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Clemens Tönnies.

"Ist kein Rassist"

DFB-Ethikkommission verzichtet auf Verfahren gegen Clemens Tönnies

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Schalke-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies äußert sich rassistisch gegenüber Afrikanern. Konsequenzen von Seiten des DFB hat sein Verhalten trotzdem nicht.

Update, 29. August, 13:20 Uhr: Die DFB-Ethikkommission verzichtet auf ein Verfahren Clemens Tönnies wegen dessen umstrittener Äußerungen zu Afrika. Das Gremium teilte darüber hinaus mit, dass es die Tonlage des Aufsichtsratsvorsitzenden des FC Schalke 04 „missbillige“. Es wertete die Aussagen darüber hinaus als „rassistisch“.

Dass Tönnies um ein Verfahren herumkommt, liege laut der Ethikkommission daran, dass „Herr Tönnies bei der eingehenden Anhörung und Befragung überzeugend vermitteln konnte, dass er kein Rassist ist“, wie es in der Stellungnahme heißt.

Erstmeldung vom 02. August:

Unternehmer mit Verantwortung: Unter dieser Überschrift war Clemens Tönnies in seiner Funktion als Fleischfabrikant am Donnerstag beim Tag des Handwerks in Paderborn und hielt vor 1600 Gästen eine Rede. Die könnte ihn jetzt sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender beim Fußball-Bundesligisten Schalke 04 kosten. Beim Thema Klimawandel wollte er nichts von höheren Steuern wissen, sondern forderte, dass man stattdessen lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren solle. Tönnies Begründung dafür: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Wie die „Neue Westfälische“ schrieb, war die Reaktion aus dem Saal zunächst Irritation - und dann doch Beifall.

Am Freitag schlug Tönnies eine Welle der Kritik entgegen. Der Ex-Schalker und Deutsch-Afrikaner Hans Sarpei schrieb in den sozialen Netzwerken: „Es ist das Weltbild eines Großwild-Jägers, der ausgestopfte Baby-Elefanten auf seinem Hof als Trophäen präsentiert, auf Arbeitszeitfirmen mit günstigen ausländischen Arbeitskräften setzt und Putin den Hof macht. Es ist das Weltbild eines Mannes, der aus der Zeit gefallen ist. Und der zunehmend eine Belastung für den FC Schalke 04 wird.“ Als Mitglied des Vereins wünsche er sich, dass der Ehrenrat ganz klar Position beziehe und über Konsequenzen berate.

Tönnies entschuldigt sich

Die Türkische Gemeinde in Deutschland twitterte: „Wie unsere Gesellschaft mit Rassismus umgeht: Schritt eins: Rassistische Aussage. Schritt zwei: Rassistische Aussagen werden von PR-Beratern „richtiggestellt“. Schritt drei: Rassismus hat keinerlei Konsequenzen. Schritt vier: siehe Schritt eins.“

Sahra Philipp, parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, nannte die Tönnies-Äußerung „unfassbar“. Zudem zeigte sie sich empört darüber, dass er dafür Applaus bei dem Handwerkstag bekommen hatte.

Tönnies entschuldigte sich am Freitag für seine Äußerungen: „Als Vorsitzender des Aufsichtsrats des FC Schalke 04 stehe ich 1000-prozentig hinter unseren Vereinswerten. Dazu gehört der Einsatz gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung“, ließ er über die Homepage der Gelsenkirchener verlauten. „Vor diesem Hintergrund möchte ich mich explizit bei euch, den Fans, Mitgliedern und Freunden des FC Schalke 04, für meine Aussage beim Tag des Handwerks entschuldigen. Sie war falsch, unüberlegt und gedankenlos und entsprach in keiner Weise unserem Leitbild.“ Eine Entschuldigung an die Menschen, die er beleidigt hat, sieht anders aus.

Lesen Sie auch unsern Kommentar zu Clemens Tönnies:  Zurücktreten, Herr Tönnies!

Zumal seine Aussage neben der rassistischen Entgleisung auch so vollkommen falsch ist. „Die Industrienationen sind historisch gesehen fast alleine für diese Klimakrise verantwortlich. Diese Aussagen von Tönnies sind empörend – sie sind nicht nur rassistisch, sondern zeugen auch von absoluter Ignoranz den Fakten und den Menschen im globalen Süden gegenüber“, schrieb Fridays for Future Germany auf Twitter. Alleine Deutschland stößt mehr CO2 aus als alle afrikanischen Länder zusammen. In Äthiopien wurden erst in dieser Woche 354 Millionen Bäume neu gepflanzt. Und Kraftwerke zu bauen, ist alles andere als nachhaltig.

Die Tönnies-Gruppe hat mit weltweit 16 500 Mitarbeiten und dem Schlachten von Schweinen und Rindern im Jahr 2018 einen Umsatz von 6,65 Milliarden Euro erzielt. Tönnies exportiert in 82 Länder, 52 Prozent der Erzeugnisse gehen ins Ausland - auch nach Afrika. Dass deutsches Fleisch billiger in der Herstellung ist, als das in den Entwicklungs- und Schwellenländern produzierte, ist ein Thema für sich.

Von Schalke war bis auf die Tönnies-Entschuldigung nichts zu hören

Laut einer Studie des „Institute für Agriculture and Trade Policy“ kommen die fünf größten Fleisch- und Milchkonzerne der Welt auf mehr CO2-Emissionen als Ölmultis wie Shell und ExxonMobil. Laut der UN ist die Viehwirtschaft für etwa 15 Prozent der klimarelevanten Emissionen verantwortlich.

Fragt sich jetzt nur noch, welche Konsequenzen der FC Schalke 04 aus den Aussagen seines Aufsichtsratsvorsitzenden zieht. „Seine Aussage steht natürlich in deutlichem Widerspruch zu unserem Leitbild, daher war seine Entschuldigung richtig und wichtig.“, teilte der Vorstand der Königsblauen am Freitagnachmittag mit. Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider äußerte sich am Rande des Testspiels gegen den FC Villarreal zu Tönnies‘ Aussagen. „Unsere Gesellschaft funktioniert so, dass sich ein Mensch entschuldigen kann und es danach weitergeht.“

Ob da allerdings die Schalker Fans mitmachen, bleibt offen.

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