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Darmstadt 98: Von oben grüßt die Bescheidenheit

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Von: Daniel Schmitt

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Die Entscheidung: Darmstadts Aaron Seydel trifft zum 2:0.
Die Entscheidung: Darmstadts Aaron Seydel trifft zum 2:0. © dpa

Der SV Darmstadt 98 siegt sich an die Zweitligaspitze – und lächelt Aufstiegsdebatten einfach weg. Doch dem Bundesliga-Aufstieg kommen die Lilien immer näher.

Das letzte Mal, als Darmstädter Profifußballer in einer Tabelle von ganz oben grüßten, ist schon eine Weile her. Saison 2014/15, siebter Spieltag, ein 4:0-Erfolg gegen den FSV Frankfurt – der SV 98 mit dem Heldentrainer Dirk Schuster lag nur wenige Monate nach dem Sensationsaufstieg in Liga zwei an der Spitze des Tableaus. Wohlgemerkt: für einen Spieltag.

Siebeneinhalb Jahre später ist dieses Kunststück den Darmstädtern erneut gelungen, diesmal am 20. Spieltag durch einen 2:0 (1:0)-Erfolg beim Tabellenletzten FC Ingolstadt. Wenn der Eindruck nicht täuscht, könnte es nicht der letzte Spieltag in dieser Runde mit den Lilien als Liga-Anführer bleiben. Denn die Darmstädter sind prächtig in Schuss, sie haben nach ihrer famosen Vorrunde auch in der Rückserie bisher sieben von neun möglichen Zählern geholt, sie haben die vergangenen fünf Auswärtsspiele gewonnen. Und sie heben nicht ab.

Momentaufnahme - es war das Wort zum Samstag im Umfeld des SV Darmstadt 98. Die tabellarische Situation sei zwar „schön“, mehr aber auch nicht, sagte etwa Tim Skarke, der mit einem Knaller aus spitzem Winkel die wunderschöne Führung in Ingolstadt erzielt hatte (15.), ehe der eingewechselte Aaron Seydel den verdienten Dreier mit seinem 2:0 (82.) absicherte. Der Trainer, Torsten Lieberknecht, ist ja seit Wochen und Monaten ein glücklicher Mann des Understatements. Warum sollte er also jetzt nach einem Erfolg beim Schlusslicht daran etwas ändern?

„Jetzt haben wir 39 Punkte und man weiß, wie wertvoll diese in dieser starken Liga sind. Das ist eine super Sache. Darüber sind wir sehr happy und genießen mit aller Bodenständigkeit die Situation.“ Nicht mehr, nicht weniger.

In der anfangs erwähnten Saison 2014/15, an deren Ende der zweite Aufstieg nacheinander ins Fußball-Oberhaus stand, hatten die Lilien nach 20 Runden übrigens lediglich 34 Punkte gesammelt, zum Schluss reichte es dennoch zum umjubelten zweiten Rang. Letztmals eine Saison an der Spitze einer Tabelle beendeten die Darmstädter im Jahr 2011: Regionalliga Süd, Trainer Kosta Runjaic, Gegner wie der KSV Hessen Kassel, Eintracht Frankfurt II oder der FSV Frankfurt II.

Vier Punkte Vorsprung

Nun liegt das Darmstädter Hauptaugenmerk natürlich nicht auf dem Erringen eines Zweitligameistertitels, darüber macht sich niemand ernsthaft einen Kopf im Lilien-Land, sehr wohl dürfte aber mittlerweile der Aufstieg in die Bundesliga ein Thema sein - wenn auch ein öffentlich weiterhin klein gehaltenes. Vier Punkte Vorsprung haben die Darmstädter auf den Tabellendritten Werder Bremen, fünf auf den Vierten Hamburger SV, der nach der nun anstehenden zweiwöchigen Länderspielpause nächster Gegner am Böllenfalltor ist.

Noch immer sind die Lilien zwar nicht der Aufstiegsfavorit, dafür ist die Liga viel zu eng beieinander, dafür kommen die Schwergewichte im Verfolgerfeld (siehe obenstehenden Artikel) derzeit zu stark auf, von Spiel zu Spiel aber rückt der Traum näher. Und das obwohl es an der einen oder anderen Ecke hakt. So ist das Sturmduo Luca Pfeiffer/Phillip Tietz seit vier Partien ohne Treffer, auch in Ingolstadt vergaben die fleißigen Angreifer mehrere Möglichkeiten. Trainer Lieberknecht nimmt’s gelassen hin, wie so vieles, „einfach weglächeln“ werde er das Thema. Ein Teil des Erfolgsrezepts, das Darmstadt 98 nach siebeneinhalb Jahren wieder von ganz oben grüßen lässt.

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