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Leon Goretzka (l.) und Marco Reus (r.). Ihr Bekenntnis ist umso bemerkenwerter, weil Fußballprofis sich normalerweise bei politisch-gesellschaftlich komplexeren Themen tunlichst zurückzuhalten.

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Dank an Leon Goretzka und Marco Reus

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Es kommt selten vor, dass sich Fußball-Nationalspieler politisch-gesellschaftlich äußern. Weil sie wissen, dass sie sich dabei Stress einhandeln. Zwei Stars tun es dennoch. Ein Kommentar.

Es haben sich zuletzt meist diejenigen Fußballprofis weithin hörbar zu Wort gemeldet, die von Ausgrenzung und Rassismus schon unmittelbar als Opfer betroffen waren: Torunarigha von Hertha BSC, Rüdiger vom FC Chelsea, da Costa von Eintracht Frankfurt, Kwadwo von den Würzburger Kickers. Auch Klub- und Verbandsfunktionäre haben sich glaubhaft mehr als pflichtschuldig geäußert. Das ist gut.

Noch viel bedeutsamer ist jedoch, dass sich nun auch hellhäutige deutsche Nationalspieler mit aller Entschiedenheit dem Thema widmen, berühmte Stars sogar, die mit ihrer Haltung als Vorbilder umso mehr taugen. Marco Reus zum Beispiel, der unlängst erklärte: „Kein Tor, kein Sieg, kein Titel im Fußball bedeutet mir so viel wie eine offene und friedliche Gesellschaft.“ Er wünsche sich „eine tolerante Welt, in der kein Platz für Rassismus und Hass ist“. Oder jetzt Leon Goretzka, der in einem großen „Spiegel“-Interview konkret dazu aufforderte, dass sich „jeder an die eigene Nase packt und den Mut hat, den Mund aufzumachen“, sobald andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe diskriminiert werden.

Das Bekenntnis von Reus und Goretzka ist umso bemerkenswerter, weil Fußballprofis in der Regel von ihren Arbeitgebern und Managern dahingehend beraten werden, sich bei politisch-gesellschaftlich komplexeren Themen tunlichst zurückzuhalten. Denn wer das tut, muss wissen, dass er sich damit Stress einbrockt. Goretzka erklärte dem „Spiegel“, „dass man mit einer klaren Position gerade in den Sozialen Netzwerken Gefahr läuft, extremen Gegenwind zu bekommen“.

Dieser Gegenwind kann dazu führen, dass ein Spieler nicht mehr in der Lage ist, in seiner Kernkompetenz, dem Fußballspielen, die beste Leistung abzurufen. Deshalb die Zurückhaltung, aber gewiss auch darum, weil das Thema die überwiegende Mehrheit der 1500 Profis in den Ligen eins bis drei nicht großartig tangiert.

Hinzu kommt, dass engagierte Spieler wie der Würzburger Kapitän Sebastian Schuppan meist nur regional gehört werden. Der in Brandenburg aufgewachsene 33-Jährige äußerte sich schon lange vor dem Vorfall gegen seinen Würzburger Mitspieler gegen Fremdenfeindlichkeit und übrigens – wie nun auch Leon Goretzka – dafür, die Gräueltaten der Nazis in bleibender Erinnerung zu behalten. Gerade erst teilte Schuppan Tweets des Auschwitz-Museums: Sie zeigen Bilder des Jungen Max Leopold Hahn und des Mädchens Juliska Revesz. Max starb im Alter von sechs Jahren, Juliska mit fünf Monaten in den Gaskammern des Vernichtungslagers. Unschuldige Opfer von Ausgrenzung, Rassismus und abgrundtiefem Hass.

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