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Christian Heidel im Interview: „Bo Svensson kann richtig unangenehm sein“

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Klopp, Tuchel, Svensson: Der Mainzer Sportvorstand Christian Heidel hat ein Händchen für erfolgreiche Trainer.
Klopp, Tuchel, Svensson: Der Mainzer Sportvorstand Christian Heidel hat ein Händchen für erfolgreiche Trainer. © dpa

Der Mainzer Macher Christian Heidel über Chefcoach Svensson und dessen Vorgänger

Vor dem Saisonstart von Mainz 05 am Samstagnachmittag (15.30 Uhr) beim VfL Bochum lobt Sportvorstand Christian Heidel die Arbeit von Cheftrainer Bo Svensson. Der feierte am Donnerstag seinen 43. Geburtstag.

Herr Heidel, Schalke und Bremen sind zurück. Wie schätzen Sie die Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt ein?

Unser Minimalziel muss immer sein, in der Liga zu bleiben. Diese Saison ist schwer einzuschätzen. Letztes Jahr hast du gesagt, du musst wahrscheinlich vor Bielefeld und Fürth sein. Jetzt ist es schwerer, da potenzielle Kandidaten zu nennen, weil Vereine mit großen Namen zurückkehren.

Welche Rolle soll Mainz künftig in der Bundesliga spielen?

Es gibt nur sechs andere Teams, die heute länger ohne Unterbrechung in der Bundesliga spielen. Wenn wir das stabilisieren können, haben wir viel gewonnen. Wir dürfen weiterhin der Underdog sein, haben aber die Aufgabe, die Großen zu ärgern.

Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Bo Svensson. Sie gelten als einer, der ein gutes Händchen für Trainer hat. Welche Eigenschaften sind dafür besonders wichtig?

Viele Kollegen sagen oft, ein Trainer braucht Erfahrung für die Bundesliga. Das macht für mich aber nur einen ganz kleinen Prozentsatz am Gesamtpaket aus. Die Basis für alles – und da lachen immer alle – ist für mich eine überdurchschnittliche Intelligenz. Intelligente Menschen adaptieren einfach das ganze Geschäft schneller und leichter.

Was muss noch dazukommen?

Überragendes Fachwissen. Ich habe gelernt, dass Trainer, die als Spieler keine Profis waren, sich mit dem Spiel oft viel intensiver beschäftigen als diejenigen, die 300 Spiele auf dem Buckel haben und vielleicht denken, sie wüssten schon alles. Das kann man natürlich nicht verallgemeinern.

Haben sie dafür ein passendes Beispiel?

Thomas Tuchel. Wie viele Bücher der gelesen hat! Er hatte im Bus teilweise Strichmuster vor sich liegen, auf denen ich gar nichts erkannt habe. Das waren die Passsequenzen von Mannschaften von Pep Guardiola. Thomas hat sich reingesteigert, jeden einzelnen Strich studiert. Dazu kommt noch mehr…

Was?

Die Bereitschaft zu lernen, und nie damit aufzuhören. Erst neulich hat mir Kloppo erzählt, dass er sich auch mit Hirnforschung beschäftigt. Er holt sich Input von außen und saugt einfach alles auf. Auch Bo Svensson sucht immer nach neuen Trainingsformen, er erinnert mich in seinem Wissensdurst sehr an diese Vorgänger.

Gibt es noch weitere Punkte?

Die soziale Kompetenz. Bo ist knüppelhart als Trainer und kann richtig unangenehm sein, nimmt die Jungs aber auch in den Arm. Selbst Spieler, die nicht zum Einsatz kommen, sehen in ihm den entscheidenden Punkt, warum wir Erfolg haben. Er ist schon sehr außergewöhnlich. Dazu kommen dann die Sahnehäubchen.

Die da wären?

Rhetorik. Charme, Ausstrahlung. Die Gabe, Menschen zu begeistern. Das sind die Dinge, die nur schwer zu erlernen sind. Klopp kannst du überall hinstellen, die Leute sind immer fasziniert.

Wie weit kann es Bo Svensson als Trainer schaffen?

Er ist momentan beim besten Verein für ihn. Wir können wahrscheinlich kein Meister werden (lacht), aber gemeinsam trotzdem viel erreichen. Seine heute berühmten Vorgänger waren zusammen 13 Jahre Trainer in Mainz. Das wird häufig vergessen. Bo hat alle Anlagen, um ein sehr erfolgreicher Trainer zu werden.

Interview: Johannes Ohr

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