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CVC treibt Deal mit der DFL weiter voran

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Protestplakate gegen den Investoreneinstieg beim SV Wehen Wiesbaden.
Protestplakate gegen den Investoreneinstieg beim SV Wehen Wiesbaden. © IMAGO/Zink

Nach Ausstieg von Blackstone ist nur noch ein potenzieller Bundesliga-Investor übrig. Der war von Anfang an Favorit.

Nach dem Ausstieg des Private Equity Unternehmens Blackstone aus dem Bieterwettbewerb um einen Investoreneinstieg bei der Deutschen Fußball-Liga bleibt nur noch einer von ursprünglich sechs Interessenten auf dem Platz: CVC Capital Partners. Die hochkomplexen Verhandlungen werden vom Frankfurter CVC-Büro in der Bockenheimer Landstraße unweit der Geschäftsstelle der Deutschen Fußball-Liga (DFL) im Frankfurter Westend gesteuert, was aufgrund der Nähe vieles erleichtert. „Der weitere Prozess wird im vorgesehenen Zeitplan mit CVC fortgeführt“, teilte die DFL mit und bestätigte gleichzeitig den Ausstieg von Blackstone aus den Verhandlungen.

Der Austausch zwischen CVC und DFL ist dem Vernehmen nach eng und vertrauensvoll. CVC will den Deal ungeachtet der Fanproteste festzurren, die beiden DFL-Geschäftsführer Steffen Merkel und Marc Lenz wollen das auch. Unterstützt werden Merkel und Lenz - gegen zunehmenden Widerstand der Kurven und inzwischen auch aus einigen Vereinen - von den beiden einflussreichsten Bossen von Bundesligaklubs: dem Dortmunder Hans-Joachim Watzke, der zuletzt zunehmend genervt von der Wankelmütigkeit einiger Ligakollegen ist, und der Frankfurter Axel Hellmann, den Watzke für dessen Standhaftigkeit ausdrücklich lobt.

Zuletzt erteilte der Vorstandssprecher der Eintracht Vorschlägen einer Neuabstimmung in der Investorenfrage eine Abfuhr. Klubs wie der VfB Stuttgart, der Karlsruher SC, der 1. FC Köln, der VfL Osnabrück, der SC Freiburg oder Union Berlin sehen das anders, nachdem der Geschäftsführer der vereinseigenen Hannover 96 Management GmbH, Martin Kind, seine Stimme im Dezember mutmaßlich entgegen der Anweisung des Vereins Hannover 96 e.V. für einen Investoreneinstieg abgegeben hatte. Nur so konnte unter offensichtlicher Missachtung der 50+1-Regel die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit mit den mindestens notwendigen 24 von 36 Stimmen erreicht werden.

Hoheit über den Spielplan

Die DFL ist spürbar darum bemüht, die aktuelle Entwicklung mit dem Rückzug von Blackstone nicht an den Fanprotesten festzumachen, die in den vergangenen Wochen für zunehmend lange Unterbrechungen von bis zu mehr als einer halben Stunde in beiden Bundesligen geführt hatten. Der DFL sei stets bewusst gewesen, „dass durch die im Dezember verabschiedeten Eckpunkte und roten Linien hohe Anforderungen an mögliche Partner gestellt werden“. Das suggeriert, dass Blackstone weniger wegen des Drucks der Kurven aus dem Bieterwettbewerb ausgestiegen sein könnte, sondern vielmehr deshalb, weil die DFL unter anderem auf die Hoheit der Spielplangestaltung pocht.

NICHT NUR DIE KURVEN SIND GEGEN DEN INVESTOREN-DEAL

Eine repräsentative Studie der Umfrageplattform FanQ hat interessante Ergebnisse gebracht. Die Proteste der aktiven Fußballfans gegen die DFL-Pläne kommen laut dieser Erhebung gut an: 76,8 Prozent der Befragten befürworten die Proteste. Befragt wurden unter Mithilfe der Fachhochschule Dortmund, der Uni Würzburg und der SHR Hochschule Heidelberg online mehr als 2000 Personen, sowohl regelmäßige Stadionbesucher:innen als auch TV-Fans.

