Trainer Grammozis

SV Darmstadt 98: Gefuchtel und Gejubel

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Der SV Darmstadt 98 nähert sich nach dem zweiten Sieg in Folge dem Klassenerhalt mit großen Schritten.

Nach einer halben Stunde hatte er genug, er schmiss seine blaue Jacke hinter sich auf die Bank. Dimitrios Grammozis hatte sich wahrhaftig warm gefuchtelt in diesen ersten 30 Fußballminuten im Darmstädter Stadion am Böllenfalltor. Der Trainer des SV 98 war voller Elan dabei am Sonntag im Duell gegen den SV Sandhausen. Vom Anpfiff weg stand er da direkt an der Seitenlinie und bedeutete seinen kickenden Männern, was sie machen sollten für den zweiten Zweitligasieg nacheinander und den ersten Heimerfolg seit dem 25. Oktober. Er lobte in Form von aufeinander klatschenden Händen, tadelte mit lautem Geschrei und ballte schließlich nach 95 Minuten jubelnd die rechte Faust. Sein Team hatte gerade mit 1:0 (0:0) gewonnen. „Ein ganz großes Kompliment an meine Jungs, wir waren eine Einheit“, sagte Grammozis: „Die Spieler haben sich den Sieg absolut verdient.“

Die Partie eröffnete Yannick Stark. Der Mittelfeldspieler zog aus spitzem Winkel ab, zielte aber zu genau auf die Brust von Gästekeeper Martin Fraisl (4.). Nachdem die Sandhäuser in der Folge durch Denis Linsmayer (9.) und Besar Halimi (14.), einst auch mal beim FSV Frankfurt und Mainz 05 aktiv, ebenfalls erste Torgelegenheiten vergeben hatten, dominierten die Südhessen bis zur Pause das Geschehen. Die Darmstädter spielten zwar keineswegs spektakulär, auch fehlte ihnen der letzte, für Tore aber essenziell wichtige Zug zum gegnerischen Kasten, alles in allem waren sie besser. Serdar Dursun köpfte in der 34. Minute noch einmal daneben.

Auch nach dem Seitenwechsel bestimmten die Darmstädter das Spiel. Grammozis, wieder mit übergestreifter Jacke aus der Kabine gekommen, sah seine Truppe offensiv nun zielstrebiger agieren. Nach einer ersten Schussannäherung von Mathias Honsak (53.) zappelte der Ball nach 59 Minuten schließlich im Netz. Tobias Kempe flankte einen Eckball scharf in die Mitte und traf genau den Schädel von Immanuel Höhn. Der Innenverteidiger köpfte recht mühelos, weil ungedeckt sein zweites Saisontor. Und Grammozis? Der schmiss seine Jacke wieder zurück auf die Bank: Er hatte sich warm gejubelt.

Nach der Führung schien das Spiel endgültig in die richtige Richtung zu laufen für die Südhessen, bis Höhn zwei Minuten später wieder entscheidend Einfluss nahm. Bereits verwarnt langte er zu hart zu, sah seine zweite Gelbe Karte des Tages und musste folglich zu Recht den Rasen verlassen (61.). In Unterzahl zogen sich die Gastgeber tiefer zurück, Sandhausen hatte häufiger den Ball und probierte es noch einmal. Erst landete ein Versuch von Linsmayer am Außennetz des Darmstädter Kastens (77.), dann verpasste der einschussbereite Kevin Behrens nur knapp den Ball (85.). Und zu guter Letzt warf sich Darmstadt-Keeper Marcel Schuhen, vergangenen Saison noch in Sandhausen angestellt, in alle brenzligen Situationen mit Verve hinein.

Der SV Darmstadt ist nun sieben Spiele ohne Niederlage geblieben, hat als Tabellenneunter ordentliche 29 Punkte und damit acht mehr als Karlsruhe auf dem Relegationsrang – nicht zuletzt dank Dimitrios Grammozis. „Es war eine ganz guter Schritt“, sagte der Coach mit Blick auf die Tabellenkonstellation.

Vor rund einem Jahr, am 24. Februar, hatte der 41-jährige Fußballlehrer die Mission Klassenerhalt in Darmstadt als Nachfolger von Dirk Schuster angetreten, er scheint sie nun zum zweiten Mal erfüllen zu können. Von Tag eins an brachte er dabei nicht nur viel Leidenschaft ein – siehe Jackenwürfe, Jubelschreie und geballte Fäuste –, sondern auch fußballerische Ideen. Auch wenn diesmal wieder eine Standardsituation für das entscheidende Tor herhalten musste, so gestaltet sich die Spielweise doch ansehnlicher als noch vor zwölf Monaten.

Der Lohn dafür dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Alles andere als eine Verlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrages von Grammozis wäre jedenfalls eine Überraschung. „Das Thema war in den vergangenen Wochen sehr präsent, und ich kann nur sagen, dass mir die Arbeit hier viel Spaß macht“, so der Trainer gestern: „Ich komme mit viel Lust und Laune zum Training und würde diesen Weg gerne weitergehen.“ Ein klares Statement, das nun die zweite Verhandlungspartei, die Vereinsbosse, unter Zugzwang bringt. Rüdiger Fritsch, Präsident des Klubs, äußerte sich am Sonntag zum Trainerthema wie folgt: „Wir hatten bisher gute Gespräche, so wird es auch weiterhin sein. Natürlich helfen gute Ergebnisse beiden Seiten.“

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