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Costa Rica gegen Neuseeland: Vom Ende der Welt

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Von: Thomas Kilchenstein

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Winston Reid.
Winston Reid. © IMAGO/NurPhoto

Costa Rica oder Neuseeland - einer dieser beiden Außenseiter fehlt noch als Gegner der deutschen Gruppe E. Und dieser Underdog könnte zum Zünglein an der Waage werden.

Winston Reid zum Beispiel, er ist der Kapitän der neuseeländischen Nationalmannschaft, die an diesem Dienstagabend in Doha um das allerletzte Ticket für die WM in Katar ringt. Winston Reid könnte dann, bei einem Erfolg über Costa Rica, am 1. Dezember womöglich Timo Werner aus dem Spiel nehmen. Oder einen anderen der vielen guten deutschen Mittelstürmer. Winston Reid ist Innenverteidiger, 33, Sohn einer Maori-Familie aus Auckland, aber im Alter von zehn Jahren nach Dänemark ausgewandert, dort ist er fußballerisch sozialisiert worden. Leider sucht er seit September des vergangenen Jahres einen neuen Verein, seitdem der Premier-League-Aufsteiger FC Brentford keine Verwendung mehr für ihn hatte. Zum Glück brauchten Neuseelands Kicker, Nummer 101 der Weltrangliste, den Kanten zuletzt, er half mit, ozeanische Schwergewichte wie Papua-Neuguinea, Fidschi, Neukaledonien, Tahiti und zum Schluss Salomonen zu schlagen, und jetzt geht’s zum Showdown gegen Costa Rica. Der Druck ist groß am anderen Ende des Planeten, dort, sagt Trainer Danny Hay, „erwarten die Leute mehr von uns als im Rest der Welt.“

Keylor Navas zum Beispiel, er ist der bekannteste Spieler Costa Ricas, hochdotierter Torwart, lange bei Real Madrid, aktuell Paris St. Germain, im Wechselspiel mit dem um zwei Köpfe größeren Gianluigi Donnarumma, 100 Länderspiele hat er auf dem Buckel, oft ging er als Kapitän vorweg. Auch er könnte, je nachdem, wie es am Dienstagabend im tagsüber schon 40 Grad heißen Doha ausgeht, Timo Werner oder einem anderen der vielen guten deutschen Mittelstürmer die Suppe versalzen an jenem 1. Dezember.

Navas und Co. freilich haben bei diesem Relegationsspiel klar die Favoritenrolle inne. Im einzigen Vergleich bislang gewannen sie glatt 4;0, die Mittelamerikaner, Listenplatz 31. haben die besseren Spieler in ihren Reihen, selbst wenn die gerne „Kiwis“ genannten Neuseeländer von ihren letzten neun Spielen lediglich eines verloren haben. Aber es ist nur ein Spiel, ein Endspiel, Hop oder Top, und da kann vieles passieren, gerne auch das Unerwartete.

Costa Rica oder Neuseeland - einer dieser beiden Außenseiter fehlt noch als Gegner der deutschen Gruppe E, neben Spanien und Japan. Und dieser Underdog könnte zum Zünglein an der Waage werden, es ist das dritte und mutmaßlich entscheidende Spiel um einen der beiden Plätze, die für das WM-Achtelfinale berechtigen. Flicks Team dürfte mutmaßlich bis dahin den Sprung in die K.o.-Phase noch nicht ganz geschafft haben.

Costa Rica oder Neuseeland also - gegen Neuseeland hat die DFB-Auswahl bislang genau einmal gespielt, 1999 im Confed-Cup in Guadalajara, 2:0, nach Toren von Michael Preetz und Lothar Matthäus, Erich Ribbeck war damals der Trainer, verblasst ist längst die Erinnerung an diese Zeit des Rumpelfußballs.

Die Rückschau an Costa Rica fällt deutlich hübscher aus, Costa Rica war der Gegner in München bei der Heim-WM 2006, 4:2 wurde das Eröffnungsspiel gewonnen, und jeder sieht noch, wie Philipp Lahm mit bandagierten Arm über links kommt und die Kugel mit rechts in den Winkel schlenzt. Es war der Auftakt zum Sommermärchen.

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