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Darmstadt 98: Die Lehren des Johnny H.

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Von: Daniel Schmitt

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Jubelt wieder regelmäßig: Philipp Tietz.
Jubelt wieder regelmäßig: Philipp Tietz. © IMAGO/HJS

Der SV Darmstadt 98 will in die Fußball-Bundesliga, muss dafür am Freitag bei Fortuna Düsseldorf bestehen und schöpft Kraft aus einer rührenden Geschichte aus 2014 und 2015

Freitagabend, 18.30 Uhr, Düsseldorf – die Unterstützung für die Fußballer des SV Darmstadt 98 wird groß sein. Deutlich mehr als 4000 Fans des südhessischen Zweitligisten haben sich bereits mit Karten eingedeckt für das bedeutende Auswärtsspiel, haben sich extra Urlaub genommen, um sich früh am Mittag auf den Weg zu machen in den Westen. Sie wollen den Moment nicht verpassen, wollen dabei sein, wenn ihre Mannschaft eine weiteren, vielleicht sogar den vorentscheidenden Schritt im Aufstiegsrennen gehen kann. Denn sollte der SV 98, derzeit Tabellenzweiter, tatsächlich auch die Hürde Fortuna Düsseldorf, Ligazehnter, mit einem Sieg überspringen, er hätte vor dem noch ausstehenden Saisonfinale im eigenen Stadion gegen den SC Paderborn allerallerbeste Chancen auf den Hüpfer in die Bundesliga. „Es ist die größte Fan-Reise seit dem Bundesligaabstieg“, sagt der Darmstädter Trainer Torsten Lieberknecht, „das gibt uns ein gutes Gefühl.“

Fortuna ein harter Brocken

Mit dabei in Düsseldorf werden nicht nur die 4000 bis 5000 Darmstädter Fans auf den Tribünen sein, sondern auch die Erinnerungen an einen der ihren: Jonathan „Johnny“ Heimes. Bei den Aufstiegen 2014 und 2015 spielte der im März 2016 leider verstorbene Edelfan eine besondere Rolle, war Vorbild für die Mannschaft, für die Bosse, für die Anhängerschaft, für den ganzen Klub. Die Geschichte des sich jahrelang erfolgreich gegen den nahenden Tod wehrenden Krebspatienten inspirierte die Menschen. Vor allem deshalb, weil Heimes inmitten von Schmerz und Leid stets positiv blieb, Zuversicht ausstrahlte, wo selbst manch gesunder Mensch nur schwer welche finden konnte. Weil er sein Leben genoss, so gut es ging. Die Darmstädter Erfolgself von damals trug denn auch die von Heimes kreierten „Du musst kämpfen“-Armbändchen ums Handgelenk - Tag und Nacht, auch bei den Spielen. Noch heute ist die Südtribüne im Stadion am Böllenfalltor nach Jonathan Heimes benannt. Spieler wie Tobias Kempe und Fabian Holland, die damals dabei waren und es heute noch sind, erzählten nun die rührenden Geschichte auch ihren neuen Kollegen.

Der Spirit von einst soll auch jetzt wieder ein Teil des Darmstädter Fußballmärchens sein, er ist es im Grunde schon längst. Fast alle Lilien-Profis streiften zuletzt gegen St. Pauli und Aue die blau-weißen Armbänder ums Handgelenk, verdeckten sie nur mit weißen Tap-Verbänden.

„Johnny ist ein Vorbild“, sagt beispielhaft der Angreifer Phillip Tietz, der erst seit dieser Saison in Darmstadt spielt. „Ich habe das Armband einmal angezogen und seitdem nie wieder aus.“ Er, so Tietz, ziehe aus dem Kampfgeist Heimes’ auch persönlich Kraft. „Er war ein großes Beispiel, dass man viel erreichen kann, wenn man kämpft. Wir wollen auch für ihn alles geben und versprechen als Mannschaft, dass wir kämpfen werden.“

Die Ausgangslage im Aufstiegrennen 2022 ist für den SV Darmstadt eine gute. Zwar verlor die Fortuna seit der Februar-Verpflichtung von Trainer Daniel Thioune kein Spiel mehr (fünf Siege, sechs Remis), auch garantierte der Düsseldorfer Sportvorstand Klaus Allofs seinem Herzensverein Werder Bremen, Tabellendritter, dass die Gastgeber alles geben werden. Die Lilien ihrerseits aber wirken nach einem kleinen Zwischentief mittlerweile wieder in Bestform. Die Siege auf Sankt Pauli (2:1) und gegen Aue (6:0) kommen nicht von ungefähr, gerade offensiv greifen die Rädchen ineinander, die Stürmer Luca Pfeiffer und Phillip Tietz nähern sich ihrer Optimalverfassung. „Düsseldorf wird aber das berühmte Brett, das es zu bohren gibt“, warnt Trainer Lieberknecht dennoch vor der Fortuna.

Alles auf Aufstieg

Der Aufstieg ist für das Überraschungsteam der Liga mittlerweile das erklärte Ziel, ein Nichterreichen dessen wäre nach dieser hervorragenden Runde zumindest kurzfristig eine kleine Enttäuschung. Trainer wie Spieler aber schieben den ganz automatisch aufkommenden Druck verbal einfach beiseite: „Es herrscht große Normalität bei uns, wir verspüren nur den normalen Spieltagsdruck“, sagt Lieberknecht, während 15-Tore-Mann Tietz ergänzt: „Wir können daraus etwas Positives ziehen.“ Kraft, Stärke, Kampfgeist. Dinge, die Jonathan „Johnny“ Heimes einst vorgelebt hat.

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