Des Kovacs neue Kleider: Der neue Bayern-Trainer (links) und sein Kumpel Hasan Salihamidzic, der gleichzeitig Sportdirektor ist.
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Des Kovacs neue Kleider: Der neue Bayern-Trainer (links) und sein Kumpel Hasan Salihamidzic, der gleichzeitig Sportdirektor ist.

Niko Kovac

Der Cowboy und die eine Kerbe im Colt

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Ex-Eintracht-Trainer Niko Kovac stellt sich in München vor.

Besonders aufgeregt oder gar hippelig wirkte er nicht, der Fußballtrainer Niko Kovac, das ausgebuffte Schlitzohr. Aber in Schale hatte er sich geworfen, der neue Coach des FC Bayern, schwarzer Anzug, weißes Hemd, akkurat gescheitelte Haare, und ein strahlendes Lächeln obendrein. Dann und wann zwinkerte der 46-Jährige den Medienvertretern verschwörerisch zu, fast so, als wolle er sagen: „Junge, wir werden das Kind schon schaukeln, vertrau mir.“ In Wahrheit sagte er auf der halbstündigen Pressekonferenz in München, und es klang sehr wohl angriffslustig: „Wir sind hier, um Titel zu holen.“ Ob die eh schon eingepreiste Meisterschaft dazu zählt?

Mit der Eintracht hatte er vor genau 45 Tagen einen echten Pokal gewonnen, den des Deutschen Fußball-Bundes, es war der erste große Titel für die Frankfurter nach genau 30 Jahren – und der erste für Niko Kovac überhaupt. „Ich habe jetzt die erste Kerbe im Colt“, sagte er. „Ich hoffe, dass noch einige Kerben hinzukommen.“ In München stehen die Chancen besser als bei jedem anderen Klub im künftigen Ex-Weltmeisterland.

An den Supercup hat er dabei wohl eher nicht gedacht, um den geht es jedoch am 12. August in Frankfurt, wenn die Eintracht erneut auf die Bayern und erstmals auf den alten Trainer treffen wird. Eine besondere Volte fürwahr. Für den Kroaten ein spezielles Aufeinandertreffen. „Ich hatte in Frankfurt tolle Jahre, wir haben viel erreicht und sind in regem Austausch.“ Den Cup, was Wunder, will er dieses Mal aber für seinen neuen Verein gewinnen. „So ehrgeizig bin ich.“ Und vielleicht noch ein bisschen mehr.

Ansonsten gab sich der Kroate betont bescheiden und auch so, wie er sich in Frankfurt stets präsentiert hatte: smart, jovial, aber auch häufig im Ungefähren bleibend. Er freue sich natürlich auf die Aufgabe bei seinem Traumverein. „Ich will das Vertrauen zurückzahlen“. Kovac, der in München weit mehr als fünf Millionen Euro per annum einstreichen wird, sah nicht so aus, als störe er sich daran, nur dritte oder vierte Wahl gewesen zu sein. Er traut sich die Aufgabe bei den Bayern zu, so selbstbewusst ist er, sonst hätte er sich in Frankfurt ja auch keine Ausstiegsklausel in den Vertrag verankern lassen, die für die Bayern und andere Murmelvereine wie Real Madrid und den FC Barcelona galt.

Was von ihm und seinem Bruder Robert, gleichzeitig sein Assistent (genauso wie Urgestein Peter Herrmann, der ab 1. September das Trainergespann komplettiert), erwartet werde, das sei ihm klar, siehe: Titel. Aber ihm gehe es erst einmal darum, „jeden einzelnen Spieler besser zu machen. Wenn wir das schaffen, sehe ich die Möglichkeit, den einen oder anderen Pokal zu holen“. Er wird dabei mit allem, was in ihm steckt, vorneweg marschieren. Das kennt man aus Frankfurt, wo er als Erster am Stadion ankam und als Letzter abfuhr. „Ich lebe vieles vor, ich erwarte aber, dass die anderen es mitleben.“

Es wird interessant zu sehen sein, ob Kovac sich selbst an die Bayern anpasst. In Frankfurt war es so, dass er die Spieler mit seinen Maximalforderungen an die Grenzen des Belastbaren brachte, körperlich und mental. Mal schauen, ob auch die Bayern-Stars zur Bestimmung des CK-Werts permanent Blut abgeben, miteinander frühstücken und nach dem Training noch eine knappe halbe Stunde ausradeln müssen. Ein paar klare Ansagen machte der Fußballlehrer doch noch. Mit Robert Lewandowski, „dem Weltklassestürmer“, etwa habe er telefoniert und dem Polen „meinen Standpunkt mitgeteilt. Wir gehen nicht davon ab, dass er in München bleibt“. Er habe ihm fernmündlich sehr viel „Wertschätzung“ zukommen lassen.

Für die frustrierten deutschen WM-Fahrer hielt er noch ein Bonbon bereit, satte vier Wochen Sonderurlaub nämlich. Die strapaziöse US-Reise müssen sie nicht mitmachen, und an Motivationsprobleme glaubt Kovac nicht: „Sie werden die Enttäuschung im Urlaub vergessen.“ Oder danach halt abtrainieren.

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