Freut sich: Tobias Kempe, Darmstädter Torschütze.
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Freut sich: Tobias Kempe, Darmstädter Torschütze.

Darmstadt 98

Die Last abgeschüttelt

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Die Lilien schnaufen nach dem Mentalitätssieg bei Dynamo Dresden ordentlich durch. Die größte Abstiegsgefahr ist gebannt - mit Glück und mit Stil.

Selbst Tobias Kempe, 30, bundesligaerprobt und dazu noch Stammgast bei den Reportern in der Mixed Zone, musste sich im Anschluss an diesen wilden Fußballfreitag erst einmal sammeln. Er, einer der erfahrensten Männer im blauen Darmstädter Dress, wollte „das Spiel erstmal sacken lassen“. Plumps. Die Last, die von den Schultern des Offensivspielers fiel, sie war nach dem so wichtigen 3:2-Auswärtserfolg des SV Darmstadt 98 in der zweiten Liga bei Dynamo Dresden weithin erkennbar. „Das war Fußball pur“, sagte Kempe, „ein Wahnsinnsspiel“. Der Sieg sei sehr, sehr wichtig für das Team, „ein großer Sieg für uns“.

Nun ist es ja eigentlich nichts Ungewöhnliches, dass sich eine Mannschaft gegen den Tabellenletzten durchsetzt. Das gelingt üblicherweise einer großen Zahl an Teams während einer Saison. Und dennoch war die Erleichterung bei Kempe und dessen kickenden Kollegen natürlich verständlich. Zuvor war ihnen solch ein Erfolg letztmals am 25. November gelungen, noch im alten Jahr also, ehe darauf eine Niederlage und fünf Unentschieden in Reihe folgten.

Die Darmstädter waren in dieser Zeit trotz ordentlicher Leistung nicht so recht vorangekommen in der Tabelle, sie traten vielmehr auf der Stelle. Die Angst vor dem Absturz in die Abstiegszone sollte zwar eigentlich keine Rolle spielen in den Köpfen, ausschalten lässt sich aber nunmal nicht, wenn die bedrohliche Kante so nah ist. Es sei daher „viel Brisanz“ im Duell mit Dresden gewesen, gestand auch Trainer Dimitrios Grammozis hinterher.

„Ein Sieg der Gemeinschaft“

Die Südhessen haben also drei wichtige Punkte auf ihr Konto gehievt, das jetzt mit 26 Zählern zumindest ordentlich gefüllt ist. Den Klassenerhalt bedeutet das natürlich längst nicht, ein großer Schritt in die richtige Richtung war der Erfolg aber sehr wohl. Denn nicht nur die verbesserte Tabellenkonstellation macht Mut, sondern auch das Auftreten während der Drucksituation. Tatsächlich zeigten die Darmstädter am Freitag nämlich ein starkes Auswärtsspiel – in der ersten Hälfte gar ein herausragendes. Da dominierten die Lilien trotz eines frühen Rückstands das Spiel, sie kombinierten fein und das nicht nur, wie so oft zuvor, in der eigenen Hälfte, sondern bis in den gegnerischen Strafraum hinein. 3:1 stand es zur Pause durch Tore von Seungho Paik, Tobias Kempe und Serdar Dursun.

„In der Halbzeit wussten wir dann, dass jedes taktisches Geplänkel keine Rolle mehr spielt“, merkte Grammozis an, in jener Erwartung, das Schlusslicht müsste nun alles auf eine Karte setzen. Er sollte Recht behalten. Dresden kam auf 2:3 heran, schoss gar das vermeintliche 3:3, das aufgrund einer Abseitsentscheidung – es ging um die Frage des aktiven oder passiven Eingreifens eines nicht direkt beteiligten Spielers - jedoch nicht zählte. „Ein richtiger Fight“ sei es dann gewesen, so Grammozis, der früher als Spieler schon solche Abnutzungskämpfe auf dem Rasen geliebt hatte und es auch heute als Trainer an der Seitenlinie noch tut. Er sei stolz auf seine Truppe, sagte der Coach. Blaue Flecken kassierten die Lilien zwar, einen Niederschlag vermieden sie aber mit einer Menge Leidenschaft.

„Für solche Spiele ist man Fußballer geworden. Es gibt nichts Geileres“, sagte Torwart Marcel Schuhen stellvertretend für seine Kameraden: „Wir waren ein eingeschworener Haufen und zwar nicht nur die Jungs, die gespielt haben, sondern auch die, die reingekommen sind. Das war ein Sieg der Gemeinschaft.“ Es war vor allem einer, der den SV 98 vor dem kommenden Spiel am Sonntag gegen Sandhausen von seiner größten Last befreit.

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