Irgendwie ist es noch mal gut gegangen: Freudentaumelnde Nürnberger.
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Irgendwie ist es noch mal gut gegangen: Freudentaumelnde Nürnberger.

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Club bleibt Club

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
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Der 1. FC Nürnberg war so gut wie abgestiegen, und vielleicht hätte er es auch verdient gehabt - aber am Ende werden viele froh sein, dass die Franken in der zweiten Liga bleiben.

Fußball hat in den vergangenen Wochen nun doch irgendwie funktioniert, und warum das so war, dafür bot das Relegationsrückspiel zur zweiten Liga zwischen Ingolstadt und Nürnberg ein wunderbares Exempel. Das Spiel an sich kann mit einem dramatischen Verlauf und einigen Nebengeräuschen (am Ende Provokationen, Rudelbildung) eine derart starke Geschichte liefern, dass man für ein paar Minuten völlig vergaß: Waren ja gar keine Zuschauer da. Auch ohne das Erregungs-Echo von den Rängen war man vom Geschehen emotional ausgefüllt.

Man kann nun sagen: Die armen Ingolstädter. Zum zweiten Mal innerhalb von sieben Tagen wurden sie Opfer der letzten Minuten. Am Samstag vor einer Woche siegten sie bei 1860 und waren für einige Momente schon Zweitligist so wie Schalke 2001 Deutscher Meister – dann fiel auf einem weit entfernten Platz (Würzburg) noch das Tor, das sie um einen entscheidenden Rang nach unten versetzte. Nun führten sie 3:0 gegen den Zweitligisten Nürnberg und hätten das nur über die Ziellinie bringen müssen. Doch spät in der Nachspielzeit das 1:3 des FCN – der Sieg des FCI fühlte sich an wie die schwerste Niederlage. Man kann auch sagen, dass die Ingolstädter mit einem Wettbewerbsnachteil in die Relegation mit dem 1. FC Nürnberg gegangen sind: In der Zeit, die der Zweitligist für sechs Spieltage hatte, musste der Drittligist elf Runden durchpeitschen – und hatte am Ende auch noch eine kürzere Regenerationszeit. So gesehen wurde Ingolstadt zum Opfer der Corona-Umstände.

Trotzdem: Die Mehrheit der Fernsehzuschauer wird sich gewünscht haben, dass es so ausgeht, wie es ausging. Weil ein Drama um Ingolstadt leichter zu ertragen ist als eines um den Club. Ingolstadt kann ein Scheitern anders verarbeiten, es ist ein Verein, den starke Gesellschafter tragen. Und er ist aus Plastik wie eine Auto-Armatur. Der 1. FC Nürnberg hingegen steckt so voller Geschichte, die man nahe bei sich behalten will. In seinem oftmaligen Versagen, in seiner Fehlerhaftigkeit und dem steten Versuchen, immer wieder einen Neuanfang auszurufen, ist er einem ans Herz gewachsen. Das Verein gewordene „Irren ist menschlich“.

Als nach dem Hinspiel-2:0 ein 0:3 aus Nürnberger Sicht auf der Tafel stand, geisterte der Spruch „Der Glubb is a Depp“ schon wieder durch die Köpfe. Er war es dieses eine Mal dann nicht. Vielleicht wird ab jetzt alles anders.

Natürlich nicht. Der Club wird der Club bleiben.

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