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Darmstadts Dario Dumic (l-r), Darmstadts Nicolai Rapp und Osnabrücks Benjamin Girth kämpfen um den Ball. 

Wieder nur ein Punkt

Darmstadt 98: Im Dschungel hängengeblieben

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Der SV Darmstadt 98 reißt sich beim 2:2 gegen Osnabrück hinten selbst ein, was der Zweitligist sich vorne aufbaut.

Zur Einweihungsparty ihrer neuen, schmucken Gegengerade haben die Darmstädter Fußballer am Sonntag ein Unentschieden bekommen. Dabei haben sie eigentlich schon mehr als genug davon – elf Stück in dieser Saison, so viel wie kein anderer Klub in Liga zwei. Nicht nur deshalb hielt sich die Freude bei den Lilien in Grenzen ob des 2:2 (1:1) gegen den VfL Osnabrück. Ein Punktgewinn, der sich wie ein Punktverlust anfühlte für den SVD. „Das ist schon ziemlich bitter“, sagte Kapitän Fabian Holland: „Nach diesem Spielverlauf müssen wir mit drei Punkten vom Platz gehen. Ich glaube, da sind wir uns alle einig.“ Nach dem nun bereits fünften Remis in Folge bleiben die Lilien mit 23 Punkten in der unteren Tabellenhälfte hängen.

Serdar Dursun hatte die spielerisch gefälligen Darmstädter in Führung gebracht (35.). Der Ausgleich für Osnabrück durch Marcos Alvarez per Foulelfmeter fiel quasi aus dem Nichts (43.). Trotz Überzahl nach dem Platzverweis gegen Gästekapitän David Blacha gerieten die Lilien in Rückstand (78.), ehe Felix Platte der Heimelf immerhin noch das Unentschieden rettete (83.).

Herrmanns Aussetzer

Die Darmstädter wussten, dass ein Heimsieg keine schlechte Idee gewesen wäre, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die schöne neue Gegengerade nicht bald in einem Drittligastadion steht. Die untere Tabellenhälfte in Liga zwei ist ja ein dschungelartiges Geschöpf, dicht und unübersichtlich. Jeder kann jeden schlagen in dieser Liga, das ist eine Phrase und gleichzeitig die Wahrheit, und nicht selten tendieren die Teams gar dazu, sich ein bisschen selbst zu schlagen.

Gegen Osnabrück zum Beispiel schien die Elf von Trainer Dimitrios Grammozis die richtigen Schlüsse zu ziehen aus der eher dürftigen Leistung zum Jahresauftakt beim glücklichen 1:1 in Kiel. Chancen durch Torjäger Dursun (6.), Tobias Kempe (12.) und Marvin Mehlem (15.) prägten die Anfangsviertelstunde. Es war dann nichts anderes als die verdiente Belohnung für einen couragierten Auftritt, dass Dursun schließlich die Führung gelang. Der 28-Jährige profitierte in der 35. Spielminute von einem Missverständnis in der Osnabrücker Verteidigung, traf aus etwa elf Metern mit rechts (35.). Doch dann rissen die Lilien sich hinten selbst ein, was sie sich vorne mühsam aufgebaut hatten, in einem flüchtigen Moment der Unachtsamkeit.

Rechtsverteidiger Patrick Herrmann verschätzte sich bei einem langen Ball der Osnabrücker, und der Versuch, die Sache per Tackling schnell zu klären, misslang völlig. Herrmann erwischte Felix Agu am Fuß, es gab Foulelfmeter, und Gästeangreifer Alvarez, der gebürtige Hesse, der einst bei Eintracht Frankfurt spielte und in der Jugend bei Kickers Offenbach, verwandelte zum Ausgleich (43.).

Individuelle Unzulänglichkeiten dieser Art hatten den Darmstädtern schon im alten Jahr immer wieder Sorge bereitet, an diesem Sonntagmittag zeigten sie sich fest entschlossen, sich nicht davon beeindrucken zu lassen. Bald nach Wiederanpfiff fanden die Osnabrücker sich dort wieder, wo sie schon den Gutteil der ersten Halbzeit verbracht hatten, tief in der eigenen Hälfte, verteidigend. Darmstadt drückte, spielte, hatte Chancen. Zwar köpfte van Aken den Ball einmal an die Latte des Lilien-Tores, aber als Blacha nach einem taktischen Foul mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen wurde (64.), schienen die Kräfteverhältnisse endgültig geklärt.

Der eingewechselte Platte scheiterte mit einem Versuch aus kurzer Distanz (69.), Dursun verpasste eine Kempe-Hereingabe nur knapp (71.). Und dann, ansatzlos, rissen die Lilien sich hinten selbst wieder ein, was sie sich vorne noch gar nicht aufgebaut hatten. Marc Heider durfte auf der linke Seite ungestört flanken, Benjamin Girth in der Mitte ungestört treffen. 1:2, 78. Minute, und plötzlich blickten die Darmstädter in den Abgrund der ultimativen Enttäuschung. Ehe Platte aus dem Getümmel für ein wenig Milderung sorgte.

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