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Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies mitten unter den Fans.

Clemens Tönnies

Zurücktreten, Herr Tönnies!

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Dass Clemens Tönnies für seine Aussage von Teilen des Publikums Applaus erhielt, zeigt, dass es in dieser Gesellschaft ein tiefgreifendes Rassismusproblem gibt. Ein Kommentar.

In dem 2012 verabschiedeten „Leitbild“ des FC Schalke 04 heißt es unter Punkt acht: „Von uns Schalkern geht keine Diskriminierung oder Gewalt aus. Wir zeigen Rassismus die Rote Karte und setzen uns aktiv für Toleranz und Fairness ein.“ Ausgerechnet der erste Mann des Vereins, der Aufsichtsratchef Clemens Tönnies, hat das Leitbild des Fußball-Bundesligisten am Donnerstag beim Tag des Handwerks in Paderborn mit Füßen getreten.

Man solle jährlich 20 Kraftwerke in Afrika bauen, dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen und wenn es dunkel ist, Kinder zu produzieren, gab der Wurstfabrikant von sich. Damit hat sich der 63-Jährige als Kolonialrassist entlarvt und ist beim Fußball-Bundesligisten nicht mehr tragbar.

Clemens Tönnies wendet sich nicht an diejenigen, die er beleidigt hat

Es war nicht „unüberlegt oder gedankenlos“, wie er tags darauf in einem Dreizeiler über die Homepage des FC Schalke 04 verlauten ließ. So ein Satz rutscht einem nicht einfach mal so heraus, wenn man nicht so ein Weltbild hat. Der Entschuldigungstext ist fast so schlimm wie die Aussage an sich. Zum einen wendet er sich nicht an diejenigen, die er beleidigt hat, sondern an die Fans, Mitglieder und Freunde des FC Schalke 04. Zum anderen müsste er um Entschuldigung bitten! Ob ihm verziehen wird, liegt nicht in seiner Hand, sondern in denen derer, die er angegriffen hat. Alles andere klingt wie Selbstabsolution.

Lesen Sie auch: Tönnies entschuldigt sich für seine Äußerung

Der Schalker Vorstand hat in seiner zweizeiligen Stellungnahme ein fatales Signal gesendet, indem er lediglich erklärte, dass er die „Entschuldigung richtig und wichtig“ findet und man laut Sportvorstand Jochen Schneider nun einfach zum Weitermachen übergehen könne. Das darf aber nicht passieren. Wenn es der FC Schalke ernst mit seinen Werten meint, dann muss Tönnies zurücktreten. Alles andere wäre ein Verrat am eigenen Leitbild, an den Profi- und Jugendspielern mit afrikanischen Wurzeln und auch an der gesellschaftlichen Verantwortung.

Applaus für Clemens Tönnies zeigt: es gibt ein tiefgreifendes Rassismusproblem

Der FC Schalke 04 beschäftigt aktuell vier afrikanische Spieler: Salif Sané aus dem Senegal, Nabil Bentaleb aus Algerien sowie Amine Harit und Hamza Mendyl aus Marokko. Dazu hat der Franzose Benjamin Stambouli, der als nächster Kapitän des Klubs gehandelt wird, algerische Wurzeln. Was mag in ihnen vorgehen, wenn der Aufsichtsratschef solche rassistischen Ergüsse von sich gibt? Oder Gerald Asamoah, eine Schalker Legende und aktuell Trainer der U23, der mit zwölf aus Ghana nach Deutschland gekommen ist und Nationalspieler geworden ist?

Dass Tönnies für seine Aussage von Teilen des Publikums Applaus erhielt, zeigt, dass es in dieser Gesellschaft ein tiefgreifendes Rassismusproblem gibt. Wo die Grenzen des Sagbaren über die Grenzen der Humanität hinaus verschoben werden, läuft etwas gewaltig schief.

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