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Ein Häuflein Aufrechter: Max Kruse (links) und Maxi Arnold (vorn) beim Training mit der Olympiaauswahl.
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Ein Häuflein Aufrechter: Max Kruse (links) und Maxi Arnold (vorn) beim Training mit der Olympiaauswahl.

Fußball in Tokio

Olympia 2021: DFB-Team reist in Minimalbesetzung an - Kuntz übt Kritik: „Kein gutes Zeichen“

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der deutsche Fußball scheitert daran, 22 Kaderplätze fürs Olympische Turnier zu besetzen. Trainer Stefan Kuntz findet das „kein optimales Zeichen“

Frankfurt am Main - Die berühmte Faust in der Hosentasche ballte Stefan Kuntz nicht. Stattdessen hatte der Trainer des DFB-Teams zumeist die Arme verschränkt und beobachtete im Regenwetter auf der Kleinen Kampfbahn an der Wintersporthalle im Schatten der Frankfurter Arena die erste Trainingseinheit jener Profis, die bald als „Team D Fußball“ die deutschen Farben bei Olympia 2021 vertreten. In der Übungsstunde vor dem Abflug nach Tokio steckte einiges an Intensität, auch etliches an Spaß, aber trotzdem hätte der 58-Jährige an der Seitenline gerne mehr gesehen – mehr Spieler vor allem.

Es spielen vielschichtige Gründe hinein, dass der deutsche Fußball nur 18 von 22 möglichen Akteuren für dieses bedeutende Event nominiert. „Einige Spieler wollten nicht, und dann haben wir einige Vereine, die mit der Unterstützung hinter dem Berg gehalten haben. Ich finde, das ist kein optimales Zeichen. Es gibt sonst wohl keine Sportart, in der nicht alle möglichen Kaderplätze besetzt werden“, sagte Kuntz mit einem süffisanten Lächeln, wo eine sauertöpfische Miene besser gepasst hätte. Für den Erfolgscoach der U21-Europameister bedeutet das: Wenn sich nur ein einziger Feldspieler eine Zerrung holt, das Band anreißt oder an Corona erkrankt, kann die deutsche Mannschaft ihre fünf Wechseloptionen nicht mehr ausschöpfen – es sei denn, die Ersatztorhüter Luca Plogmann (Werder Bremen) oder Svend Brodersen (Yokohama FC) versuchten sich als Feldspieler.

Olympia 2021: Stefan Kuntz will keine Spieler nachnominieren

Nachnominierungen kann es nicht mehr geben, stellte Kuntz klar: „Wir mussten im Januar eine 100er Liste erstellen. Wir haben alle Spieler auf dieser Liste abtelefoniert. Diese 18 sind übrig geblieben.“

Eine Fifa-Abstellungspflicht besteht nicht, weshalb der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gegenüber Vereinen und Spielern wie ein Bittsteller auftrat und sich teilweise eine blutige Nase holte. Meister FC Bayern gab beispielsweise nicht mal seinen Ersatzkeeper Ron-Thorben Hoffmann frei. Die letzte Absage kam am Montag von Ismail Jacobs, der kurzfristig für acht Millionen Euro vom 1. FC Köln zum AS Monaco wechselte. Auch Niklas Dorsch, Leistungsträger der U21-Europameister, will sich nach seinem Wechsel zum FC Augsburg lieber beim neuen Arbeitgeber empfehlen, statt das zweite Sommerturnier zu spielen.

Olympia 2021: Auftakt gegen Brasilien

Doch was im Einzelfall verständlich sein kann, ist fürs große Ganze fatal: Nur ein Rumpfaufgebot bestieg den Abendflieger gen Osten, der am Mittwoch zur Mittagszeit in Tokio erwartet wird. Dann geht es weiter nach Osaka, um dann sich im Trainingslager in Wakayama den Feinschliff für die herausfordernden Gruppenspiele gegen Brasilien (22. Juli/13.30 Uhr/ARD), Saudi-Arabien (25. Juli/13.30 Uhr/ZDF) und die Elfenbeinküste (28. Juli/10 Uhr ZDF) zu holen. Kuntz wollte zwar über nicht mehr als das Erreichen des Viertelfinals reden, aber vielleicht hat er wieder die richtigen Typen dabei.

Max Kruse hätte den Motivationsvortrag der Handball-Heroen Stefan Kretzschmar und Christian Schwarzer am Montagabend in einem Frankfurter Flughafenhotel wohl gar nicht gebraucht, denn der 33-Jährige gab nach dem Training selbst den Motivator für die Japan-Mission, die der Führungsspieler von Union Berlin nach der vermasselten Europameisterschaft der A-Nationalmannschaft mit einem übergeordneten Auftrag versah: „Wir wollen wieder Spaß am Fußball nach Deutschland transportieren. Solange wir elf Leute auf den Platz bekommen, werden wir alles versuchen, die Goldmedaille zu holen.“

Olympia 2021: DFB ist nicht glücklich

2016 scheiterte die von Horst Hrubesch trainierte Olympia-Auswahl nach einer Reihe begeisternder Auftritte erst in Rio de Janeiro gegen Gastgeber Brasilien unglücklich im Finale im Elfmeterschießen. Im Nachhinein war niemand zu finden, der damals die Eindrücke und Erfahrungen missen mochte. Deshalb glaubt auch Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg), mit Kruse und Nadiem Amiri (Bayer Leverkusen) einer von drei älteren Akteuren, dass sich „alle noch in den Hintern beißen, die nicht dabei sind“.

Auch der Sportliche Sportlichen Leiter Joti Chatzialexiou findet die Geringschätzung unangebracht, weil vor fünf Jahren viele Spieler nicht nur in der Persönlichkeitsentwicklung, sondern auch die Vereine von gestiegenen Marktwerten profitiert hätte. Überdies würde der deutsche Fußball, bedauerte die rechte Hand von DFB-Direktor Oliver Bierhoff, leider den olympischen Geist „ein bisschen mit den Füßen treten“. (Frank Hellmann)

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