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Coole Gesichter, coole Geschichten

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Von: Frank Hellmann

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Gute Laune im deutschen Lager: Almuth Schult (links) trägt Laura Freigang, die auf ihren Rücken gesprungen ist.
Gute Laune im deutschen Lager: Almuth Schult (links) trägt Laura Freigang, die auf ihren Rücken gesprungen ist. © dpa

Giulia Gwinn und Laura Freigang führten den Kampf um mehr Aufmerksamkeit abseits des Platzes an - auf Instagram und TikTok.

Es ist fast eine filmreife Kulisse, vor der die deutschen Nationalspielerinnen dieser Tage ihre Fernsehinterviews geben. Nach der offiziellen Pressekonferenz werden die Fußballerinnen auf die hölzerne Terrasse des Medienhotels geführt, denn dann bilden die neuen Backsteinbauten im Londoner Stadtteil Brentford und die historischen Schleusenanlagen des Grand-Union-Kanal den Hintergrund. Zwei Tage vor dem wichtigen ersten EM-Gruppenspiel gegen Dänemark (Freitag 21 Uhr/ZDF) haben mit Giulia Gwinn und Laura Freigang zwei besonders beliebte Gesichter das mediale Pflichtprogramm abgespult.

„Es kribbelt schon sehr lange“, verriet Gwinn, die sich vor allem darüber freute, das die Partie gegen den Vize-Europameisterin im Community Stadium von Brentford ausverkauft ist. „Das lässt das Fußballherz schon höher schlagen. Diese Atmosphäre wollen wir aufsaugen“, sagte die Rechtsverteidigerin. Zudem spielt bei der 23-Jährigen vom FC Bayern noch die schöne Erinnerung mit, dass sie vor drei Jahren im WM-Auftaktspiel gegen China (1:0) das einzige Tor schoss. „Daran denke ich immer zurück.“

Die vorerst aus Ersatzstürmerin vorgesehene Freigang findet es ganz gut, dass die achtfachen Europameisterinnen kein Topfavorit mehr ist. „Uns gibt das einen Push, ich mag diese Underdog-Mentalität.“ So spricht eine unerschütterliche Frohnatur, die beim Vormittagstraining für Erheiterung sorgte, als sie Ersatztorhüterin Almuth Schult auf den Rücken sprang. Wenn eine stets Schalk im Nacken hat, dann die 24-Jährige von Eintracht Frankfurt.

Gwinn und Freigang repräsentieren das DFB-Team mit einem gewinnbringenden Lächeln. Die Verteidigerin (27 Länderspiele /drei Tore) und die Angreiferin (13/neun) sind zudem diejenigen, die in der digitalen Welt die größten Reichweiten erzielen. Der Name Gwinn wird in den monatlichen Suchanfragen nach der von Meinungsführerin Schult am zweithäufigsten gesucht. Gwinn hat allein bei Instagram 268 000 Follower – absolute Spitze im deutschen EM-Aufgebot. „Die WM war bei mir der Dosenöffner. Es bleibt für mich eine Nebensache, mit der ich aber einiges bewegen kann.“

Freigang bricht mit selbst produzierten Filmchen gerade Rekorde: Der ironische Zusammenschnitt „Die Probleme der DFB-Frauen“ hat bei Instagram fast 450 000 Aufrufe, bei TikTok schießt mit 4,7 Millionen (!) Abrufen ein Video durch die Decke, bei dem sich die Frauen plötzlich in Männer-Gesichter verwandeln. Social-Media-Expertin Sabrina Dirks, bei den DFB-Frauen genau für diese Aktivitäten zuständig, hat die Freigang-Videos auch noch über die hausinternen Kanäle verlinkt.

„Wir kämpfen ja um Anerkennung und mehr Aufmerksamkeit“, erklärt Freigang. „Mit diesen Clips kann ich ganz viele Leute auf einer lockeren Ebene abholen, die Frauenfußball vielleicht gar nicht auf dem Schirm haben.“ Sie betont, dass sie keine zehn Minuten für die Erstellung benötige, aber ganz viel damit auslöse. „So tickt die Welt halt heutzutage auch ein bisschen. Gerade weil mir das auch Spaß gemacht, und mir wichtig ist, gewisse Dinge voranzubringen, nutze ich diese Medien gerne.“ Zudem bringen die Social-Media-Aktivitäten, wie Gwinn verriet, auch einen netten Nebenverdienst.

Die Maßnahmen für mehr Sichtbarkeit sind vielfältig. Dass Eintracht Frankfurt am ersten Bundesligaspieltag das Heimspiel gegen Bayern München in der Frankfurter Arena austrägt, kommentierte Freigang am Mittwoch so: „Das wird ein cooles Spiel vor einer coolen Kulisse in einem coolen Stadion.“ Wichtig auch, dass seit Mittwoch in den Mediatheken bei ARD, Sky und Magenta TV die sehenswerte Frauen-Doku „Born for this – mehr als Fußball“ abrufbar ist, die zu coolen Gesichtern auch coole Geschichten liefert – um im Freigang-Sprech zu bleiben.

Unterstützung von überall

Gwinn blickt im ersten Teil der Dokumentation zurück, wie es in ihrem Knie geknackt habe, als sie sich im September 2020 im EM-Qualifikationsspiel gegen Irland das Kreuzband riss. Mehr als ein Jahr fiel die zur besten jungen Spielerin der WM 2019 gewählte Fußballerin vom Bodensee aus – und rückblickend sagt sie: „An der Verletzung bin ich gewachsen. Jetzt kann ich sogar die jüngeren Spieler ein Stück weit an die Hand nehmen.“ Sonst hätte ihr Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg auch nicht rechts hinten die Position in der Viererkette anvertraut.

Freigang will derweil von außen „unterstützen, wo ich kann“. Ihr Versprechen vom Podium vor den Medien: „Ich werde immer da sein, wenn man mich braucht.“ Egal wo. Kurz danach ging’s raus zu den Fernsehinterviews mit dem schönen Panorama im Rücken.

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