Ganz grundsätzlich sehen laut der Studie meisten Befragten einen Investoreneinstieg kritisch. Konkret lehnen rund 72 Prozent der Stadionbesucher:innen einen Strategischen Partner für die DFL komplett ab. Bei den TV-Zuschauer:innen sieht es anders aus: Knapp mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) ist kategorisch dagegen.

Einen gewissen Fatalismus konnten die Forscher decodieren: 75 Prozent der Befragten glauben, dass die Fanproteste keine Auswirkungen auf die Entscheidungen der DFL haben.

CVC Capital Partners akzeptiert offenbar aktuell die Bedingungen. Ohnehin galt das Unternehmen von vorne herein als Topfavorit auf eine strategische Partnerschaft mit der DFL. Denn die Finanzfirma, die weltweit - vornehmlich in den USA und Europa, aber auch unter anderem in Saudi-Arabien - Kapital von Investoren einsammelt und versucht, die vielen Milliarden möglichst renditeorientiert einzusetzen, kennt sich bestens aus im Sport. Das Unternehmen, das in Deutschland unter anderem an der Drogerie Douglas beteiligt ist, hat 2021 Anteile an der spanischen La Liga erworben, 2022 folgte die französische Ligue 1. Auch im Motorsport, im Rugby und Volleyball engagiert sich CVC. Es ist also einiges Knowhow vorhanden, inklusive des Aufbaus einer eigenen Digitalplattform, die der deutschen Bundesliga den Durchbruch in der seit Jahren darbenden internationalen Vermarktung bringen soll.

Da das Frankfurter Management von CVC mit der Fankultur im hiesigen Profifußball vertraut ist, zeigt es sich nach FR-Informationen von den Fanprotesten nicht sonderlich irritiert oder gar abgeschreckt. Öffentlich äußern möchte sich CVC nicht, was auch mit Absprachen mit der DFL zu tun hat. Die hatte zuletzt formuliert: „Fans entsteht durch diesen Prozess kein Nachteil. Es gibt keinen „Ausverkauf“, keinen Kontrollverlust und keinen Abschied von 50+1 – und daher auch keinen Anlass für Horrorszenarien.“

Ein Gesprächsangebot der DFL lehnten Fanorganisationen ab, was DFL-Aufsichtsrat Watzke bedauerte, „denn Dialogbereitschaft ist immer die Basis für ein demokratisches Miteinander“. Dario Minden von Eintracht Frankfurt, Fanvertreter in der Kommission des Deutschen Fußball-Bunds für Fans und Fankulturen, argumentierte: „Die wohlfeile Aussage der DFL ‚Mitsprache durch Fans und Mitglieder in den Vereinen gehören wesentlich zum deutschen Fußball‘“ habe „in Sachen Investor keine Grundlage“. Forderungen von einzelnen Klubs nach abermaligen Abstimmung begrüßten die Fanorganisationen „Unsere Kurve“, „QFF – Queer Football Fans“, „F_in – Netzwerk Frauen im Fußball“, „FC Playfair“ und „BAFF – Bündnis aktiver Fußballfans“ ausdrücklich.

Als sicher gilt gleichwohl, dass von Seiten der Beteiligungsgesellschaft keine noch so kleinen Zweifel bestehen, das Projekt dynamisch voranzutreiben. CVC will knapp eine Milliarde Euro für acht Prozent der Medienerlöse der DFL (derzeitiger Wert: rund 1,3 Milliarden Euro pro Jahr) ausgeben, um diese 20 Jahre halten zu dürfen. Grob gerechnet fließen an CVC über den Zeitraum hinweg dann mindestens rund zwei Milliarden Euro zurück, bei erfolgreicher Geschäftsentwicklung sogar deutlich mehr. DFL und CVC glauben, dass beide Partner von dem Engagement profitieren werden, vor allem, indem durch das Aufsetzen einer eigenen digitalen Bundesligaplattform das Auslandgeschäft angeschoben wird. Derzeit kassiert die DFL daraus nur 200 Millionen Euro im Jahr.

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