gegentor am liebsten den Pfosten aufessen“, charakterisierte ihn Eintracht-Torwarttrainer Jan Zimmermann einmal.

Trapp kann sich am Donnerstag gegen einen Topgegner auf höchstem Niveau beweisen, das ist das, was ihn antreibt. Es ist eine Art Bewerbungsspiel für die EM 2021, Trapp könnte sich in eine komfortable Position hieven. Denn auch Bernd Leno wird seine Chance bekommen, er wird in Basel gegen die Schweiz zwischen den Stangen stehen, obwohl der Arsenal-Keeper nach seiner Knieverletzung erst wenige Einheiten hinter sich gebracht. Der Hoffenheimer Oliver Baumann, die Nummer drei für die beiden Partien, spielt in den Planungen keine Rolle.

Da ist Trapp deutlich weiter, er will seinen Status als Teilzeit- Nummer-eins zementieren – hinter dem Weltklasseduo aus München und Barcelona.

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