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Im altehrwürdigen Maracana in Rio könnte gespielt werden – obwohl das eigentlich niemand will.
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Im altehrwürdigen Maracana in Rio könnte gespielt werden – obwohl das eigentlich niemand will.

Kommentar

Coronavirus wütet in Brasilien - Copa soll trotzdem dort stattfinden

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Brasilien zählt zu den Ländern, in denen das Coronavirus am übelsten wütet, vor allem, weil der Präsident keine Schutzmaßnahmen einleitet - die Copa America soll dennoch in Brasilien stattfinden.

Der rechtsextremistische brasilianische Präsident Jair Messias Bolsonaro, ein notorischer Amazonas-Wälder-Abholzer, Ex-Fallschirmspringer, Bewunderer der Militärdiktatur, frauenfeindlich, homophob und Leugner der Corona-Pandemie, hat nicht lange überlegen müssen, als der südamerikanische Fußballverband Conmebol fragte, ob Brasilien einspringen und die Copa America ausrichten könnte. „Sim, claro, não tem problema“, kein Problem, hat er am vergangenen Montag prompt geantwortet, knapp zwei Wochen vor dem Anpfiff des ältesten Mannschaftsturniers der Welt am 13. Juni. Ursprünglich sollte die erstmals 1916 ausgerichtete Copa Kolumbien und Argentinien gemeinsam austragen, beiden sahen sich kurzfristig dazu nicht mehr imstande, Kolumbien wegen sozialer Unruhen im Land, Argentinien wegen des Coronavirus‘.

Copa findet in Brasilien statt

Bolsonaro, der das Virus als „Grippchen“ abtut und erst seit März an Impfungen denkt, verschwendet daran keinen Gedanken. Er ignoriert jede vernünftige Herangehensweise, ignoriert Kritik, wischt beste Argumente vom Tisch. Selbst im fußballverrückten Brasilien will unter diesen Bedingungen keiner die Copa, aus Anstand und Respekt vor den vielen Opfern verbiete sich das eigentlich von selbst.

Die präsidiale Zusage sei eine einzige Provokation, sei ein „Schlag ins Gesicht der Gesundheitsbehörde“, schreibt etwa der bekannteste brasilianische Sportreporter Juca Kfouri, der Bürgermeister von Rio de Janeiro, wo neben Brasilia,

Cuiaba und Goiania gekickt werden soll, barmt, es sei aktuell „nicht die richtige Zeit“. Selbst die Selecão um Trainer Tite, um Neymar und Kapitän Casimiro, die sich am Dienstag nach dem fälligen WM-Quali-Spiel öffentlich äußern wollen, schließt einen Boykott längst nicht mehr aus.

In der Tat würde kein verantwortungsvoll handelnder Politiker sich in diesen Zeiten ein solches Turnier mit zehn Mannschaften ohne Not ins eigene, von Corona zusätzlich geschundene Land holen. Aber Bolsonaro ist der überwiegende Teil des 210-Millionen-Volkes ohnehin egal.

Copa: Coronavirus wütet in Brasilien

Es ist grotesk und absurd: Brasilien zählt zu den Ländern, in denen das Virus am übelsten wütet, vor allem, weil sich der Präsident nicht kümmert und keinerlei Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung einleitet. Bisher gibt es im Land nach offiziellen Zahlen 16,5 Millionen Infizierte, die Dunkelziffer dürfte viel höher liegen, knapp 470 000 Menschen sind an und mit Covic-19 gestoben, allein 60 000 im letzten Monat. In Manaus, mitten im Amazonas-Gebiet, werden Krankenhäuser gestürmt, Menschen sterben nach Luft hechelnd auf der Straßen vor hoffnungslos überfüllten Intensivstationen - auch an der neuen, der brasilianischen Virus-Variante.

Und in einer solchen Situation hält es Bolsonaro für eine gute Idee, ein Fußballturnier auszurichten. Ja, er inszeniert sich als Retter der Copa, lässt sich dafür von seinen feinen Freunden feiern.

Vermutlich geht es ja um etwas ganz anderes: Allein die TV-Rechte bringen Conmebal 100 Millionen Euro ein - und die Kassen klingeln nicht, sollte das Turnier ausgesetzt werden. So simpel ist das.

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