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Ridle Baku beim Einwurf für seinen inzwischen alten Verein, den FSV Mainz 05.

„Fußball findet auch im Kopf statt“

Das Beispiel Baku

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Elf Nachwuchsspieler von Mainz 05 geben für ein Buchprojekt tiefe Einblicke in ihre Werdegänge und wollen Vorbilder sein.

Auf dem Cover jubelt Ridle Baku, beide Hände vor dem Gesicht, als könnte er kaum glauben, dass er gerade ein Tor geschossen hat – und das gleich in seinem ersten Bundesligaspiel. Baku, inzwischen 22 Jahre alt, hat es geschafft. „Ich bin jetzt ein gestandener Bundesligaprofi“, sagt der U21-Nationalspieler, der gerade für eine Ablösesumme von zehn Millionen Euro von Mainz 05 zum VfL Wolfsburg gewechselt ist, mit Stolz in der Stimme. Beim Buchprojekt „Fußball findet auch im Kopf statt“ ist der Verteidiger sofort bereit gewesen mitzumachen. „Ich freue mich, dass sich junge Leute ein Beispiel an mir nehmen können“, sagt der in Mainz geborene Baku, der 13 Jahre für die Nullfünfer Fußball spielte.

In dem Buch kommen neben Baku zehn weitere Nachwuchsspieler des FSV im Alter von 14 bis 22 Jahren zu Wort, die über einen Zeitraum von neun Monaten in mehreren ein- bis zweistündigen Sitzungen befragt wurden, ihre Gefühle zum Teil sehr offen zum Ausdruck brachten und ihre ganz persönlichen Geschichten erzählen. Der in der Talententwicklung vorbildliche Verein und sein pädagogischer Leiter Jonas Schuster haben das Buch von Beginn an unterstützt. Es liefert tiefe Einblicke in das Leben ambitionierter Nachwuchskicker. „Die Jungs hatten richtig Bock auf die Zusammenarbeit“, berichtet Herausgeber Matthias Knöß, „ich finde es bewundernswert, dass sie die Größe hatten, sich so weit zu öffnen.“

Knöß ist Vorstand der Nele-Neuhaus-Stiftung, die sich Lese-, Schreib- und Sprachförderung für Kinder zum Ziel gemacht hat. Die Erfahrung des Stiftungs- chefs: Mädchen nehmen diese Angebote in der Regel viel lieber an Jungen. „So kam die Idee auf, ein Buch über Jungs für Jungs zu entwickeln.“

Ridle Baku berichtet, dass er einige Hürden zu überwinden hatte, ehe er es in die Bundesliga schaffte. „Ich bin froh, dass die Zeit vorbei ist, als ich morgens um halb acht raus musste und erst um neun Uhr abends zurückgekommen bin. Es war ein harter Weg.“ Schon als Zwölftklässler trainierte das Toptalent regelmäßig unter Trainer und Förderer Sandro Schwarz bei den Profis mit – eine Karriere, die nicht vielen vergönnt ist. Baku hat seinen Traum wahrgemacht, er rät aber dazu, sich nicht zu viel Druck zu machen: „Es gibt noch eine Menge andere Dinge als Fußballprofi zu werden, die auch schön sind.“

Herausgeber Knöß hat bei der Entstehung des berührenden Buches die Erfahrung gemacht, dass es „ein großes Mitteilungsbedürfnis“ bei den jungen Protagonisten gab. „Sie entwickeln gerade ein Gefühl dafür, wie sie mit Druck umgehen. Die meisten haben gespürt, dass sie bei Gegenwind wachsen.“ Auch der Reflexionsprozess, der mit der Mitarbeit am Buch einherging, habe sie „stärker gemacht“. Die Bestsellerautorin Nele Neuhaus, deren Stiftung das Projekt unterstützt, findet es „beeindruckend, wie elf junge Fußballer einen Einblick in ihr Seelenleben gestatten. Über ihre Wünsche und Träume, aber auch über -Niederlagen und Rückschläge zu lesen, ist sehr bewegend“.

Zum Buch Matthias Knöß (Hrsg.): Fußball findet auch im Kopf statt. Econ Verlag, 191 Seiten. 14,99 Euro.

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