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Christian Heidel: „Der größte Witz, den sich der Weltfußball je geleistet hat“

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Von: Jan Christian Müller

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Spricht gerne Klartext: Christian Heidel.
Spricht gerne Klartext: Christian Heidel. © imago images/Eibner

Mainzer Vorstand Christian Heidel kritisiert WM-Vergabe nach Katar und den Sommerspielplan der Nationalmannschaften: „Ein Irrsinn“

Nach den Feierlichkeiten zum Saisonabschluss bis ins Morgengrauen hinein mit fast 400 Mitarbeitenden der Geschäftsstelle, Sponsoren und Fußballprofis hat Christian Heidel Klartext gesprochen. Der meinungsfreudige Sportvorstand von Mainz 05 äußerte sich im Zusammenhang mit der bevorstehenden WM in Katar kritisch. Eine Fußball-Weltmeisterschaft im Wüstenemirat sei für ihn, ganz abseits der Frage von Menschenrechten, „der größte Witz, den sich der Weltfußball jemals geleistet hat. Man vergibt eine WM für den Sommer, um hinterher festzustellen, dass es dann ein bisschen zu warm in Katar ist“. Er befürchte, dass einige Klubs durch die mehr als zwei Monate währende Pause (von Mitte November bis Mitte Januar) „Liquiditätsprobleme bekommen“. Denn die Gehälter laufen weiter, die Spieltagseinnahmen aber fallen aus.

Absolut gar kein Verständnis bringt Heidel auch für den internationalen Spielkalender in diesem Sommer auf. Nach dem letzten Bundesligaspieltag am vergangenen Wochenende dauert es drei Wochen, ehe die Nationalmannschaft vier Spiele in der Nations League bestreitet. „Ein Irrsinn“, so Heidel. Auch der Mainzer Chefcoach Bo Svensson schüttelt den Kopf: „Ich weiß nicht, wer sich das ausgedacht hat.“

Spielkalender verrutscht

Die beiden Mainzer Macher wissen natürlich auch, dass Länderspiele im Juni seit vielen Jahren durchaus gängig sind, im durch Katar verrutschten Spielkalender nun aber nun zu diesem Zeitpunkt statt zwei gleich vier Partien der Nationalmannschaften stattfinden, weil deren Oktober- und Novembertermine der WM zum Opfer fallen. Und sie wissen ebenfalls, dass Europa League, DFB-Pokal und Champions League Raum für ihre Endspiele beanspruchen. Zu viel Raum in einem Jahr wie diesem sicherlich, insoweit ist die Kritik aus Vereinssicht allemal nachvollziehbar.

Sportdirektor Martin Schmidt weist als ausgewiesener Kenner der Wintersportszene zudem noch darauf hin, dass etwa der alpine Skizirkus der Winter-WM mühevoll in den Herbst ausweichen muss. „Wir werden in Zermatt schon vor der WM zwei Rennen haben.“ Genau am letzten Oktober- und ersten November-Wochenende und damit so früh wie nie.

Noch nicht abgeschlossen hat der diesjährige Bundesliga-Achte seine Überlegungen, wie er die ellenlange Winterpause mit jener Mehrzahl der Spieler überwinden soll, die nicht bei der WM in Katar dabei sind. „Wir können nicht zehn Wochen lang durchtrainieren, wenn wir keine Highlights am Wochenende haben“, sagt Bo Svensson, „wir werden auch mal ein paar Wochen freigeben.“

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