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Christian Heidel will „Meilenstein“ setzen

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Von: Jan Christian Müller

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Wünscht sich wieder ein bisschen mehr Fußball-Begeisterung in Mainz: Manager Christian Heidel.
Wünscht sich wieder ein bisschen mehr Fußball-Begeisterung in Mainz: Manager Christian Heidel. © Eibner/Imago

Der Sportvorstand des Fußball-Bundesligisten plant eine 45-Millionen-Euro-Investition in den Campus und sieht mehrere Toptalente im Nachwuchs

Es ist der Job von Christian Heidel, über den nächsten Spieltag hinauszudenken. Selbst dann, wenn dieser Spieltag erst in 70 Tagen stattfindet. Klar, dass den Vorstand von Mainz 05 auch die Aktualität umtreibt. Er ärgert sich über die WM in Katar („Kompletter Humbug“), aber auch über die viel zu späte Aufregung darüber („Am Anfang haben wir uns nur übers Wetter, aber nicht über die Zustände in Katar unterhalten“). Und er hat gemeinsam mit Sportchef Martin Schmidt und Trainer Bo Svensson analysiert, dass die Mannschaft in der Vorsaison mehr Chancen herausgespielt, diese konsequenter genutzt und außerdem auch besser verteidigt hat als im laufenden Spieljahr. Übersetzt heißt das: Mainz 05 hat sich etwas zurückentwickelt. Das ist jetzt zum ersten Mal der Fall, seit Bo Svensson vor knapp zwei Jahren übernommen hat und eine sehr, sehr, sehr respektable Erfolgsgeschichte schrieb, die vergangene Saison auf Rang acht endete.

Sie haben die Situation zu Wochenbeginn intensiv gemeinsam analysiert. Danach hat Heidel den Cheftrainer in den Urlaub geschickt und ihm geraten, sich mal eine ganze Woche lang überhaupt nicht mit Fußball zu beschäftigen. Jetzt schauen sie, ob sie den schmalen Kader während der zweimonatigen Winterpause mit einem Angreifer und einem Abwehrspieler aufpäppeln.

Nur die Ruhe

Grundsätzlich will Heidel sich auch weiterhin erlauben, klein zu denken: „Wir werden immer ein Verein sein, der drei, viermal in Folge verlieren kann. Wenn du damit nicht umgehen kannst, steigst du ab.“ Für den Rest dieser Saison gelte angesichts von derzeit fünf Zählern Abstand auf den vom VfB Stuttgart eingenommenen Relegationsplatz: „Wir würden auch im Abstiegskampf Ruhe behalten.“

Die Resonanz in der Stadt Mainz, die sich für die Fastnacht traditionell mehr begeistern kann als für den Profifußball, ist für den gebürtigen Mainzer Heidel „noch nicht so, wie ich mir das vorstelle“. Aber immerhin habe er aus der Gastronomie die Rückmeldung erhalten, dass bei Auswärtsspielen „die Kneipen wieder voll sind.“. Das sei vor „zwei, drei Jahren nicht der Fall gewesen“.

Was die langen Linien in die Zukunft angeht: Die Nullfünfer werden die elf Jahre alte Arena eines nicht allzu fernen Tages komplett abbezahlt haben. Sie planen konkret, dann in den Wolfgang-Frank-Campus am alten Bruchwegstadion rund 45 Millionen Euro zu investieren (Heidel gibt allerdings keine Zahlen preis) und dort die derzeit noch in einem knapp zwei Kilometer entfernten Industriegebiet beheimatete Geschäftsstelle mit unterzubringen. Der Sportvorstand nennt das „einen Meilenstein“, will das komplexe und mehrfach überarbeitete Projekt aber finanziell so seriös aufgestellt wissen, dass es ihm nicht den Schlaf raubt.

Toptalente rücken nach

Ein weiteres Zukunftprojekt treibt den erfahrenen Manager um. Das eigene Nachwuchsleitungszentrum produziert zuverlässig gute Leute, derzeit ist Heidel sehr optimistisch, dass sich beim aktuellen, mit weitem Abstand führenden Spitzenreiter der U19-Bundesliga, Staffel Süd, sogar zwei, drei Toptalente befinden, die das Zeug zum gestandenen Bundesligaspieler haben. Nelson Weiper, jüngst mit der Sepp-Herberger-Medaille in Gold für den besten deutschen Nachwuchsspieler seines Jahrgangs ausgezeichnet, hat schon Bundesligaluft geschnuppert. Dennis Kaygin führt die Torschützenliste der U19-Bundesliga an, Brajan Gruda ist Dritter, Lovis Bierschenk Sechster. Sie alle treffen zwischen 0,75 und 1,67 Mal pro Spiel! Das ist geballte Offensivpower, die Chefcoach Svensson längst identifiziert hat. „Bo und ich verpassen kaum mal ein U19-Heimspiel“, sagt Heidel: „Die Jungs spüren, dass sie sich im Blickfeld befinden.“

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