+
Ratlos, weil torlos: Die Darmstädter Profis befördern den Ball im bisherigen Saisonverlauf einfach zu selten ins Netz.

SV Darmstadt 98

Darmstadt 98: Zu wenig Wumms

  • schließen

Der SV Darmstadt 98 verliert das Pokalduell gegen den Karlsruher SC, weil er offensiv viel zu harmlos auftritt.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, ob nun bei der Essensauswahl, beim Klamottenstil oder der Musikvorliebe, um nur drei Beispiele zu nennen. Letztere jedenfalls stimmte beim SV Darmstadt 98 und dem Karlsruher SC am Dienstagabend ganz und gar nicht überein. Als Trainer Dimitrios Grammozis nach dem verlorenen Pokalduell seines SV 98 gerade damit beginnen wollte, die 0:1-Heimschlappe zu analysieren, dröhnte es plötzlich los.

„... sieben Sünden bist Du mir wert, sieben Sünden und noch viel mehr, denn Du bist der Wahnsinn, der mich aus der Bahn bringt ...“

Die Boxen wummerten, der Lautstärkeregler war nah ans Maximum gedreht, übertönt wurde der DJ-Ötzi-Coverhit von 2006 nur noch vom kräftig mit einstimmenden KSC-Chor. Man muss dazu wissen: Nicht mal fünf Meter entfernt von dem Ort, wo die Trainer nach Fußballspielen am Darmstädter Böllenfalltor den Reportern ihre Analysen vortragen, und nur durch zwei Türen voneinander getrennt, sind Pressekonferenzraum und Gästekabine untergebracht.

Als Grammozis also nach kurzem Zögern doch damit begann, von einem „Abnutzungskampf“ zu sprechen, den seine Mannschaft leider verloren habe, sangen duschende Kicker über das Sündenseptett für eine Nacht. Die ausgelassene Laune hatten sie sich verdient beim KSC, schließlich waren die Gäste erst durch einen fünf Minuten vor dem Abpfiff herausgeköpften Erfolg in die dritte Runde des DFB-Pokals eingezogen – und der SV 98 wieder mal gescheitert. In den vergangene vier Jahren ging es somit nicht über die zweite Runde hinaus.

„Wir waren einfach zu harmlos im letzten Drittel“, analysierte Grammozis: „Wir haben uns zwar gut nach vorne kombiniert, aber dann keine Durchschlagskraft zustande gebracht.“ Die Spieler hätten keine Eins-gegen-Eins-Duelle gesucht, seien nicht in den Strafraum gegangen. Stattdessen hätten sie versucht, immer noch den besser postierten Kollegen zu finden.

Lilien Darmstadt: Das „Bölle“ wandelt sich

Zwar zielten die Darmstädter 14-mal in Richtung des KSC-Kastens, zur Wahrheit gehört aber auch, dass keiner dieser Versuche allzu große Torgefahr einbrachte. Einzig eine als Vorlage gedachte Hereingabe von Patrick Herrmann rollte knapp am Pfosten vorbei. Da auch die Karlsruher kaum konsequenter kickten, mit Ausnahme des Kopfballtreffers von Philipp Hofmann, entwickelte sich ein schwaches Fußballspiel.

Dabei hätten die Lilien doch Auftrieb verspüren müssen nach zuvor zwei Ligasiegen hintereinander, oder nicht? „Ich fand die Art und Weise gut“, sagte Grammozis; meinte damit aber nur die erste Viertelstunde, auf die das auch zutraf. Danach aber wurden die Bemühungen der Südhessen, ein Tor zu erzielen, immer zaghafter. Schon bei den Erfolgen auf St. Pauli und gegen Aue war aus dem Spiel heraus bei den Lilien wenig gelaufen. Die beiden siegbringenden Treffer fielen jeweils nach Eckbällen. Mit nur elf Toren nach elf Spieltagen hat Darmstadt eine der schwächsten Offensiven in Liga zwei – nur Sandhausen und Osnabrück trafen seltener. Bezeichnenderweise erzielten Defensivspieler fünf der elf Buden.

Am Samstag geht es für die Darmstädter bei Greuther Fürth in der Liga weiter, Torhüter Marcel Schuhen ist sich sicher, dass es dann wieder aufwärts gehen wird. „Das gibt uns keinen Knick“, sagte er, während nicht weit entfernt die Karlsruher Gäste gerade ihre Wummerboxen zum Laufen brachten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion