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Torsten Lieberknecht vor dem Lilien-Logo.
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Torsten Lieberknecht vor dem Lilien-Logo.

Darmstadt 98

Darmstadt 98: Trainer Torsten Lieberknecht „saugt einen Klub komplett auf“

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Der gebürtige Pfälzer Torsten Lieberknecht startet mit positiver Energie in seine Aufgabe als Trainer beim Zweitligisten SV Darmstadt 98.

Torsten Lieberknecht ist ein Pfälzer Bub, jenes für die Region charakteristische Idiom kann er nicht verbergen. Er ist aber auch ein Braunschweiger Jung, über zehn Jahre in Niedersachsen sozialisiert. Und neuerdings ist er ein Heiner, ein Darmstädter also, natürlich kein richtiger, dafür müssten die Eltern in der südhessischen Stadt das Licht der Welt erblickt haben, aber ein zugezogener. Immerhin.

Torsten Lieberknecht, 47, verheiratet, drei Kinder, Hundebesitzer, Weinliebhaber und Trainer des Fußballzweitligisten SV Darmstadt 98, wurde geboren in Bad Dürkheim bei Kaiserslautern, kickte später für den Klub vom Betze, dazu in Mannheim, Mainz, Saarbrücken und Braunschweig, wo er zum erfolgreichsten Trainer dieses Jahrhunderts aufstieg - und dann doch wieder ab.

Darmstadt 98: Lieberknechts Vergangenheit in Braunschweig

Von vorn: Wer sich mit dem Nachfolger des nach Bremen abgewanderten Markus Anfang beschäftigt, dem springt sofort dessen Vergangenheit bei Eintracht Braunschweig an. Den Meister von 1967 erweckte Lieberknecht wieder zum Leben. 2008 übernahm er Braunschweig in der Dritten Liga, schaffte den Klassenerhalt. Und mehr noch: Er stieg auf – in Liga zwei (2011), in Liga eins (2013). Plötzlich gab‘s Duelle gegen Bayern, Dortmund, die große Fußballwelt für den „kleinen Pissverein“, wie er seine Eintracht liebevoll-derb bezeichnete. Und Lieberknecht war mittendrin als einer, dem die Fans noch heute nachtrauern, der alles für sie gegeben hat. Bis es nicht mehr ging. Und irgendwann ging es wirklich nicht mehr. Nach zehn Jahren übergab er die Eintracht dort, wo er sie empfangen hatte - als Drittligist. Tränen flossen.

Rund drei Jahre später sitzt der direkte Typ im Presseraum am Darmstädter Böllenfalltor und plaudert über die Gründe für das vorerst auf zwei Spielzeiten ausgelegte Engagement in Hessen. Ein Klub mit einer bewegten Geschichte sei der SVD, so Lieberknecht, „ein ambitionierter Zweitligist“, dessen Sportchef Carsten Wehlmann ihn sofort bei der ersten Kontaktaufnahme „angefixt“ habe. „Ich bin voller Enthusiasmus ins Auto gestiegen und nach Darmstadt gefahren.“ Zweimal wurde er geblitzt.

Darmstadt 98: Lieberknecht lebt von Emotionen

Er, der sich einst als Gästetrainer für die Torhynme der Lilien begeisterte, brenne für seine Aufgabe. „Ich will meine Energie voll einbringen und werde für die Mannschaft durchs Feuer gehen.“ Sätze, die man im Profigeschäft schon mal gehört hat, die bei Lieberknecht aber tief aus dem Innern kommen, die glaubwürdig sind. Braunschweig ist Geschichte, ebenso wie das Wirken in Duisburg. Der MSV trennte sich vergangenen November vorzeitig vom Coach. Seitdem war er ohne Trainerjob, musste unlängst mit dem Arbeitsamt vorlieb nehmen und freut sich jetzt wie Bolle aufs Bölle: „Ich sauge einen Klub komplett auf, versuche alle Schwingungen mitzukriegen.“ Nähe, Identifikation, Bodenständigkeit - Eigenschaften, für die Lieberknecht einsteht.

Nicht alle im Umfeld des Vereins waren begeistert, als sie von der Verpflichtung des Trainers hörten. Dessen nähere Vergangenheit, die zwei Abstiege mit Braunschweig und Duisburg, fallen unangenehm auf. Alles in allem aber könnte die Kombination zwischen Trainer und Klub passen. Er habe eine Vorliebe für Traditions- und Arbeitervereine, sagte Lieberknecht früher mal: „Ich will mich ein bisschen romantisch einem Verein verschreiben.“ Mit Haut und Haar (von denen er kaum noch welche hat).

Darmstadt 98: Lieberknecht favorisiert Ballbesitzfußball

Lieberknecht favorisiert den Ballbesitzfußball, er will die Spieler aber nicht überfrachten. Videoanalysen gehören dazu, das Hauptaugenmerk sind sie für den Bauchmenschen aber eher nicht. Er kommt über die Emotion. Ein Team zu führen sei wie in einer „großen Familie“, Krach gehört dazu, grundsätzlich wird aber zusammen agiert. An der Seitenlinie geht er impulsiv mit, mitunter ist er ein bisschen drüber. Ist halt manchmal so, findet Lieberknecht.

In Darmstadt wartet auf ihn eine komplizierte Aufgabe. Die Liga wurde durch die Bundesligaabsteiger aus Bremen und Gelsenkirchen aufgewertet. Platz sieben erreichten die Darmstädter in der Vorsaison, eine Wiederholung wäre ein Erfolg. „Wir dürfen uns nicht kleiner machen als wir sind, ein einstelliger Tabellenplatz wäre gut“, so Lieberknecht, der einen personellen Umbruch zu gestalten hat. Wichtige Stammkräfte sind weg, fünf Neue bisher da. Namentlich: Emir Karic (SCR Altach/Linksverteidiger), Jannik Müller (Dunajska Streda/Innenverteidiger), Phillip Tietz (SV Wehen Wiesbaden/Stürmer), Frank Ronstadt (Würzburger Kickers/Rechtsverteidiger), Morten Behrens (1. FC Magdeburg/Torwart).

Darmstadt 98 sei keineswegs ein Projekt, so Lieberknecht, denn ein Verein „ist etwas Lebendiges“. Deshalb hat sich der Pfälzer Bub mit Braunschweiger Vergangenheit eines vorgenommen: „Jetzt lerne ich Hessen richtig kennen.“ Den Anfang machte er am Donnerstag mit einem herzlichen „Gude“.

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