„Eine schlechte Zeit für Gespräche“

Darmstadt 98: Profis im Wartestand

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Beim Fußball-Zweitligisten Darmstadt 98 laufen am Saisonende 13 Spielerverträge aus - darunter auch einige von wichtigen Stützen des Teams.

Fabian Holland hat auch in den fußballfreien Corona-Tagen Mittel und Wege gefunden, seiner ihm von den Teamkollegen des SV Darmstadt 98 übertragenen Aufgabe nachzukommen, alles festgehalten in einem kurzen Filmchen. Der Spielführer des Zweitligisten stellte da doch tatsächlich auf dem heimischen Balkon eine Platzwahl nach – und übernahm alle drei Rollen höchstpersönlich. Holland als Kapitän des SV 98, Holland als Kapitän des Auswärtsteams, Holland als Schiedsrichter (mit passendem Trikot). Ganz klar, dass da nur einer beim Münzwurf als Sieger hervorgehen konnte: Fabian Holland, na logisch.

Seit gestern ist der 29-Jährige ebenso wie seine kickenden Kameraden wieder zurück auf dem Trainingsplatz am Böllenfalltor. In Kleingruppen wird versucht, sich auf den wann auch immer anstehenden Ernstfall möglichst professionell vorzubereiten. Gar nicht so einfach. „Richtig normal war eigentlich gar nichts“, sagte Holland nach der ersten Übungseinheit in einer Telefonkonferenz. Sechs Spieler und ein Trainer hätten auf dem Platz gestanden – in Hollands Fall waren es seine Abwehrkameraden. Zweikämpfe und Kopfbälle seien verboten gewesen, auch hätten die Spieler den Ball und die Trainingsstangen nicht mit den Händen berühren dürfen, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Die Profis fuhren zudem bereits in Trainingsklamotten in ihren Autos vor und betraten nicht die Kabine. Zum Duschen ging’s nach Hause. „Komisch“ sei das alles gewesen, sagte Holland.

Der gebürtige Berliner trägt seit 2015 das Trikot der Darmstädter, die linke Abwehrseite war seitdem mehr oder weniger die seine. 166 Pflichtpartien hat er für die Südhessen gemacht. Bloß: Am Saisonende läuft sein Vertrag aus. Holland möchte gerne bleiben, das hat er vor der Corona-Pause bereits angedeutet, allerdings sei es momentan „eine schlechte Zeit für solche Gespräche. Wir haben gerade andere Dinge im Kopf und es ist für alle Seiten klar gewesen, dass sich die Gespräche hinziehen können“.

Wie bei fast allen Profiklubs bundesweit gestalten sich die Personalplanungen über die Saison hinaus derzeit schwierig. Welches Budget steht dann noch zur Verfügung? Wie stark werden Ablösesummen sinken, wie stark die Gehälter? Und überstehen die Vereine die Krise überhaupt? Bei den Darmstädtern bewegen sich somit viele Spieler im Ungewissen. Insgesamt 13 Verträge laufen aus. Neben Holland betrifft das auch andere erfahrene und verhältnismäßig gut bezahlte Profis wie Marcel Heller und Tobias Kempe. Ebenso zählen Stammkräfte wie Yannick Stark, Dario Dumic (ausgeliehen), und Immanuel Höhn dazu.

Viel Arbeit also für die Verantwortlichen, die weitestgehend liegenbleiben muss. Zumal ja noch die wichtigste Planstelle eines Fußballteams besetzt werden muss, die des Trainers. Der aktuelle Chef, Dimitrios Grammozis, hat in dieser Woche noch einmal versichert, seinen auslaufenden Vertrag trotz Corona-Krise auf keinen Fall verlängern zu wollen. (mit dpa)

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