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Spieler oder Trainer? Dimitrios Grammozis wäre wohl gerne beides. 

SV Darmstadt 98

Grammozis ist nah am Mann

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Dimitrios Grammozis, Trainer des SV Darmstadt 98, setzt vor dem Spiel bei Arminia Bielefeld auf einen Mix aus Spaß und Ernst.

Einmal Fußballer, immer Fußballer: Wer Dimitrios Grammozis während der Einheiten seines neuen Klubs, dem SV Darmstadt 98, so beobachtet, der könnte folgern, die Südhessen hätten sich nicht nur einen neuen Trainer geangelt. Denn Grammozis, 40 Jahre alt, 143-facher Erstligaspieler, ehemalige griechischer Juniorennationalkicker, ist immer nah am Mann. Der Neu-Coach des Zweitligisten steht nicht nur in Stollenschuhen auf dem Rasen, nein, er setzt sie auch noch gekonnt ein. Mal beim lockeren Aufwärmen in engen Fünf-gegen-Zwei-Spielchen, dann bei Übungsformen auf einem größeren Feld - ein spielender Trainer also, dieser Dimitrios Grammozis.

Daniel Heuer Fernandes, Torhüter der Darmstädter, überrascht das nicht. Es sei bei Grammozis eben nicht lange her, so der Deutsch-Portugiese zum „Darmstädter Echo“, dass er noch selbst aktiv die Rasenplätze der Republik umgepflügt habe. „Er war sich nie zu schade, die Mannschaft zu pushen, er hat immer gekämpft.“ Der 26-jährige Torhüter, der in seinen Leistungen beständigste Lilien-Profi in dieser so wechselhaften Spielzeit muss es wissen, schließlich kickte er in der Saison 2012/13 noch für ein Jahr gemeinsam mit seinem jetzigen Trainer beim VfL Bochum II. „Damals hatten wir eine junge Mannschaft, er war der Älteste. Er hat jeden Zweikampf gesucht und hat immer die Führung übernommen“, erinnert sich Heuer Fernandes.

Schon bei seiner Antrittspressekonferenz sprach Grammozis davon, dass er mit seiner „Malochermentalität“, aber auch mit seiner „offenen Art“ ideal zu der des SV 98 passe. In der ersten Trainingswoche ließ der ehemalige Mittelfeldspieler beides auch bei der alltäglichen Arbeit durchblicken. Mal wies Grammozis seine Profikicker mit klaren, lauten Worten auf taktisches Fehlverhalten hin, dann scherzte er mit ihnen und erntete dafür inbrünstige Lacher der Truppe. Ein Mix aus Spaß und Ernst soll im Premierenauftritt am Sonntag (13.30 Uhr) bei Arminia Bielefeld zum Erfolg führen - gerade erstgenannter Punkt war unter Vorgänger Dirk Schuster doch arg zu kurz gekommen.

Grammozis jedenfalls, der offenbar ganz bewusst auf gute Laune setzt, äußerte sich naturgemäß über seine erste Woche am Bölle sehr zufrieden: „Alle Spieler wollten sich zeigen, alle haben sich angeboten. Und wir konnten auch einige Inhalte erarbeiten.“

Auffällig war, dass der Coach viel Zeit in Standardsituationen investierte. Ein gängiges Mittel, um mit wenig Aufwand viel Ertrag zu generieren. Darüber hinaus solle sein Team aber in Bielefeld trotz der Auswärtsschwäche - die Lilien holten aus elf Spielen nur sechs Punkte, der schlechteste Wert der Liga - selbstbewusst auftreten. Kompakt zu stehen, das sei wichtig. „Wir wollen aber nicht nur mauern“, so Grammozis, dessen Team mit 26 Punkten derzeit zwei Zähler hinter den Bielefeldern liegt. Fehlen werden am Sonntag die beiden Mittelfeldspieler Slobodan Medojevic (Kniebeschwerden) und Christoph Moritz (Schulterverletzung). Ob Angreifer Felix Platte nach überstandener Prellung im Kader steht, ließ der Coach offen. Sicher ist dagegen, dass die Anspannung aufs Debüt als Profitrainer ansteigt. „Das Kribbeln fängt an und ich freue mich ungemein darauf, dass der Anpfiff ertönt“, sagt der Coach.

Klingt fast so, als würde Dimitrios Grammozis am liebsten auch noch am Spielfeldrand die Stollenschuhe überstreifen. Einmal Fußballer, immer Fußballer - und ganz nebenbei halt noch Trainer des SV Darmstadt 98.

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