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Costa Rice besiegt Japan: Mit himmlischem Beistand

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Von: Frank Hellmann

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Im hohen Bogen über den Keeper hinweg: Der japanische Keeper Shuichi Gonda kommt beim Tor des Tages nicht an den Ball.
Im hohen Bogen über den Keeper hinweg: Der japanische Keeper Shuichi Gonda kommt beim Tor des Tages nicht an den Ball. © AFP

Gruppe E Die Auferstehung des Außenseiters Costa Rica gegen den Deutschland-Bezwinger Japan kommt unerwartet und unverhofft – verändert aber vieles in der Gruppe.

Keysher Fuller sackte auf die Knie und schickte ein Stoßgebet gen Himmel, als die Ersatzspieler auf den Rasen rannten und sein Trainer an der Seitenlinie die Fäuste ballte. Die Veitstänze im Ahmad Bin Ali Stadium wollten gar nicht enden, hatte doch Costa Rica gerade für eine Sensation gesorgt – und die Arithmetik in der deutschen Gruppe ebenso unerwartet wie unverhofft verändert. Doch einen 1:0-Sieg träumen die „Ticos“ wieder von Überraschungen wie bei der WM 2014. Natürlich hat auch Siegtorschütze Fuller, der damals nur vor dem Fernseher saß, die Bilder bis zum Viertelfinaleinzug in Brasilien (und dem dramatischen Aus im Elfmeterschießen gegen die Niederlande) noch vor Augen.

Aber so weit reicht der Blick noch nicht. Der in der Heimat kickende 28-Jährige sprach lieber darüber, was dieser Erfolg vor dem Hintergrund der 0:7-Abreibung gegen Spanien bedeutete: „Wir hatten einige Schmerzen nach dem ersten Spiel, aber jetzt vertrauen wir Gott und uns wieder.“

„Keiner darf uns vergessen“

Himmlischen Beistand wird es für das dritte Gruppenspiel gegen Deutschland am Donnerstag (20 Uhr/ARD) brauchen. Auch nach ihrem Sieg in der katarischen Stadt Al Rayyan, die längst fließend mit der Hauptstadt Doha verschmolzen ist, sind die limitierten Zentralamerikaner definitiv kein Gegner, den der vierfache Weltmeister fürchten muss. Doch die Auferstehung eines Außenseiters erfüllte Nationaltrainer Luis Fernando Suarez mit Genugtuung. „Keiner darf uns vergessen, wir sind immer noch am Leben“, verkündete der 62-Jährige, um die Blickrichtung auf die letzte Herausforderung zu richten: „Ich bin sehr stolz auf diese Leistung. Hoffentlich zeigt meine Mannschaft wieder, wozu sie in der Lage ist. Wir brauchen diese positiven Gefühle für ein gutes Resultat gegen Deutschland.“

Unweigerlich kommen in San José und Umgebung Erinnerungen an das Eröffnungsspiel bei der WM 2006 gegen den Gastgeber (2:4) hoch, als das ganze Land mitfieberte. Beim deutschen Sommermärchen trainierte der Kolumbianer Suarez übrigens den Neuling Ecuador, der gegen Deutschland im dritten Gruppenspiel (0:3) unterlag. Seitdem hat sich in der Fußballwelt viel getan. Costa Rica sieht diese WM als „Lehrstunde und Abenteuer“ an, wie das Idol Paulo Wanchope sagte, der am 9. Juni 2006 gegen die DFB-Auswahl doppelt traf.

Seine Nachfolger holten jetzt aus wenigen Möglichkeiten – und nur vier Torschüssen – tatsächlich das Optimum heraus. Nach einem verunglückten Klärungsversuch von Hidemasa Morita setzte Linksverteidiger Fuller aus 18 Metern einen nicht mal sonderlich harten Schuss an, der im hohen Bogen über Torhüter Shuichi Gonda flog (81.). Der Fehlgriff war nur die Krönung vieler Unzulänglichkeiten der Japaner, die ihre vortreffliche Ausgangsposition leichtfertig verspielten. Ihre am Ende konsternierten Fans, von denen einige bereits einen Goldpokal im Block der „Ultra Nippon“ herumreichten, müssen nach dem letzten Gruppenspiel gegen Spanien die vorzeitige Abreise von der Wüsten-WM befürchten.

Ermüdender Sommerkick

Über weite Strecken spielte sich bei Temperaturen von mehr als 30 Grad für die 41 479 Zuschauenden ein ermüdender Sommerkick ab. Den „Samurai Blue“ misslang vieles im Spielaufbau – und auch im Abschluss. Fünf Wechsel in der Startformation erwiesen sich als Rohrkrepierer fürs Zusammenspiel. Klar, in der zweiten Halbzeit verbuchten die Asiaten zwar deutliche Überlegenheit, aber in letzter Instanz fehlten Durchschlagskraft und Ideen. Daichi Kamada scheiterte mit der besten Gelegenheit an Keeper-Oldie Keylor Navas (88.). Der an den Unstimmigkeiten nicht unschuldige Nationaltrainer Hajime Moriyasu verpackte seine Enttäuschung in die üblichen Höflichkeitsfloskeln. „Unser Plan war es von Anfang an, nach drei Spielen die nächste Runde zu erreichen. Daher hat sich nichts geändert.“ Die Umsetzung aber ist definitiv schwieriger geworden.

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