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Ajax jubelt über einen vermeintlichen Treffer, doch die Geste von Schiri Damir Skomina deutet auf den VAR-Einsatz hin.

Champions League

VAR-Premiere rettet Real Madrid

Die Premiere des Videobeweises in der Champions League zog eine heftige Diskussion nach sich.

Florentino Perez sitzt in Amsterdam im VAR-Truck und grinst diabolisch. Tor für Ajax? Nein, nein. Geschwind drückt der milliardenschwere Bau-Magnat und Präsident von Real Madrid aufs Annullierungsknöpfchen. Es ist nur eine miserable Fotomontage, aber sie fand im Internet rasende Verbreitung, weil sie besonders in Spanien das altbekannte Gefühl bedient: Klar! Typisch. Die Schiedsrichter helfen Real. Immer.

„Der VAR ist auch in Europa ein treuer Verbündeter von Real Madrid“, spottete die Sportzeitung El Mundo Deportivo, die allerdings traditionell dem FC Barcelona zugeneigt ist. Die AS sympathisiert seit jeher mit Real. Sie nannte drei entscheidende Faktoren für das 2:1 (0:0) im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals: „VAR – Vinicius – Asensio.“ Den überragenden Vinicius Junior, den Siegtorschützen Marco Asensio – und den Videobeweis. 

In VAR-heit war es Szymon Marciniak, der im Überwachungstruck Schiedsrichter Damir Skomina (Slowenien) anwies, eine Szene nochmals auf dem Monitor anzusehen. Bei einem Kopfballtreffer von Nicolas Tagliafico (37.) hatte Dusan Tadic im Abseits gestanden und zudem Real-Torwart Thibaut Courtois behindert. Nach mehr als zweiminütigem Rätselraten nahm Skomina das Tor zurück. Eine umstrittene Champions-League-Premiere. „Es ist eine Schande“, klagte Ajax-Trainer Erik ten Hag. 

In den Sozial-Netzwerken blühten umgehend Verschwörungstheorien. Hatte nicht der Pole Marciniak, der dann Video-Assistent war, das Spiel ursprünglich leiten sollen? Doch, so war es. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) sah sich noch am Abend gezwungen, via Twitter die Aberkennung des Tores zu rechtfertigen: Alles sei „korrekt“ und „gemäß Protokoll“ gelaufen. Darüber gingen die Meinungen weit auseinander. Ajax, das mit seiner jungen Mannschaft Madrid phasenweise an die Wand gespielt hatte, fühlte sich um eine Sensation betrogen. „Es war weder Abseits noch ein Foul am Torhüter“, sagte ten Hag. „Manchmal spielst du sehr gut und bekommst nicht jenes Ergebnis, das du verdient hast. Das war solch ein Abend.“ 

Ajax hatte gezeigt, dass es wieder eine hochtalentierte Mannschaft besitzt, die sich nach Saisonende wohl gegen gute Bezahlung in alle Himmelsrichtungen zerstreuen wird. Real rannte hinterher, hatte Glück mit dem VAR, bei einem Pfostenschuss Tadics (26.) und in weiteren Szenen. Letztlich siegten die Königlichen durch Tore von Karim Benzema (60.) und Asensio (87.) bei einem Gegentor durch Hakim Ziyech (75.). Es war eine Bestätigung jenes Mythos, wonach am Ende doch immer Real Madrid gewinnt, so schwach es auch gewesen sein mag. „Wir wussten, wie wir hier zu spielen hatten“, sagte Trainer Santiago Solari gelassen. Dies wusste womöglich auch die Klub-Ikone Sergio Ramos: Im 600. Pflichtspiel für Madrid holte sich der Innenverteidiger spät (89.) eine Gelbe Karte ab, die ihn für das nun vermeintlich einfache Rückspiel am 5. März sperrt. Ins Viertelfinale würde er unbefleckt gehen. 

Er würde lügen, wenn er behauptete, dies sei ohne Absicht geschehen, gestand Ramos nach dem Abpfiff. Als er erfuhr, dass dafür eine Sperre von zwei Spielen drohen könnte, ruderte er via Twitter zurück: „Ich habe die Gelbe Karte nicht provoziert.“ Abgezockt bis an die Schmerzgrenze und erfolgreich. Das ist eben: Real Madrid. (sid)

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