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Kollaps bei EM 2021

Psychologe fordert nach Eriksen-Vorfall Einsatz von Sonderkommission - Däne bekommt Defibrillator implantiert

  • Nico Scheck
    VonNico Scheck
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Beim EM-Spiel gegen Finnland bricht der dänische Mittelfeld-Star Christian Eriksen zusammen. Er erleidet einen Herzstillstand. Nun soll es eine Sonderkommission für solche Fälle geben.

Update vom Donnerstag, 17.06.2021, 20.59 Uhr: Nach dem Zusammenbruch des dänischen Fußballstars Christian Eriksen im ersten EM-Vorrundenspiel gegen Finnland (0:1) hat der Psychologe Professor Andreas Marlovits die Einsetzung eines speziellen Gremiums gefordert, um in solchen Einzelfällen über die Fortsetzung oder einen Spielabbruch zu entscheiden. "Es müsste eigentlich sowas wie eine Sonderkommission für solche Fälle geben, die, wenn sowas passiert, dann entscheidet, wie es weitergeht", sagte er bei MagentatTV.

Das Schwierige an der Situation sei, "dass es unmittelbar an der Spielstätte passiert ist. Und es nicht etwa ein Auto-Unfall war", betonte Marlovits, der unter anderem auch für Hannover, Bremen und Wolfsburg tätig war.

Der Psychologe unterstrich, dass eine Aufarbeitung solcher Erlebnisse für die Spieler sehr wichtig sei: "Wenn man das nicht tut, dann ist das ein großes Problem. Wenn man es aber tut, dann kann man daraus eine enorme Kraft schöpfen."

EM 2021: Eriksen bekommt Defibrillator implantiert

Update vom Donnerstag, 17.06.2021, 13.09 Uhr: Wie der dänische Verband am Donnerstag mitteilte, wird Christian Eriksen nach seinem Zusammenbruch beim EM-Spiel gegen Finnland ein Defibrillator eingesetzt. Nach „verschiedenen Herzuntersuchungen“ sei entschieden worden, dass der Mittelfeld-Star von Inter Mailand einen sogenannten ICD erhalte. Das ist ein implantierbarer Defibrillator, der Menschen mit Herzrhythmusstörungen operativ eingesetzt wird.

„Christian hat der Lösung zugestimmt“, betonte der dänische Teamarzt Morten Boesen und erklärte: „Bei Christian wurden verschiedene Herz-Untersuchungen durchgeführt. Danach wurde entschieden, dass er ein ICD bekommen sollte. Diese Entscheidung ist nötig, nachdem Herzrhythmusstörungen bei ihm eine Herzattacke ausgelöst hatten.“ Offen ließ der Verband jedoch, was der Defibrillator für Eriksens Zukunft als Profifußballer bedeutet. Daley Blind, Nationalspieler der Niederlande war vor eineinhalb Jahren ebenfalls ein ICD eingesetzt worden.

Der dänische Star Christian Eriksen musste nach seinem Zusammenbruch auf dem Spielfeld wiederbelebt werden. Mitspieler stellten sich vor das Geschehen, um es vor Fotografen und Filmaufnahmen zu schützen.

Christian Eriksen: Deutscher Arzt rettete sein Leben

Erstmeldung vom Donnerstag, 17.06.2021, 10.48 Uhr: Kopenhagen – Es ist die Szene der EM 2021*. Und sie ist tragisch. Als Christian Eriksen beim EM-Spiel gegen Finnland zusammenbrach, stand die Fußball-Welt für einige Minuten still. Der dänische Mittelfeld-Star hatte einen Herzstillstand erlitten und musste noch auf dem Platz reanimiert werden. Teil des Ärzte-Teams: der deutsche Mediziner Jens Kleinefeld.

Der deutsche Arzt berichtete nun im Interview den Zeitungen der Funke Mediengruppe von einem berührenden ersten Gespräch mit Eriksen. Laut Kleinefeld war Eriksen nach einem Elektroschock wieder bei Bewusstsein. Nach wenigen Minuten Herzmassage sei der Defibrillator eingesetzt und einmalig ein Elektroschock ausgelöst worden. Die Reaktion Eriksens im Anschluss ist bemerkenswert.

Nach Elektroschock öffnete Eriksen die Augen und sagte: „Ich bin doch grad mal 29“

„Etwa 30 Sekunden später hat der Spieler die Augen geöffnet und ich konnte direkt mit ihm sprechen. Das war ein sehr bewegender Moment, weil bei solchen medizinischen Notfällen im Alltag die Erfolgsaussichten doch deutlich geringer sind“, berichtete Kleinefeld. Gegenüber der Bild-Zeitung erzählte er: „Ich fragte ihn auf Englisch: Bist du wieder da? Er sagte: Ja, ich bin da. Und dann sagte er noch: Oh Sch…, ich bin doch grad mal 29 Jahre alt.“

Kleinefeld habe bei dem EM-Spiel Dänemark gegen Finnland (0:1) als Dopingarzt auf der Tribüne gesessen. Noch vor dem Spiel habe er eine Schulung für das sogenannte „Side-Line-Team“ am Spielfeldrand gegeben. Wie der deutsche Mediziner der Bild-Zeitung weiter erzählte, habe er nach dem Umkippen Eriksens zunächst nichts Dramatisches befürchtet. „Dann sah ich aber, wie der dänische Teamarzt relativ hektisch agierte. Ich habe erkannt, dass es keine normale Verletzung ist.“

Christian Eriksen: Der dänische Nationalspieler musste auf dem Feld reanimiert werden – offenbar erlitt er einen Herzinfarkt.

Deutscher Arzt berichtet von Rettungsaktion nach Kollaps von Christian Eriksen

Kleinefeld reagierte sofort. Gemeinsam mit dem Side-Line-Team sei er zu Eriksen gerannt, denn: „Ich bin ja schließlich Notarzt und kenne ernste Situationen.“ Als sie bei Eriksen ankamen, sei die notwendige Vorarbeit durch die Notfallmediziner bereits erledigt gewesen. „Dann habe ich die Leitung übernommen. Wir haben geschockt und mit der Herzdruckmassage weitergemacht“, führte Kleinefeld weiter aus.

Er sei sich zu 99 Prozent sicher gewesen, dass der dänische Nationalspieler stabil im Krankenhaus ankomme. „Bei einem medizinisch durchgecheckten Profisportler handelt es sich meistens um eine Art ‚Kurzschluss‘, der das Kammerflimmern auslöst. Der Elektroschock gibt dann den entscheidenden Impuls, dass das Herz wieder schlägt. Bei so jemandem ist – anders als bei normalen Patienten, etwa mit Vorerkrankungen – die Wahrscheinlichkeit minimal, dass das Herz erneut stehen bleibt“, erklärte Kleinefeld.

Während Eriksen nach wie vor im Krankenhaus in Kopenhagen verweilt, tritt Dänemark am Donnerstag gegen Belgien* (18.00 Uhr, Dänemark gegen Belgien live im TV und Live-Stream*) zum zweiten EM-Gruppenspiel an. Nach dem Eriksen-Kollaps kritisierte Dänemark-Torwart Kasper Schmeichel die UEFA* und ihre „lächerlichen“ Optionen, wann das Spiel gegen Finnland fortgesetzt werden sollte. Doch nicht nur die UEFA, auch das ZDF musste nach dem Eriksen-Drama reichlich Kritik einstecken*. Es stellt sich zudem die Frage, was passiert wäre, wenn Dänemark das Spiel einfach abgebrochen hätte*. (nc/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © WOLFGANG RATTAY/AFP

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