Andere Vorzeichen: Dirk Schuster (links), damals Trainer von Darmstadt, heute Aue, umarmt 2018 Markus Anfang, damals Kiel, heute Darmstadt.
+
Andere Vorzeichen: Dirk Schuster (links), damals Trainer von Darmstadt, heute Aue, umarmt 2018 Markus Anfang, damals Kiel, heute Darmstadt.

Darmstadt 98

Clash der Fußballwelten

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
    schließen

Der fortschrittliche Trainer Markus Markus Anfang fordert mit Darmstadt 98 den alten Haudegen Dirk Schuster von Erzgebirge Aue. Es geht um wichtige Punkte – und ums Prinzip.

Ein Spiel gegen Dirk Schuster ist für den SV Darmstadt 98 mittlerweile nicht mehr das ganz emotionale Ding, dafür hielten bereits die Partien der Vorsaison her. Ein Spiel gegen Dirk Schuster ist und bleibt für den hessischen Zweitligisten aber sehr wohl eines gegen die eigene Vergangenheit. Schließlich prägte der Fußballlehrer aus Chemnitz das Geschehen am Böllenfalltor wie kein anderer Trainer in diesem Jahrhundert. Die kultigen Armbändchen, das Polo-Shirt im Winter, die aufs Feld gebellten Anweisungen – wunderbare Erinnerungen an erfolgreiche Zeiten, gekrönt von den Aufstiegen in Liga zwei und eins.

Am Sonntag (13.30 Uhr) also erwartet Schuster mit seiner aktuellen Truppe, Erzgebirge Aue, wieder einmal seine frühere. 21 Monate ist es nun her, dass er weggejagt wurde bei seiner zweiten Lilien-Dienstzeit. Die Stabilisierungskünste, das mantraartige Einreden der Wir-gegen-alle-Mentalität, der auf Wille und Widerstand (und lange Bälle) basierende Fußball war nicht mehr zeitgemäß, zumindest in Darmstadt nicht. Den Nachweis, ein Team dauerhaft fußballerisch weiterzubringen, blieb Schuster schuldig.

Diese Aufgabe obliegt in Darmstadt seit diesem Sommer Markus Anfang. Der Nach-Nachfolger von Schuster, der im Sommer den erfolgreichen, nach Differenzen gegangenen und weiterhin joblosen Dimitrios Grammozis beerbte, favorisiert eine andere Herangehensweise. Statt hoch und weit und Sicherheit forciert Anfang ein risikoreiches Kurzpassspiel. Ähnlich mantraartig predigt er den Spielern zwar sein Drei-Säulen-Prinzip ein (Erstens: ansehnlicher Fußball; zweitens: Weiterentwicklung von Spielern; drittens: gute Ergebnisse), doch verkörpert er ansonsten das komplette Gegenteil von Schuster. Fortschrittlich, fordernd, fokussiert – so tritt Anfang auf, so will er wahrgenommen werden, als moderner Coach, wie es so schön heißt. Diverse Male schon surrte eine Drohne über den Übungsplatz, um die Bewegungen der Spieler zu filmen und sie genau analysieren zu können. Alle zufrieden also? Nun ja, das ist die Krux an der ganzen Sache.

Denn natürlich erfreuen sie sich in Darmstadt grundsätzlich am attraktiven Spiel, der Grat zur Überforderung der eigenen Qualitäten aber ist schmal, mitunter scheint das Risiko zu hoch gewählt. Bei der 0:4-Abreibung vor der Länderspielpause gegen Paderborn trat das offensichtlich zu Tage, auch in den Wochen zuvor wirkte das Darmstädter Spiel bei aller Ballhoheit selten frei von Anfälligkeiten. Und so ist es Fakt, dass nach sieben Spieltagen bisher lediglich neun Punkte aufs Konto gesammelt wurden: Platz zehn, im Grunde zu wenig, wie es auch Trainer Anfang schon formulierte. In Aue erwarte sein Team nun ein harter Brocken. „Sie spielen kompakt und aggressiv gegen den Ball.“ Typisch Schuster.

Kritik an Schuster

Im Erzgebirge sind sie derweil mit neun Punkten und Rang neun zwar zufrieden, dennoch sieht sich Schuster Kritik ausgesetzt. Laut „Chemnitzer Morgenpost“ würden sich die Bosse über zu laxe Trainingseinheiten beklagen, auch sollen sich Profis der zweiten Reihen unterfordert fühlen. Darauf angesprochen sagte Schuster: „Die statistischen Fakten zeigen, dass wir in dieser Saison ein Team haben, das absolut auf dem Damm ist.“ Tatsächlich: Insgesamt 800 Kilometer liefen die Auer Profis bisher, die Darmstädter zum Vergleich 783, wobei die Theorie, dass ein flüssig rollender Ball manchmal effektiver ist als marschierende Spieler, zumindest nicht außer Acht gelassen werden sollte.

So oder so, das Duell zweier Fußballwelten ist für beide Trainer ein wichtiges, um das Vertrauen in die eigenen Vorgaben weiter glaubhaft vermitteln zu können. Punkte müssen her – ob mit langen oder kurzen Pässen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare