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Darmstadt 98 und die wilde Gelassenheit

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Von: Daniel Schmitt

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Diesmal nur in der Vorbereiterrolle: der Darmstädter Top-Stürmer Luca Pfeiffer (rechts) gegen Ex-Lilie Jerome Gondorf.
Diesmal nur in der Vorbereiterrolle: der Darmstädter Top-Stürmer Luca Pfeiffer (rechts) gegen Ex-Lilie Jerome Gondorf. © dpa

Darmstadt 98 verpasst zwar den Sprung an die Zweitligaspitze, muss sich aber nicht grämen

Natürlich, die Jubelchöre ließen nicht lange auf sich warten. Sie waren nicht auffällig laut, konnten sie auch gar nicht sein bei lediglich 250 zugelassenen Fans im Stadion, aber da waren sie. Am späten Samstag, das Abendspiel im frostigen Darmstadt war gerade 51 Minuten fortgeschritten und schien durch den just erzielten 2:1-Führungstreffer auf die Seite der Hausherren zu kippen, als es den Profis von der Tribüne entgegentönte: „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey.“

Tatsächlich hatten sich die Fußballer des SV 98 in jener Minute an die Spitze der Zweitligatabelle geschossen – zumindest für 20 Minuten. Dann nämlich glichen die Gäste aus Karlsruhe doch noch aus zum 2:2-Endstand in einem guten, weil wilden und ereignisreichen Spiel.

Die Lilien verpassten durch das Remis, das sie leicht mit einer effektiveren Chancenverwertung in einen Sieg hätten verwandeln können, den Sprung vorbei am FC St. Pauli (2:2 gegen Aue). Auch konnten sie manch (erneuten) Aussetzer der hoch gehandelten Großen wie dem Hamburger SV (1:1 gegen Dresden) und von Schalke 04 (1:1 gegen Kiel) nicht vollends nutzen.

Werder auf Werner-Welle

Stattdessen rückt das obere Drittel der zweiten Liga enger zusammen, was zum einen mit den sieglosen Paulianer und Darmstädtern, die weiterhin starker Zweiter sind, zusammenhängt, zum anderen aber auch mit dem Aufkommen eines Ex-Erstligisten. So surft der SV Werder auf einer Werner-Welle nach vorne, vier Siege in vier Spielen unter dem neuen Chefcoach Ole Werner gelangen den Bremern jahresübergreifend. Am Samstag besiegten sie recht mühelos Fortuna Düsseldorf mit 3:0 und liegen als Vierter nur noch vier Zähler hinter Darmstadt, fünf hinter St. Pauli. Zudem siegte sich Heidenheim (2:1 gegen Ingolstadt) fast still und heimlich auf Rang drei nach oben.

In Darmstadt nehmen sie diese tabellarische Verdichtungsentwicklungen einigermaßen gelassen zur Kenntnis, was sollen sie sich auch aufregen, war ja irgendwie zu erwarten, dass Konkurrenten wie Bremen irgendwann aufkommen würden. Ohnehin ist ein möglicher Aufstieg in Südhessen ein kleingehaltenes Thema. Auch ein 2:2 gegen den KSC taugt da gewiss nicht für miese Laune. Eher im Gegenteil. „Wir haben eine Vielzahl an Torchancen liegen gelassen“, benannte der Darmstädter Trainer Torsten Lieberknecht das auffälligste Manko, zog aber prompt auch das Positive heraus: „Wichtig war nach der Winterpause, dass wir uns wieder Chancen erspielen. Es wäre viel schlimmer, wenn man kein Muster gesehen hätte.“

Nach einem unglücklichen Eigentor von Mittelfeldspieler Klaus Gjasula (22.) leitet dieser selbst nach der Pause die Wende mit einem Kopfballtor zum 1:1 (48.) ein. Drei Minuten später traf Kapitän Fabian Holland mit einem satten Fernschuss zur zwischenzeitlichen Führung für die Gastgeber. Es sei ein Zweitligaspiel gewesen, bedeutete der toreschießende Verteidiger, „bei dem es um jeden Zentimeter ging. Sieg und Niederlage lagen nah beieinander.“ Darmstadts Marvin Mehlem hätte den Sieg in der Folge sichern können, er vergab zweimal in guter Position. Später versagten Teamkollege Mathias Honsak noch doppelt die Zitterfüßchen.

Doch die Karlsruher kamen zurück, glichen durch Fabian Schleusener aus (71.), erzielten gar noch ein Tor (74.), das wegen Abseits nicht gegeben wurde, so dass sie im Lilien-Land in Person von Trainer Lieberknecht zum Fazit kamen: „Von den Chancen her hätten wir gewinnen müssen, hätten aber genauso gut auch verlieren können.“ Was wohl so viel heißen sollte wie: War halt alles möglich. „Für uns war es ab und zu mal etwas zu wild“, gestand Lilien-Anführer Holland.

Doch es gibt Grund zur Gelassenheit: Während die Darmstädter aus den bisherigen zwei Spielen der Rückserie vier Zähler gesammelt haben, lohnt der Vergleich mit dem Saisonauftakt. Die damalige für einen Aufstieg noch untaugliche Bilanz: null Punkte. Bei Darmstadt 98 ist Anfang 2022 alles in allerbester Ordnung.

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