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Ehrung für einen Hooligan.

Chemnitzer FC

Chemnitzer FC erstattet Strafanzeige

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Der Neonazi-Eklat im Stadion weitet sich aus: Eine Fanbetreuerin und der Stadionsprecher müssen gehen. Der DFB ist besorgt.

Nach der Trauerfeier für den bekannten Neonazi Thomas Haller am Samstag im Stadion des Chemnitzer FC ringt der seit Jahren für teilweise rechtsradikales Fanklientel bekannte Fußball-Regionalligist einmal mehr um Schadensbegrenzung. Am Montag stellten die Himmelblauen Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft. Zudem setzte Insolvenzverwalter Klaus Siemon – seit April 2018 starker Mann im Verein – die Fanbetreuerin und den Stadionsprecher vor die Tür.

„Der Ablauf zum Heimspiel gegen VSG Altglienicke weicht soweit von unserem Sicherheitskonzept und den Vorfestlegungen und Absprachen zur Durchführung eines Spiels in der Regionalliga ab, dass es zu klären gilt, wie dies geschehen konnte“, sagte Siemon. Ihm lägen Aussagen von Sicherheitsmitarbeitern vor, denen „massive Ausschreitungen“ angedroht wurden. Ein Anfangsverdacht „schwerwiegender Nötigung“ und „schwerem Landfriedensbruch“ sei gegeben, behauptet Siemon. Ob das zutrifft, entscheidet die Staatsanwaltschaft.

Wer die Drohungen ausgesprochen hat und warum, ist unklar. Nachfragen wurden nicht beantwortet. Auch die Tatsache, dass eine Traueranzeige für den nach einem Krebsleiden gestorbenen Neonazi auf der Videoleinwand des Stadions gezeigt wurde, blieb vom CFC unkommentiert. Klar scheint für den Regionalligisten immerhin, dass „einschlägig bekannte Personen der rechtsextremen Szene für diesen Tag aus anderen Städten nach Chemnitz und Sachsen gereist sind“.

Rechtsextreme Fangruppen

Ob diese Auswärtigen auch dafür gesorgt haben, dass das vielseitige Fahnenmeer auf der Südtribüne verschwunden war, stattdessen nur ein großes schwarz-weißes Kreuz gezeigt wurde? Insolvenzverwalter Siemon setzt bei der Aufklärung dieser Frage ebenfalls auf die Staatsanwaltschaft.

Gänzlich neu dürfte auch ihm der rechtsradikale Einfluss auf Teile der Chemnitzer Fanszene allerdings nicht sein. Seit 2004 gibt es die Gruppierung New Society Boys, abgekürzt NS Boys, im himmelblauen Anhang. Der Verfassungsschutz stuft die Boys mit Hitlerjungen im Logo ebenso wie Kaotic Chemnitz als rechtsextremistisch ein. Bei den Chemnitzer Hetzjagden auf Migranten im August 2018 sollen Gruppenmitglieder ein tragende Rolle gespielt haben. Verbindungen gibt es auch zur ähnlich politisch aktiven Fanszene von Energie Cottbus. Wohl nicht zufällig waren am Samstag im Energie-Stadion auch Beileidsbekundung für Thomas Haller zu sehen.

Der Neonazi galt vor allem in den 1990er Jahren als zentrale Figur in der gewaltbereiten Chemnitzer Szene. Kurz nach der Wende hatte Haller die Gruppe HooNaRa gegründet – Kurzform von Hooligans Nazis Rassisten. Später wurde Haller trotz politischer extremer Positionen Chef der Stadion-Security beim Chemnitzer FC und blieb es bis 2006. Rassistische Aussagen in einem Interview wurden ihm dann aber zum Verhängnis. HooNaRa ist im Gegensatz zu NS-Boys und Kaotic Chemnitz inzwischen offiziell aufgelöst, aber dennoch immer noch präsent.

„Mindestens blauäugig“

Wie präsent, das zeigte am Samstag nicht nur CFC-Kicker Daniel Frahn mit einem T-Shirt der Gruppe beim Torjubel, sondern auch Fanbetreuerin Peggy Schellenberger, die persönliche Worte zum Tod des Neonazis fand. Inzwischen ist ihr Facebook-Statement gelöscht, Schellenberger abgetaucht. Am Montag wurde die SPD-Stadträtin nun auch vom CFC freigestellt – zusammen mit Stadionsprecher Olaf Kadner und Mitarbeiter Maximilian Glös. Bereits am Sonntag hatte der kaufmännische Geschäftsführer Thomas Uhlig seinen Rücktritt erklärt. Ob sich der CFC damit rehabilitieren kann?

„Der CFC hat in diesem Fall mindestens blauäugig agiert. Das muss Konsequenzen haben, der Hergang und die Ursachen müssen aufgeklärt werden“, sagte die Landtagsabgeordnete Verena Meiwald (Linke). Der aktuelle Fall zeige umso mehr, wie nötig es sei, „die Präventionsarbeit auszubauen und die professionelle Fanbetreuung zu stärken“.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) blickt derweil mit Sorge nach Chemnitz. „Wir distanzieren uns in aller Deutlichkeit von den Vorkommnissen im Chemnitzer Stadion und vertrauen gleichzeitig darauf, dass unsere für die Regionalliga zuständigen Kollegen im Nordostdeutschen Fußballverband die richtigen Maßnahmen einleiten und konsequent umsetzen“, sagte Vizepräsident Rainer Koch. Beim angesprochenen Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) kündigte man indes an, das Sportgericht mit den Ermittlungen betrauen zu wollen.

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