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Allein im Schneetreiben: Hansi Flick. Foto: dpa
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Allein im Schneetreiben: Hansi Flick.

Bayern vor dem Aus?

Das bayrische Brodeln

  • VonJonas Austermann
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Der weiter schwelende Konflikt Flick/Salihamidzic ist kaum zu kitten und jetzt verliert der FC Bayern München auch noch in der Champions League.

Er könnte ihn einfach sagen, ein Satz würde genügen, ein paar Worte nur. Hansi Flick etwa könnte sagen: „Ich bin auch in der kommenden Saison noch der Trainer beim FC Bayern.“ Aber das tut er nicht. Und das hat Gründe, und die haben mit seinen Vorgesetzten zu tun, speziell mit seinem Busenfreund, dem Brazzo, Hasan Salihamidzic. Immer deutlicher wird: Der Burgfrieden, den beide vor ein paar Wochen öffentlichkeitswirksam schlossen haben, ist ein brüchiger, ein sehr brüchiger. Die Transferpolitik von Salihamidzic kann als latenter Affront gegen den Trainer gewertet werden.

Das Problem ist: Beide haben unterschiedliche Auffassungen, was das spielende Personal angeht, aber Salihamidzic hat als Sportvorstand den Hut auf. Für die Personalplanung ist – qua Amt – der von Übervater Uli Hoeneß gestützte Salihamidzic federführend verantwortlich, und eben nicht Flick. „In seinem (Flicks) Vertrag steht, dass er exklusiv verantwortlich für Training, Taktik und Mannschaftsaufstellung ist“, hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dazu unlängst der „tz“ klärt.

Genervter Trainer

Das bedeutet im Tagesgeschäft: Salihamidzic holt Spieler, mit denen Flick nicht viel anfangen kann (siehe die Herren Odriozola, Sarr, Roca, Costa, die kaum oder nur im Notfall zum Einsatz kommen), und Salihamidzic lässt Spieler gehen, mit denen Flick viel anfangen kann (Thiago, Alaba, Boateng, Perisic). Ungerührt sagt Salihamidzic dennoch: „Jeder weiß, dass Hansi Flick und ich sehr gut zusammenarbeiten.“ Kommt aber irgendwie anders rüber. Rüber kommt: Es brodelt gewaltig unter der Oberfläche.

Hansi Flick ist genervt, er ist sauer, das verriet sein Gesichtsausdruck, das verriet der Ton in seiner Stimme. Als wäre die böse Überraschung in Form der ebenso denkwürdigen wie vor allem grotesken 2:3 (1:2)-Niederlage gegen Paris St. Germain nicht allein Grund genug, ihm die Stimmung zu vermiesen, musste sich der Trainer von Bayern München erneut auch mit bohrenden Fragen auseinandersetzen: Fragen zu seiner eigenen Zukunft und zu Jerome Boateng. „Die Frage beantworte ich nicht, Ich muss hier professionell die Fragen beantworten. Alles muss ich jetzt auch nicht beantworten, weil ich es nicht möchte.“ Anschließend folgten die verwirrendsten und irgendwie doch deutlichsten Worte des 56-Jährigen. Flick sagte: „Ich muss da ein bisschen – wie soll ich sagen – schauspielern. Das gehört auch dazu zum Trainerjob.“

Flick sprach es zwar nicht aus, aber seiner Reaktion war deutlich zu entnehmen, dass ihm gar nicht in den Kram passte, dass die beschlossene Trennung von Boateng ausgerechnet vor der Partie gegen Paris Saint-Germain durchsickerte. „Ich selbst habe das Jerome erklärt“, sagte Salihamidzic kurz vor dem Anpfiff. Flick sei in die Entscheidung „eingebunden“ gewesen.

Auch sportlich war der Mittwochabend ein Schlag ins Wasser: Die Statistik wies 31:6 Torschüsse zugunsten des FC Bayern aus, doch auf den Videoleinwänden der Münchner Arena leuchteten nach Abpfiff zwei Zahlen auf, die so gar nicht zum 90-minütigen Spektakel zuvor passen wollten. FC Bayern 2, Paris Saint-Germain 3. Thomas Müller sprach von fehlendem „Killerinstinkt“. Die große Frage vor dem Rückspiel im Champions-League-Viertelfinale am kommenden Dienstag ist: Wer soll die Bayern in Paris retten?

Die Torfabriken fehlen

Die Münchner sind mit 110 Treffern in Liga, Pokal und Champions League die Tormaschinen Europas. 79 Bundesliga-Buden und 26 Kisten in der Königsklasse sind jeweils Bestwert. Aber: In Robert Lewandowski (40 Tore in Liga, Pokal und Champions League) und Serge Gnabry (10) fehlten im Hinspiel zwei der drei torgefährlichsten Bayern. Hinzu kam das frühe verletzungsbedingte Aus von Leon Goretzka (7 Treffer). Lewandowski und Gnabry fehlen auch in Paris sicher, bei Goretzka wird es ein Wettlauf gegen die Zeit.

Besonders bitter ist das, weil das Trio gemeinsam bislang für über die Hälfte aller Bayern-Treffer verantwortlich zeichnete. Die Spieler, die nun – neben Müller – in die Bresche springen müssten, heißen Leroy Sané und Kingsley Coman. Wahre Torjäger sind die beiden Flügelspieler aber eben nicht. Gegen PSG drehten Sané und Coman ihre Gegenspieler zwar reihenweise ein, es mangelte den beiden aber am richtigen Abschluss nach den Pirouetten.

„Wenn es 5:3 oder 6:3 ausgeht kann sich auch niemand beschweren. Wir haben uns das Ei jetzt selbst ins Nest gelegt“, meinte Müller bei Sky. Der Torschütze zum 2:2 hatte selbst zwei weitere gute Gelegenheiten ausgelassen. Hansi Flick erkannte an, dass PSG „sehr effizient“ gespielt habe, kritisierte aber auch: „Wir waren nicht ganz so entschlossen im Torabschluss.“ An der Zielsetzung Halbfinale rüttelt an der Säbener Straße freilich trotzdem niemand.

Was aus Münchner Sicht bleibt, ist allerdings die positive Erkenntnis, dass man Wege und Mittel gefunden hat, um PSG mächtig weh zu tun. „Wir werden alles geben, um dieses Spiel noch mal zu drehen. Wir wissen, dass Paris gerade in der Offensive eine sehr starke Mannschaft hat – das haben sie heute gezeigt. Trotzdem haben wir auch gesehen, wo sie verwundbar sind“, erklärte Flick. mit sid

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