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Darmstadts Dilemma: Zu wenig Ertrag bei viel Aufwand

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Die Darmstädter Peter Niemeyer, Aytac Sulu, Sandro Wagner und Konstantin Rausch hadern mit einer vergeben Torchance. Foto: Ronald Wittek
Die Darmstädter Peter Niemeyer, Aytac Sulu, Sandro Wagner und Konstantin Rausch hadern mit einer vergeben Torchance. Foto: Ronald Wittek © Ronald Wittek (dpa)

Kurz nach dem 2:2 (1:2) gegen den VfB Stuttgart kam Sandro Wagner die rettende Idee, wie sich ein Abstieg von Darmstadt 98 auf jeden Fall verhindern lässt.

Kurz nach dem 2:2 (1:2) gegen den VfB Stuttgart kam Sandro Wagner die rettende Idee, wie sich ein Abstieg von Darmstadt 98 auf jeden Fall verhindern lässt.

Seine zwölf Saisontore sind dem Aufsteiger schon eine große Hilfe, aber jetzt will der Stürmer auch noch einen Brief an die Deutsche Fußball Liga schreiben. «Wir sollten den Antrag stellen, nur noch zweimal 40 Minuten zu spielen», sagte er. «Dann hätten wir die nötigen Punkte schnell zusammen.»

Halb im Scherz, halb aus Frust hat Wagner damit das Darmstädter Dilemma dieser Saison in zwei Sätzen zusammengefasst. 29 Punkte hat einer der größten Außenseiter der Bundesliga-Geschichte jetzt nach 28 Spieltagen auf seinem Konto. Das ist deutlich mehr, als ihm viele vor der Saison zugetraut hatten. Aber das ist mittlerweile auch deutlich weniger, als den «Lilien» nach den jeweiligen Spielverläufen und ihren Leistungen eigentlich zustehen würden.

«Das war heute unser bestes Heimspiel in dieser Saison. Ich bin stolz auf mein Team», sagte Trainer Dirk Schuster nach dem Stuttgart-Spiel. Aber auch dafür gab es nur einen Punkt. So beträgt der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz weiterhin nur magere zwei Zähler.

Gegen den VfB gab Darmstadt mal wieder eine 1:0-Führung durch Wagner (26.) aus der Hand. Auf einmal stand es vor 17 000 Zuschauern 1:2, weil die Gäste in den Schlussminuten der ersten Halbzeit gleich zweimal trafen (Christian Gentner/45. und Lukas Rupp/45.+3). Peter Niemeyer gelang zwar noch der hochverdiente Ausgleich (51.), aber trotzdem steht dieser Nachmittag jetzt in einer Reihe mit den Spielen gegen Bremen (2:2), Augsburg (2:2) oder Wolfsburg (1:1). Auch da brachte sich der Aufsteiger am Ende noch um den vollen Lohn für seine nimmermüde Schufterei. «Gefühlt haben wir für unseren Aufwand weniger bekommen, als wir verdient gehabt hätten», meinte auch Schuster.

Mindestens genauso auffällig ist aber: Andere Teams würden an diesem Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag langsam verzweifeln. In Darmstadt dagegen macht das niemanden nervös. Wagner und Co. ärgern sich jedes Mal ein, zwei Tage, schütteln sich ein wenig - und stürzen sich dann auf den nächsten Gegner. «Das spielt in unseren Köpfen keine Rolle», sagte Torwart Christian Mathenia. «Wir glauben hier alle an unser großes Ziel. Die Spieler, die Trainer - alle!»

Warum das so ist, hat Torjäger Wagner am Samstag noch einmal anschaulich beschrieben. «Unser Glück ist, dass wir keinen Druck haben», erklärte er. «Wir können und wollen in der Liga bleiben - andere müssen das. Ich habe das in der letzten Saison bei Hertha BSC in Berlin noch anders erlebt. Da war der Druck größer, da geht man teilweise mit etwas Angst ins Spiel. Das ist hier ganz anders.»

Hinzu kommt: Diese Mannschaft hat bei ihrem Durchmarsch von der Dritten in die Erste Liga schon viel erlebt. Sie wirft so schnell nichts um. In den Relegationsspielen 2014 verlor sie zunächst gegen Arminia Bielefeld mit 1:3 - und drehte diesen Rückstand drei Tage später noch um. In der Zweiten Liga angekommen, verlor Darmstadt dann fünf Spieltage vor Schluss mit 1:2 in Leipzig, weil der Torwart des Gegners in der Nachspielzeit ein Tor schoss. Die Antwort darauf waren drei Siege in den letzten vier Spielen und gleich der nächste Aufstieg. Was also sollte diese Mannschaft aus der Ruhe bringen?

«Hier ist es so: Alles kann, nichts muss», sagte Schuster. Das ist sogar dem Gegner sympathisch. «Vielleicht halten sie die Klasse. Sie hätten es verdient», sagte Stuttgarts Sportchef Robin Dutt. (dpa)

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