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Niko Kovac hat als Trainer des FC Bayern einen besonderen Bezug zu Berlin.

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Der Coup mit dem Cup

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Niko Kovac kann mit dem Pokalsieg eine turbulente Saison krönen.

Eine Anstellung als Bundesliga-Trainer bringt neben bekannten Nachteilen – ständig sich für sein Tun rechtfertigen zu müssen – auch einige Vorteile mit sich. Niko Kovac etwa reist nun schon das dritte Mal in Folge an einem der gefragtesten Mai-Wochenenden nach Berlin, und mal wieder muss sich der Fußballlehrer um nichts kümmern. Während viele Fans noch nach einem halbwegs bezahlbaren Quartier über den 25. Mai fahnden, bekommt Kovac beim erneuten Heimatbesuch in der Hauptstadt alles bezahlt. Nachdem der gebürtige Berliner davor zweimal mit der Entourage von Eintracht Frankfurt das DFB-Pokalfinale erlebte, reist er nun mit dem Tross des FC Bayern an.

Berlin ist und bleibt für ihn ein Herzensort. Seine kroatischen Eltern Mato und Ivka kamen ein Jahr vor seiner Geburt nach Deutschland. Der raue Stadtteil Wedding hat ihn geprägt. Neben der elterlichen Wohnung in der Turiner Straße war der Bolzplatz in der nahe gelegenen Ruheplatzstraße sein zweites Zuhause. Das Kovac-Kosmos ist heute um viele Facetten reicher, aber in diesem kleinen Kiez fing alles an.

Bei den letzten Endspielen mit der Eintracht hat er zwangsläufig an dem einen Finalwochenende ganz viele Freunde und Verwandte getroffen, und das hat ihn vielleicht fast genauso berührt wie die Huldigungen nach dem Finalcoup gegen seinen heutigen Arbeitgeber. Der Pokalsieg aus dem Vorjahr bleibt auch für den immer so abgeklärt wirkenden Kovac ein Gänsehautmoment, sonst wäre er nicht zur Vorstellung des Kinofilms „Die Rückkehr des Pokals“ der Einladung der Eintracht gefolgt: Am 19. Mai 2018 war speziell für seine Person die Stimmung umgeschlagen und aus dem Abtrünnigen ein Gefeierter geworden, der erhobenen Hauptes weiterziehen konnte.

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Insofern schließt sich für den 47-Jährigen der nächste Kreis, sollte er am 25. Mai im Olympiastadion tatsächlich ein außerordentlich turbulentes Münchner Jahr erfolgreich beschließen. „Ein bisschen verdient“, fand er das aufregende Weiterkommen beim SV Werder (3:2), ansonsten vertiefte Kovac die Analyse nicht. Warum eigentlich nicht? Schließlich ist kein Unbeteiligter beim Siegeszug in Liga und Pokal. Er hat beispielsweise heimlich, still und leise wieder die ideale Rolle für Thomas Müller gefunden, der irgendwo im freien Raum hinter dem Mittelstürmer Robert Lewandowski und den Flügelflitzern Serge Gnabry (schwach) und Kingsley Coman (stark) in Bremen der beste Bayern-Spieler war.

Kovac weiß, dass er – im Gegensatz zu Joachim Löw – einen formstarken Müller immer brauchen kann. National sind die Bayern wieder so gut in der Spur, dass sich Uli Hoeneß zu einer Klarstellung veranlasst sah. „Ich finde, dass wir seit Weihnachten fantastisch Fußball spielen. Bis auf das Spiel gegen Liverpool in München bin ich mit der Mannschaft total zufrieden. Wir spielen mit die beste Rückrunde in der Geschichte des FC Bayern und wollen ja wohl nicht anfangen, uns zu beklagen“, sagte der Präsident. Hoeneß scheint viel eher als der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge bereit, sich für Kovac umfänglich einzusetzen: „Wenn ein Trainer im ersten Jahr ins Pokalendspiel kommt und vier Spieltage vor Schluss Tabellenführer der Bundesliga ist, hat er eine gute Arbeit gemacht.“ Sollte das Double herausspringen, würde er eine „Eins minus“ ins Trainerzeugnis schreiben. Das reicht beim ewig anspruchsvollen Branchenprimus zwar nicht für ein Beamtenverhältnis, aber allemal für eine Weiterbeschäftigung.

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