Im Zweikampf mit Liverpools Ilkay Gündogan.
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Im Zweikampf mit Liverpools Ilkay Gündogan.

DFB

Corona als Warnung für Ilkay Gündogan

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Der wiedergenesene Mittelfeldspieler sorgt sich aus eigener leidvoller Erfahrung, dass Menschen die Erkrankung unterschätzen.

Es ist dieses eine Telefonat, das Ilkay Gündogan noch bestens in Erinnerung hat. Der deutsche Nationalspieler hatte seinen Großvater von der Mitte September diagnostizierten Corona-Erkrankung unterrichtet, als sein Verwandter in der Türkei gar nicht mehr aufhörte zu weinen – so groß war dessen Sorge um die Gesundheit. „Das Gespräch mit Opa werde ich niemals vergessen“, erzählte der Mittelfeldspieler von Manchester City nun bei der digitalen Pressekonferenz der deutschen Nationalmannschaft, um einen eindringlichen Appell an allzu unbedarfte Menschen zu richten, die den tückischen Virus vielleicht so wenig ernst nehmen wie anfangs er selbst: „Vor der Corona-Erkrankung habe ich es nicht für voll genommen. Danach hat sich mein Denken geändert. Man macht sich Sorgen. Alles steht in den Sternen.“

Der Fußballprofi war nach dem positiven Befund zutiefst verunsichert – heute will der 30-Jährige als warnendes Beispiel für diejenigen dienen, die noch immer glauben, bei Sars-CoV-2 sei alles halb so schlimm. Auch topfitte Berufssportler kann es bei ungünstigem Krankheitsverlauf treffen: Symptomfreie Verläufe sind eben kein Automatismus. „Wir sollten so vorsichtig wie möglich sein, um die Menschen um uns herum zu schützen“, folgerte Gündogan. Das gebiete „der Respekt und die Liebe“ zu den Mitmenschen.

Es waren bemerkenswerte Worte des gebürtigen Gelsenkircheners, Eine Corona-Infektion ist deshalb gemein, weil eben nicht nur der Körper, sondern auch der Kopf betroffen ist. „Es macht nicht nur körperlich, auch psychisch etwas mit einem“, sagte Gündogan. Sein Empfinden: „Ich habe es relativ gut überstanden, aber ich hatte anfangs relativ starke Symptome. Die ersten drei, vier Tage waren schlimm.“ Glieder-, Kopf- und Halsschmerzen und ein leichtes Druckgefühl im Brustbereich machten ihm zu schaffen. Er verpasste mehrere Spiele auf Vereinsebene sowie die Länderspiele im Oktober.

Der von seinem Vereinstrainer Pep Guardiola hoch geschätzte Ballverteiler hatte sich angesteckt, bevor die zweite Welle über Europa hereinbrach. Zehn Tage musste sich Gündogan in die häusliche Isolation begeben. Danach war nicht gleich alles gut, wie er erzählt: „Schwierig war der Einstieg wieder ins Training, weil die Krankheit noch drin war.“ Ständig fühlte er sich noch müde und träge. Weitere zwei Wochen war an kein Wettbewerbsspiel zu denken. Erst seine Tore in der Champions League – gegen den FC Porto und Olympique Marseille – markierten den beschwerlichen Weg zurück zu alter Leistungsstärke, woran Gündogan im Nationalteam jetzt anknüpfen möchte.

„Nach der unfreiwilligen Pause habe ich genug Rhythmus.“ Er würde gerne die DFB-Auswahl im Freundschaftsspiel gegen Tschechien (Mittwoch 20.45 Uhr/RTL) als Kapitän aufs Feld zu führen. „Ich würde mich freuen.“

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